Überspringen zu Hauptinhalt

Holzhochhaus: Funktioniert so nachhaltiges Bauen?

Holzhochhaus: Funktioniert So Nachhaltiges Bauen?

Ein Hochhaus ganz aus Holz? Ist so etwas möglich? Und könnte ein Holzhochhaus die Antwort auf wachsende Städte und den Rufen nach mehr Nachhaltigkeit, auch im Baugewerbe, sein?

Beton und Zement: erst Erlösung, jetzt kritisch beäugt

Bevor wir die Fragen beantworten, ein Blick zurück: Im Mai 1842 zerstört ein Feuer ein Viertel der damaligen Fläche Hamburgs. Bei trockenem Wetter, ungünstiger Winde und der damals üblichen Holzfachwerk-Bauweise hatte das Feuer leichtes Spiel. 20.000 Einwohner wurden obdachlos.

Erst als sich Beton und Stahlbeton als Baumaterial Anfang des letzten Jahrhunderts immer mehr durchsetzen, war der Zeit der großen Stadtbrände ein Ende gesetzt. Stahlbeton ermöglichte es zudem, viel höher zu bauen, als es bislang möglich war. Das 1930 und 1931 erbaute Empire State Building in New York setzte mit einer Höhe von 381 Metern völlig neue Maßstäbe.

Doch Bauen mit Beton hat hinsichtlich der Ökologie einen großen Nachteil: Bei der Herstellung wird jährlich mehr CO2 ausgestoßen als durch den gesamten, weltweiten Flugverkehr. Außerdem werden dabei Unmengen an Sand benötigt – der langsam knapp wird, weshalb bereits ganze Küstenabschnitte abgetragen werden. Die Bauindustrie – ein echter Klimakiller?

Ist der Baustoff Holz die Antwort?

Bäume wachsen mit Sonnenenergie und binden dabei eine große Menge Kohlenstoffdioxid. Außerdem ist es ein nachwachsender Baustoff. Holz hat deshalb beim Verbauen eine gute Klimabilanz, das CO2 bleibt im Holz gebunden. Wenn für den Bau Holz aus heimischen Wäldern genutzt wird, fällt durch den kurzen Transport die Bilanz sogar noch besser aus.

Neben der guten Klimabilanz hat Holz weitere Vorteile:

Welche Vorteile hat die Nutzung von Holz beim (Hoch-)Hausbau?

Die gute Ökobilanz

Wie schon eben erwähnt: Die CO2-Bilanz ist im Vergleich zu bisherigen Baustoffen deutlich geringer. Zudem wird die immer knapper werdende Ressource Sand eingespart. Und Holz ist vollständig recyclebar – ebenfalls ein großer Vorteil gegenüber Beton.

Wärmeschutz und gutes Raumklima

Holz gilt als schlechter Wärmeleiter. Genau aus diesem Grund bietet es einen perfekten Wärmeschutz im Sommer und Winter. Außerdem sorgt der natürliche Baustoff für ein gesundes Raumklima, eine optimale Luftfeuchtigkeit und einen hohen Wohlfühlfaktor.

Flexibler und schneller Bau

Holz ist ein leichter Baustoff, welcher jedoch sehr stark belastet werden kann. Genau aus diesem Grund ist Holz sehr flexibel einsetzbar. Zusätzlich ist das Bauen mit Holz durch die Option des Vorfertigens enorm zeitsparend.

Wohntrends

Diese neuen Wohn-Trends sollten Sie im Blick behalten

Das Whitepaper zu den Zukunftstrends im Bereich Wohnen: Wie werden wir künftig wohnen? Wo lohnt es sich zu investieren? Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Jetzt kostenfrei herunterladen!
Jetzt herunterladen!

Das gilt es beim Bau von Holz(hoch)häusern zu beachten

Kein Wunder also, dass der Baustoff Holz immer beliebter wird. In den letzten zehn Jahren ist der Bau von Holzhäusern um knapp 50 Prozent gestiegen. Laut dem statistischen Bundesamt wurde von den rund 108.000 errichteten Wohnhäusern in Deutschland jedes Fünfte aus Holz gebaut.

Trotzdem bleiben Unsicherheiten:

Sind deutsche Wälder dem steigenden Holzbedarf gewappnet?

Wenn mehr Häuser mit (regionalem) Holz gebaut werden, bedeutet das dann nicht, dass der deutsche Wald dafür abgeholzt werden muss?

In Deutschland ist ein Drittel der Landesfläche bewaldet, das sind 11,4 Millionen Hektar. Hier ist die Forstwirtschaft gefragt: Wenn Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden (nicht mehr Bäume entnommen werden als nachgewachsen sind) und auf Misch- statt schadenanfällige Monokulturen gesetzt wird, kann die Nachfrage problemlos gedeckt werden. Aktuell ist mehr Holz in deutschen Wäldern vorrätig, als er verbraucht wird.

Besonders beliebt im Baugewerbe ist die Fichte. Diese ist jedoch selbst Opfer des Klimawandels: Die Fichtenbestände in Deutschland gehen zurück. Alternativen könnten die Küstentanne und die Douglasie sein, bei denen man davon ausgeht, dass sie den Klimawandel besser vertragen.

Ist bei Holzhochhäusern der Brandschutz gesichert?

In Deutschland gelten strenge Anforderungen an den Brandschutz. Für Hochhäuser sind diese sogar noch strenger. Auch Häuser aus Holz müssen die Auflagen erfüllen können.

Hier kommt der Vorteil ins Spiel, dass massives Holz nur schwer entflammbar ist. Tragende Häuserelemente werden deshalb aus besonders massiven Balken errichtet. Sehr gute Erfahrungen konnten mit Kreuz-verleimtem Holz gemacht werden, das sehr stabil ist und kaum brennt. Außerdem sind die meisten Holzhochhäuser mit einer Fassade umkleidet, die zusätzlich schützt.

Das höchste Holzhochhaus in Deutschland

Holzhochhaus Wildspitze Hamburg

Visualisierung der Wildspitze, Bildquelle: Störmer, Murphy & Partners

Das höchste Holzhochhaus in Deutschland entsteht erst noch! In der Hafencity in Hamburg wird derzeit die „Wildspitze“ mit 19 Etagen, verteilt auf 64 Metern Höhe errichtet. Nach den Entwürfen von Strömer, Murphy & Partners sollen 190 Wohnungen und Ausstellungsfläche für die Deutsche Wildtier Stiftung bis zum Jahr 2021 entstehen. Außer der Treppenhauskerne wird das Haus komplett aus Holzwerkstoffen entstehen. Dadurch sollen 26.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart werden. Eine zweite Fassade aus Glas ist nicht nur eine Design-Entscheidung, sondern dient als Brand-, UV- und Feuchteschutz.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=BFMSLxOJRxE

Ein weiteres Projekt ist das auf den Namen „CARL“ getaufte 14-stöckige-Wohnhochhaus in Pforzheim. Das 45 Meter hohe Holz-Hybrid-Hochhaus wird von der Airlinger Baugenossenschaft erbaut und soll Wohnraum für 73 Mietwohnungen bieten. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2020 und die Fertigstellung für Ende 2021 geplant. Bei dem Neubau soll so viel Holz wie möglich genutzt werden, hier zahlt sich Pforzheims Nähe zum Schwarzwald aus, wodurch regionales Holz ausreichend vorhanden ist.

Und wo steht nun das derzeit höchste Holzhochhaus in Deutschland? Es heißt SKAIO und ist in Heilbronn zu bestaunen. Aus zehn Etagen besteht es, ist 34 Meter hoch. Bauherrin war die Stadtsiedlung Heilbronn, die damit den dringend benötigten Wohnraum in der Stadt schaffen wollte. 60 Wohnungen sind in dem Haus entstanden, für Familien und Alleinstehende, für Wohngemeinschaften und gefördertes Wohnen für Menschen in besonderen Problemlagen. SKAIO ist eine Hybridkonstruktion, Holz macht den überwiegenden Teil der Konstruktion aus, das Treppenhaus und das Sockelgeschoss sind aus Stahlbeton gefertigt.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=EhWy9DsJrhI

Das größte Holzhochhaus der Welt

Das derzeit höchste Holzhaus der Welt steht in Norwegen: Im März 2019 wurde das Mjøstårnet eingeweiht. 85,4 Meter ist es hoch und reicht über 18 Etagen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=zY0vFOZ6-us

Das Holzhochhaus wurde am größten See Norwegens, Mjøsa, errichtet. Das Holz konnte direkt aus der Umgebung geliefert werden und da das Gebiet für seine Holzwirtschaft bekannt ist, konnten auch die einzelnen Module in unmittelbarer Umgebung fertig gestellt werden. So konnten Kosten und CO2 beim Transport gespart werden.

Nur knapp kleiner ist das HoHo in der Wiener Seestadt Aspern. Zu den äußeren Werten: 84 Meter ist es hoch, 24 Geschosse hat es. Und die inneren Werte: 1.000 Deckenelemente und 800 Außenwandmodule wurden dafür zusammengesteckt.

„Natürlich ist das für uns ein klassisches Immobilienprojekt, mit dem wir langfristig auch gute wirtschaftliche Erfolge erzielen wollen. In erster Linie aber sehen wir das HoHo als Pionierprojekt, als materielle Manifestation, um den Hochbau in Holz in Österreich auch im größeren Maßstab zur Marktreife zu entwickeln und die immer noch kursierenden Vorurteile, die immer wieder zu hören sind, zu entkräften.“
– Caroline Palfy, Geschäftsführerin der Cetus Baudevelopment GmbH gegenüber „Der Standard“

Diese Holzhochhäuser werden wohl nicht lange die höchsten der Welt bleiben: In Chicago ist der Riever Beech Tower mit 244 Meter Höhe geplant und in London der Oakwood Tower mit sogar 300 Metern Höhe. Der japanische Holzbaustoffgigant Sumitomo Forestry hat zudem schon erste Pläne für einen 350 Meter hohen Holz-Wolkenkratzer in Tokio. Die Fertigstellung ist jedoch erst im Jahr 2041 geplant.

Wissenstransfer und Networking

Wie werden wir künftig bauen? Was lohnt sich, welche Trends gibt es? Welche Bauprojekte sind in den deutschen Städten geplant? Damit Sie Trends und News nicht verpassen, finden jährlich die Immobilienforen in vielen deutschsprachigen Metropol-Regionen statt. Informieren Sie sich über Perspektiven für Wohn-, Freizeit-, Büro- und Gewerberäume und Networken Sie mit dem Who-is-Who der Branche!

Silke Ritter

Wie werden wir künftig leben und arbeiten? Dieser Frage gehe ich hier im Blog nach. Seit 2012 gehöre ich zum Management Circle-Team, zuvor habe ich nach meinem Germanistik-Studium in der PR-Branche gearbeitet. Als Teil der #GenerationY weiß ich nicht nur um die Wichtigkeit von Hashtags und gutem Content, sondern wünsche mir mehr Mut in Unternehmen für die Digitalisierung. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Themenvorschläge!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen

4 rechtliche Themen, die Sie im Blick haben müssen

Erhalten Sie einen kompakten Überblick von sieben Experten zu den vier wichtigsten Rechtsthemen im Bau- und Immobilienbereich, angefangen von der BauGB-/BauNVO-Novelle 2017 bis hin zur Umsatzsteuer.

Jetzt herunterladen!

Bleiben Sie up-to-date in Sachen Bau- und Immobilien-Recht