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Individuelle Möbel – wie sich Kundenwünsche in Zeiten des Wandels erfüllen lassen

Individuelle Möbel – Wie Sich Kundenwünsche In Zeiten Des Wandels Erfüllen Lassen

Innovative Strategien müssen her, um sich im harten Konkurrenzkampf der Möbelwelt behaupten zu können. Oberste Priorität haben dabei eine auf den Kunden ausgelegte Ansprache und damit insbesondere smarte Individualisierungsprozesse, die den heutigen Kundenwünschen entsprechen. Das Startup form.bar hat dies erkannt und bietet mit seinem Geschäftsmodell individuelle Möbel nach Maß. Welche Technologien eine Möbelindividualisierung ermöglichen, worüber form.bar die Wünsche seiner Kunden ständig verifiziert und was das Startup anderen Herstellern und Händlern empfiehlt, verrät Geschäftsführer Alessandro Quaranta im folgenden Interview.

Alessandro Quaranta gründete 2013 zusammen mit dem Architekten Nikolas Feth die Okinlab GmbH und startete 2015 mit der Design-Plattform form.bar die Digitalisierung der Möbelindustrie. form.bar wurde mehrfach zum besten Online-Shop für Maßmöbel gewählt.

Alessandro Quaranta hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes und der Università degli Studi di Siena studiert. Als Spezialist für Strategie-, Prozess- und IT-Beratung entwickelte er als Grundlage internationaler Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und Lehre ein Qualitätsmanagementsystem für Gründerzentren und akademische Ausgründungen.

Formbare Möbelwelten

Herr Quaranta, mit form.bar setzen Sie Ihre Überzeugung in die Tat um: Ein Raum und demnach auch das Möbeldesign müssen sich uns Menschen anpassen – und nicht umgekehrt. Wie ist dieser Gedanke entstanden? Und welches Ziel verfolgen Sie daher mit form.bar?

Der Anfang war recht kurios: Weil ich bei der Einrichtung eines extrem engen Ladenlokals an der Universität des Saarlandes mit herkömmlichen Regalen nicht weiterkam, fragte ich meinen alten Schulfreund Nikolas Feth um Rat. Er ist Architekt und forschte damals an Leichtbauteilen. Zusammen fanden wir eine innovative Lösung, für die wir mit Komplimenten überhäuft wurden. Da wurde uns klar, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet, um individuelle Wünsche mit regionalen Schreinern und Tischlern zu vernetzen, seien die Wünsche noch so ausgefallen. Wir tüftelten weiter, diskutierten nächtelang und bewarben uns dann für ein Gründerstipendium. Sollte der Antrag bewilligt werden, dieses gegenseitige Versprechen gaben wir uns, gründen wir ein Start-up.

Es hat tatsächlich geklappt und heute stellen wir auch mit ein wenig Stolz fest, dass sich dank form.bar jeder sein Lebensumfeld selbst gestalten kann. Dank digitaler Prozesse und intelligenter Netzwerke lassen sich individuelle Möbel nach Maß profitabel umsetzen. Das wollen wir künftig in noch mehr Ländern beweisen: In den kommenden fünf Jahren wollen wir zur führenden Plattform für Möbeldesign in Europa werden, die online designte, regional gefertigte Möbel zu einem fairen Preis anbietet.

Smarte Individualisierungsprozesse

Individualisierung ist ja in aller Munde. Aber wie setzen Sie diesen Kundenwunsch in die Tat um? Welche Technologien bietet form.bar seinen Kunden?

Die Herausforderung bei der Individualisierung liegt darin, dass Kunden ihre Wünsche verständlich artikulieren können und dann jemanden finden, der das zu einem vertretbaren Preis umsetzt. Wir haben das alles in eine Online-Plattform gepackt. Konkret verbindet form.bar den Design- mit dem Fertigungsprozess und gibt dem Kunden ein Werkzeug an die Hand, um sein Möbel durch Klicken und Ziehen spielerisch selbst zu gestalten. Ohne Vorkenntnisse in Konstruktion oder Architektur, so leicht wie möglich. Der Kunde muss nur wissen, was er will, und kann dann mit einem 3D-Programm loslegen. Mit dem komplexen Konstrukt im Hintergrund – Statik-Prinzipien, Form-Algorithmus, mathematischer Optimierung – muss er sich nicht beschäftigen, im Gegenteil, es hilft ihm beim Gestalten. Und die Auftragsvergabe in unserem Schreiner-Netzwerk passiert dann auch automatisch.

Wo liegen die wichtigsten Unterschiede zum Wettbewerb – wie grenzt sich form.bar ab?

Zum einen durch die absolut freie Formbarkeit, das heißt, es geht wirklich um Gestaltung, nicht nur um ein rechteckiges Möbel, das fünf Zentimeter breiter und sieben Zentimeter höher wird. Das bietet den Riesenvorteil, dass man jeden Raum optimal nutzen kann. Enge Flure, hohe Decken, ergonomische Bedürfnisse: Unsere Möbel passen sich an. Das ist natürlich gerade in Zeiten von knappem Wohnraum in den Städten und vor dem Hintergrund zunehmend individueller Abläufe im Wohn- und Arbeitsumfeld interessant.

Außerdem setzen wir nur dort Material ein, wo es gebraucht wird. So kann zum Beispiel die Tiefe eines Regals in Bewegungszonen reduziert, in freien Räumen und über Kopfhöhe dagegen maximiert werden. Auch müssen ja nicht in jedem Fach Bildbände oder Aktenordner verstaut werden. Zusammen mit der automatisierten Zuschnittoptimierung führt das zu geringen Kosten und ist nachhaltig, weil kein Material verschwendet wird. Unsere Technologie macht es möglich, Möbel zu wettbewerbsfähigen Preisen regional und klimafreundlich zu fertigen: Dieses Paket bietet niemand sonst.

Passgenaue Kundenansprache

Wie verifizieren Sie die Wünsche Ihrer Kunden und damit das Angebot von form.bar? In Zeiten des Wandels können diese ja immer wieder variieren und erfordern daher eine passgenaue Ansprache.

Es sind vor allem drei Wege: Wir sehen die Designs, die im 3D-Konfigurator erstellt werden. Und wenn gerade Regale mit einer TV-Aussparung gefragt sind, dann zeigen wir das auch eher mal im Schaufenster auf unserer Seite. Dann schauen wir uns an, was die Kunden fragen, per E-Mail oder im Live-Chat, und welche Bedürfnisse sie haben, zum Beispiel Schubladen ohne Griffe. So etwas können wir rasch implementieren und für alle verfügbar machen. Drittens erkennen wir Muster darin, was die Kunden tatsächlich bestellen und lassen das in den Kaufprozess einfließen. Nicht nur unsere Möbel sind also formbar, sondern der Prozess ist es auch.

Zukunftsfähige Ansätze

Was geben Sie den Teilnehmern der Living & Home Konferenz 2019 mit Hilfe des form.bar Konzepts mit auf den Weg? Wie können Händler und Hersteller einen wichtigen Schritt in die Zukunft machen?

Der Möbelhandel ist noch stark stationär geprägt, allerdings wird die Möglichkeit, Produkte online darzustellen, immer größer. In unserem Fall sogar in einer 3D-Darstellung, ich habe immer mein individuelles Produkt in Echtzeit vor mir und brauche keinen Designer, der mir das nochmals visualisiert. Der stationäre Handel wird weiter funktionieren, aber ich denke, nur für die Produkte, die auch wirklich eine Beratung rechtfertigen, die man online nicht abbilden kann.

Daher sollten sich Händler und Hersteller fragen, wie sie ihr Know-how, das über Jahre gewachsen ist, digitalisieren und sich damit zukunftsfähig machen können. Es ist nun mal so, dass es weniger Schreiner werden, weniger Hersteller, dass überall eine Konzentration stattfindet. Wer in fünf Jahren noch ein relevanter Marktplayer sein will, muss sein Geschäftsfeld durch neue Netzwerke erweitern, muss sich gewiss auch von lang bewährten Konzepten und Provisionen verabschieden und muss vor allem den Wandel selbst in die Hand nehmen. Sonst entscheiden wahrscheinlich bald andere über die eigene Zukunft.

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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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