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Herausforderung Atomausstieg (Teil 4): Endlager in Deutschland

Beitragsserien: Herausforderung Atomausstieg

Mit dem Standortauswahlgesetz soll 2016 die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle beginnen. Bisher gab es vier Standorte für Endlager in Deutschland, die jeweils unterschiedliche Funktionen hatten. Während im Endlager Konrad in Zukunft schwach- und mittelradioaktive Abfälle gelagert werden sollen, gibt es mit den drei anderen Standorten jeweils Probleme. Ein Überblick über die deutschen „Endlager“-Standorte.

 

Ein Endlager in Deutschland

Das Endlager in Deutschland muss definierten Sicherheitsanforderungen entsprechen. Demnach muss die Sicherheit eines Endlagers für mindestens eine Million Jahre nachgewiesen sein. Außerdem muss sie von der Planung bis zum Verschluss kontinuierlich optimiert werden.

Für die Endlager sind mehrere Barrieren aus unabhängigen Sicherheitssystemen vorgeschrieben. Dafür bietet sich eine Einlagerung in tiefen geologischen Formationen an, für die sich die Bundesregierung auch entschieden hat. Diese bestehen in der Regel aus Salz, Ton oder Granit. Ferner muss bis zum endgültigen Verschluss des Endlagers auch eine Rückholung der Abfälle möglich sein.

Mit dem Standortauswahlgesetz soll 2016 soll die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle beginnen. Bisher gab es vier Standorte für Endlager in Deutschland, die jeweils unterschiedliche Funktionen hatten. Jedoch scheint keiner der Standorte für die Einlagerung der Abfälle geeignet zu sein.

Das Endlager Konrad


Das Endlager Konrad ist das einzige feststehende Endlager in Deutschland. In der Nähe von Salzgitter sollen radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung eingelagert werden. Das sind über 90 Prozent des deutschen Atommülls, die allerdings nur 0,1 Prozent von dessen Radioaktivität beinhalten. Das Lager wurde im öffentlichen Verfahren bestimmt und Klagen gegen den Standort wurden in letzter Instanz abgewiesen.

Die Schachtanlage des ehemaligen Eisenbergwerks ist sehr trocken, was ein wichtiges Kriterium für ein Endlager darstellt. Allerdings wurde vor rund zwei Jahren festgestellt, dass der alte Schacht „Betonkrebs“ hat: beim Bau des Mauerwerks wurde an Zement gespart, so dass es nun brüchig ist. Dadurch erhöhen sich die Kosten von ursprünglich geplanten 900 Millionen Euro nochmals auf 2,9 Milliarden. Das missfällt den Energiekonzernen, die diese zu zwei Dritteln tragen sollen.

Versuchsbergwerk Asse II


Nachdem im Bergwerk Asse zunächst Salz abgebaut wurde, testete man dort 1967 bis 1978 die Entsorgung radioaktiver Abfälle. Damit war es weltweit das erste Atommüll-Endlager unter der Erde. Vor allem schwach- und mittelradioaktive Abfälle wurden dort eingelagert. Die Anlage wurde nach 1978 für Forschungsarbeiten weiter genutzt.

Nachdem in den 80er Jahren Laugenzuflüsse in das Bergwerk entdeckt wurden und dieses zudem Stabilitätsprobleme hat, plant das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nun seit 2010 die Rückholung des Atommülls. Diese ist jedoch nicht unproblematisch. Zudem umfassen die Abfälle insgesamt 126.000 Fässer mit ungefähr 200.000 Kubikmetern. Wo die Abfälle hin sollen ist noch nicht klar, ein möglicher Plan sieht vor, dafür das Endlager Konrad zu erweitern. Das soll aber frühestens 2022 geschehen, wenn dieses fertiggestellt ist.

Zufuhrkammer für mittelaktiven Abfall (Asse II)
 Bildnachweis: Gemeinfrei

Ursprünglich sollten im Endlager Konrad ungefähr 303.000 Kubikmeter Abfälle eingelagert werden. Jedoch wird überlegt, auch Reste aus der Urananreicherung sowie Altlasten aus Asse nach Salzgitter zu bringen. Damit würde sich die eingelagerte Menge verdoppeln. Konrad soll – mit etwas Verspätung – im Jahr 2022 fertig werden.

ERAM Morsleben


Das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) existiert seit 1971. Das ehemalige Salzbergwerk war der zentrale Endlagerstandort der DDR. 1986 erhielt das Lager eine unbefristete Zustimmung zum Dauerbetrieb, die durch die DDR nicht mehr aufgehoben wurde. In Morsleben liegen 36.753 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle, jedoch wurde die Einlagerung durch das BfS im Jahr 2001 nach einem Gerichtsbeschluss ausgesetzt und eine Stilllegung beantragt.

Im Gegensatz zu Asse II hatte Morsleben nicht mit Stabilitätsproblemen zu kämpfen. Auch der Zutritt von Flüssigkeiten lief relativ stabil und konnte regelmäßig abgepumpt werden. Er stellte nach Prüfung des BfS keine Gefahr dar und Hinweise auf eine erhöhte Strahlenbelastung gab es nicht. Bei einer Stilllegung werden die Abfälle sicher von der Biosphäre abgeschlossen. Allerdings fehlen noch die nötigen Nachweise dafür, dass das Endlager wirklich sicher geschlossen werden kann. Dadurch ist noch ungewiss, wann mit der Stilllegung begonnen werden kann.

Atommülllager Gorleben


Gorleben ist fast ein Synonym für die Suche nach einem Endlager. Am Standort in Niedersachsen wurden seit 1979 übertägige Erkundungen durchgeführt, seit 1983 auch untertägige. Von Beginn an wurde das Projekt durch heftige Demonstrationen begleitet. Dennoch bleibt Gorleben bis heute als Endlager in Deutschland in der Diskussion und wird auch in die Standortsuche nach dem Standortauswahlgesetz einbezogen. Die Erkundungsarbeiten, die bereits von 2000 bis 2010 durch ein Moratorium ausgesetzt waren, wurden durch dieses Gesetz jedoch vorerst beendet.

Nach Untersuchungen des BfS sprechen derzeit keine geowissenschaftlichen Gründe gegen die Verwendung des Salzstocks Gorleben als Endlager. Allerdings fließt Grundwasser um den Salzstock, das in das Salz eindringen könnte. Dadurch bestünde die Gefahr besteht, dass radioaktive Stoffe in die Biosphäre gelangen.

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https://www.youtube.com/watch?v=fYhwrHOkvXQ

Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle

Bevor Konrad fertig und ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gefunden ist, werden die Abfälle in Zwischenlagern untergebracht. In Deutschland gibt es drei zentrale Zwischenlager: Gorleben, Ahaus und Lubmin. Außerdem sind Betreiber von Kernkraftwerken seit der Atomgesetznovelle von 2002 verpflichtet, standortnahe Zwischenlager zu unterhalten. Davon gibt es insgesamt 12, ebenso wie es noch 12 Landessammelstellen gibt, die Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung annehmen.

Für Transport und Zwischenlagerung von hochradioaktiven Abfällen werden die berühmt-berüchtigten Castorbehälter genutzt. Diese waren auch relevant bei Transporten von Abfällen zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich, die im Jahr 2005 gestoppt wurden. Atommülltransporte wurden immer wieder von Demonstrationen begleitet.

Mehr über die politische Dimension des Atomausstiegs erfahren Sie im nächsten Teil unserer Reihe.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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