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In Meetings leise punkten: Starke Wirkung für Introvertierte

In Meetings Leise Punkten: Starke Wirkung Für Introvertierte

Meetings sind für Introvertierte oft anstrengend – vor allem, wenn Extrovertierte in solchen Runden viel und laut reden. Die Folge: Intros fühlen sich übergangen. Dr. Sylvia Löhken, Expertin für persönlichkeitsbasierte Kommunikation, hat in einem ersten Interview bereits verraten, was introvertierte Menschen auszeichnet und wie diese trotzdem ihr Potenzial zeigen können.

Heute gibt Sie noch einmal ein ganz konkretes Beispiel aus einem Meeting und zeigt, wie sich die Situation mit einigen leisen Strategien doch ändern lässt.

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für persönlichkeitsbasierte Kommunikation. In ihren Vorträgen, Coachings und Workshops zeigt sie, welche Stärken verschiedene Persönlichkeitstypen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele nutzen können. Sie versteht es dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexes Know-how in einfache Worte und gut umsetzbare Strategien zu übersetzen.

Sie schreibt und publiziert regelmäßig über ihr Wissensgebiet. Ihre Bücher zu introvertierter Kommunikation wurden in 22 Sprachen übersetzt und über 500.000 Mal verkauft.

Ein Beispiel aus dem Alltag der Introvertierten

Die introvertierte Ina und der extrovertierte Edgar sind beide Abteilungsleiter im selben Unternehmen. Beide hoffen sie auf die bald frei werdende Bezirksleiterposition. Gerade sitzen sie in einem Meeting. Es geht um den Ausbau des Vertriebsnetzes im Ausland.

Ina:
„Ich habe recherchiert – die beste Möglichkeit ist eine Expansion in die EU-Märkte Osteuropas. Polen und Bulgarien haben dabei Standortvorteile. (Blickt auf ihr Papier.) Wir könnten auch von den Verbindungen profitieren, die wir in Ungarn schon haben, und dann gibt es noch die Allianz, die wir mit der tschechischen Firma Ybos haben, die könnten dann …“

Edgar:
(Unterbricht sie.) „Grundsätzlich kann das klappen – aber da gibt es ein paar Details in der Durchführung. (…) Wenn wir diese drei Dinge klären, würde ich sagen: Los geht’s!“

Abteilungsleiter:
„Hmm. Ich verstehe. Edgar, würden Sie die offenen Punkte klären?“

Edgar:
„Mache ich!“

Ina:
(Guckt fassungslos.)

Abteilungsleiter:
„Danke! Bestens. Kommen wir zum nächsten Punkt: (…)“

Ina:
(Rollt mit den Augen und verschränkt die Arme.)

Unter Stress übernehmen oft die Emotionen das Kommando. Wir fallen dann in Verhaltensweisen zurück, die uns von unserer Neigung her näher sind als all die schönen Strategien und Pläne.

Und so erstarrt Ina nach Edgars entschlossener Initiative in einer passiven Haltung, anstatt etwas zu sagen. Sie meidet den offenen Konflikt – was in ihrem Kopf abgeht, ist eine andere Sache. Extros neigen in solchen Situationen zu „lauten“ Äußerungen. So haben es Intros und Extros in diesen Fällen schwerer miteinander, weil ihre Unterschiede direkt aufeinanderprallen. Wenn sie aber ein Bewusstsein für ihre eigenen unbewusst ablaufenden Muster (und für Fortgeschrittene: die unbewussten Muster der anderen) entwickeln, können sie sich vorbereiten, angemessen reagieren und, wenn nötig, Grenzen setzen.

Was hilft Ina also?

Wenn sie …

… etwas über ihre eigenen typischen Reaktionen weiß,

… bewusst hinschaut,

… außerdem noch weiß, was sie genau will,

… weiß, wie Edgar als Extro gern reagiert und

… wie sie ihrerseits mit ihm umgehen kann.

Dann wird sie sich im Meeting mit Souveränität und auf ihr Ziel ausgerichtet äußern können.

Wer sich kennt, ist stärker!

Und noch etwas kommt hinzu: Wer authentisch kommuniziert, hat in Statusrangeleien gute Erfolgsaussichten. „Authentisch“ heißt: Im Einklang mit den eigenen Motiven, Werten und Eigenschaften. Es geht also darum, die eigenen Ziele gemäß der eigenen Persönlichkeit zu verfolgen – und nicht den großen Zampano oder das kleine Häschen zu spielen, weil irgendwelche Rollenmodelle das zu fordern scheinen. Vielleicht ist Edgars Verhalten im Meeting in dieser Hinsicht stimmig. Ebenso stimmig sollte auch Ina handeln, wenn sie ihm etwas entgegensetzt. Wer um seine Möglichkeiten weiß, kann auch jenseits seiner „offiziellen“ Position selbstbewusst seine Möglichkeiten nutzen und in vielen Fällen andere überzeugen, die rein formal sehr viel mächtiger scheinen. Denn es geht darum, die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten bewusst und möglichst gut zu nutzen – wenn Sie etwas erreichen wollen, das Ihnen am Herzen liegt.

Die eigenen Kommunikationsweisen wahrnehmen und die Unterschiede zwischen Intro- und Extro-Verhaltensweisen kennen: Diese beiden Faktoren ermöglichen Authentizität und Abstand. So bleiben gerade unter Stress negative Emotionen in vernünftigen Grenzen – und die persönliche Souveränität sorgt als Basis für Überzeugungskraft.

Tipps für starke, introvertierte Stimmen: Nachdruck

Nachdruck in der Stimme verleiht einer Äußerung Intensität und Dringlichkeit.

Die Person, die spricht, investiert Energie in Intonation, Lautstärke oder Akzentuierung. Damit entsteht ein Hochstatussignal, das zeigt: Der Mensch oder das Gesagte sind wichtig. Oder beides!

Aber Vorsicht: Lautstärke ist nicht automatisch stärker. Auch eine leise Stimme kann große Energie vermitteln und Hochstatus signalisieren! Viele mächtige Menschen sprechen nicht übermäßig laut. Sie sprechen zwar klar verständlich, artikuliert und mit gut dosiertem Energieeinsatz, aber nicht laut. Auch hier ist es die persönliche Sicherheit von innen heraus, die Stärke vermittelt.

Wenn Sie in einem ganz wörtlichen Sinne leise sind, dann halten Sie unbedingt Blickkontakt. Achten Sie in Ihrer Stimmführung auf ein gemäßigtes, aber nicht zu geringes Tempo, akzentuieren Sie bewusst und setzen Sie Pausen. Achten Sie ganz besonders darauf, tief und langsam in Ihren Bauch zu atmen, sodass Ihre Stimme gut trägt und stetig bleibt. Auch leise können Sie auf diese Weise kraftvoll und energisch sprechen. Einfache, kurze, klare Worte reichen dann völlig aus.

Falls jemand Ihnen ins Wort fällt oder Sie unterbricht …

Vor allem bei Unterbrechungen durch Mitarbeiter oder durch Kollegen, die mit Ihnen auf einer Hierarchie-Stufe stehen, gilt: Bleiben Sie beharrlich! Als Signal reicht ein freundliches: „Moment…“ – und dann reden Sie weiter! Bei Ihren Vorgesetzten kann es manchmal klüger sein, die Unterbrechung durchgehen zu lassen und über Blickkontakt und Nicken in Kontakt zu bleiben, während sie reden. Wenn es eben geht, schalten Sie sich wieder zu.

Wie hätte das also bei Ina ausgesehen?

Ina:
(Blickkontakt, mit freundlichem Nachdruck) „Moment, sofort, Edgar. Was hier also besonders wichtig ist: …“

„Laut werden“ ist nicht gleichzusetzen mit Macht. Einige der machtvollsten und einflussreichsten Menschen der Welt reden mit leiser, ruhiger Stimme. Oder haben Sie die Queen schon einmal laut erlebt?

Nutzen Sie Ihre Stärken!

Lernen Sie, auch als introvertierter Mensch auf Ihre starken Seiten zu sehen und zu setzen. In unserem Seminar Leise Menschen – starke Wirkung zeigt Ihnen Dr. Sylvia Löhken, wie Sie Ihre Stärken bewusst nutzen, um im Berufsalltag überzeugend zu kommunizieren und zu handeln.
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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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