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Gestalten Sie Teilzeitarbeit neu: mit dem Führungs-Tandem

Gestalten Sie Teilzeitarbeit Neu: Mit Dem Führungs-Tandem

Teilzeitarbeit war lange ein Modell, das für karriereorientierte Menschen weniger geeignet war. Dabei gibt es Ideen, wie diese Form der Arbeit sehr leistungsstarke Ergebnisse hervorbringt, beispielsweise mit dem Führungs-Tandem. Was das ist und wie auch Sie die Teilzeitarbeit in Ihrem Unternehmen überdenken sollten, verrät Ihnen Angela Puschner im Interview.

Angela Puschner ist seit 2013 Teil der kartenmacherei. Seit ihrer Rückkehr aus der Elternzeit in 2016 ist sie als Head of Content Marketing im Tandem für die Produkt- und Unternehmenskommunikation verantwortlich. Die Kommunikationsexpertin ist seit 25 Jahren in Marketing und PR mit Schwerpunkten in der Musik- und Medienbranche tätig. Zu ihren wichtigsten Stationen zählt u. a. ANTENNE BAYERN, wo sie zuletzt als Referentin in der Unternehmenskommunikation tätig war. Puschner ist Mutter eines vierjährigen Sohnes und arbeitet in Teilzeit im Führungs-Tandem, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben.

Angela Puschner

Angela Puschner

Die Innovation der Teilzeitregelung

Können Sie uns kurz beschreiben, was das Besondere an der Teilzeitarbeit bei der kartenmacherei ist?

GembaUns ist sehr wichtig, dass jedes Teammitglied seine Arbeitszeit so einteilen kann, wie es zu seinem Leben passt. Deswegen ist Teilzeitarbeit bei uns nicht an eine feste Stundenzahl oder Arbeitszeit geknüpft. Ob 20 oder 35 Stunden, freitags frei oder 6-Stunden-Tage – alles ist möglich. Und das, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Ich höre immer wieder Geschichten von Unternehmen, in denen vermeintliche Privilegien wie Teilzeit oder Home Office, wenn überhaupt, Mitarbeitern vorbehalten sind, die aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht anders können. Etwa, weil sie Angehörige pflegen müssen oder einfach, wie ich, Mütter sind. Dabei gibt es noch etliche andere Gründe, warum ein Arbeitnehmer entscheidet, nicht die üblichen 40 Stunden pro Woche im Büro zu verbringen.

Zeitintensive Hobbies zum Beispiel oder Weiterbildungen. Eine unserer wichtigsten Prämissen ist “We do what makes sense”. Und individuellen Lebenskonzepten ein universales Arbeitszeitmodell überzustülpen, macht unserer Erfahrung nach absolut keinen Sinn.

Besonders ist sicher auch, dass wir Teilzeitarbeit gezielt auch in Führungspositionen fördern. Ich zum Beispiel teile mir meine Teamlead-Stelle im Tandem mit einer anderen Kollegin, die ebenfalls in Teilzeit arbeitet. Ich arbeite freitags nicht, sie hat montags ihren freien Tag. So hat unser Team immer einen Ansprechpartner und wir profitieren gegenseitig vom Know-how des anderen.

Leichter als gedacht: Die Koordination im Team

Was ist das Geheimnis einer erfolgreichen Teilzeitarbeit?

SozialkompetenzMeiner Erfahrung nach steht und fällt erfolgreiche Teilzeitarbeit mit der Kommunikation: Besonders in einem sehr flexiblen Umfeld wie unserem, in dem sich jeder seine Arbeitszeit selbst einteilen kann, ist es wichtig, dass jedes Teammitglied die Verfügbarkeiten seiner Kollegen kennt und respektiert.

Freunde, die in weniger flexiblen Strukturen arbeiten, fragen mich oft: Und wie koordiniert ihr Termine, wenn jeder kommen und gehen kann wann er will? Tatsächlich erleichtern schon einfache Tools wie ein gepflegter Kalender die Terminkoordination enorm. Ich habe meine Abwesenheit zum Beispiel fest im meinem Google Kalender hinterlegt, sodass jeder weiß, wann ich verfügbar bin.

Es schärft den Sinn für Prioritäten.

Angela Puschner | Head of Content Marketing | kartenmacherei

 

Sicher gehört auch eine gute Portion Selbstdisziplin dazu. Gerade in Führungspositionen sind die To-Do-Liste und der Posteingang niemals leer und ich musste erst einmal lernen, meine arbeitsfreie Zeit auch als solche zu nutzen. Ehrlicherweise schärft das aber auch den Sinn für Prioritäten: Wer dauerhaft weniger Zeit zur Verfügung hat als die Kollegen in Vollzeit, hinterfragt zwangsläufig häufiger, welches Thema zuerst angegangen werden muss.

Sie haben das Jobsharing neu geregelt. Wieso glauben Sie, dass das für Unternehmen so viele Vorteile bringt?

TeamarbeitMal ganz pragmatisch gesprochen: Zwei Köpfe haben einen deutlich weiteren Horizont als einer. Gerade dann, wenn diese zwei Köpfe wie im Fall meiner Tandem-Partnerin und mir ganz unterschiedliche berufliche Hintergründe haben. Ich glaube, dass viele Unternehmen den vermeintlichen finanziellen Mehraufwand scheuen. Warum sollte ich als Chef in zwei Führungskräfte investieren, wenn auch eine allein den Job schaffen kann und am Ende womöglich noch beide gleichzeitig an denselben Themen arbeiten? Auch hier ist die Kommunikation ein entscheidender Faktor. Wir haben die unterschiedlichen Themengebiete unseres Teams klar zwischen uns aufgeteilt und tauschen uns regelmäßig aus. Wenn es brennt oder eine von uns ausfällt, können wir problemlos füreinander einspringen.

Als besonders bereichernd empfinde ich, dass ich als Führungskraft nicht alleine bin.

Angela Puschner | Head of Content Marketing | kartenmacherei

 

Ich habe immer einen Sparringspartner, mit dem ich mich fachlich und persönlich austauschen kann. Das wirkt sich natürlich auch positiv auf unseren Beitrag zum Unternehmen aus: Als Tandem treffen wir einfach deutlich reflektierte und fundiertere Entscheidungen, als allein.

Wie haben Sie Ihren Chef von der neuartigen Teilzeitarbeit überzeugt?

Wir haben das große Glück, dass unser Gründer und Chef Christoph selbst ein starker Treiber beim Thema Jobsharing war. Die Idee, Teilzeitarbeit und Führung zu vereinen, entstand aus der eigenen Situation heraus: Christophs Frau Jennie wollte nach der Geburt ihres zweiten Kindes wieder zurück in ihre Führungsposition als Chief Creative Director, gleichzeitig aber natürlich auch ihre Mutterrolle leben. Also haben die beiden Jennies Position kurzerhand so angepasst, dass beides möglich war und eine Tandem-Partnerin für sie an Bord geholt. Die Initiative unseres Gründer-Paars war dann der Startschuss, unsere Arbeitsmodelle generell zu hinterfragen und besonders für Mütter flexibler zu gestalten.

Vorurteile zur Teilzeitarbeit halten sich hartnäckig

TeamworkDass ein Chef beim Thema Jobsharing und Teilzeit mit gutem Beispiel vorausgeht, ist natürlich nicht selbstverständlich. Denn leider hält sich in den Führungsriegen nach wie vor hartnäckig das Vorurteil, Mitarbeiter in Teilzeit seien weniger produktiv und eine Position mit zwei Personen zu besetzen betriebswirtschaftlicher Unsinn. Bedenken, die sich in der Praxis nicht bestätigen. Wer über Jobsharing nachdenkt, dem kann ich nur empfehlen, mit anderen Unternehmen zu sprechen, in denen es bereits erfolgreich gelebt wird. Sich von verschiedenen Modellen inspirieren zu lassen und auch die möglichen Hürden abzuwägen, hilft. Denn ich bin ganz ehrlich: Natürlich ist Jobsharing kein Selbstläufer. Es gehören eine Menge Vertrauen, Selbstreflexion und auch Kritikfähigkeit dazu, um als Tandem ein wirklich gutes Team abzugeben. Gerade wenn man sich menschlich sympathisch ist, fällt es umso schwerer, dem anderen offen und ehrlich die Meinung zu sagen. Wir haben daher damals ein externes Coaching absolviert, was ich auch jedem anderen Tandem empfehlen würde.

Agil, cross-funktional oder einfach innovativ?

Welche Kultur brauchen Unternehmen in der Arbeitswelt 4.0 Ihrer Meinung nach?

Meiner Meinung nach ist vor allem eine hohe Innovations- und Risikobereitschaft gefragt. Wer immer auf altbewährte Strukturen setzt, tritt auf der Stelle. Gerade wir Online-Unternehmen sind einem ständigen Innovationsdruck ausgesetzt – alles wird schneller, besser, digitaler. Um dem Wandeln standzuhalten, müssen auch die internen Strukturen mitwachsen. Wir haben deswegen vor zweieinhalb Jahren unser Unternehmen komplett auf den Kopf gestellt und unsere klassische Abteilungsstruktur in agile, cross-funktionale Teams konvertiert. Das war ein großer Schritt und sicher ist es nicht für jedes Unternehmen der richtige. Uns hat diese strukturelle Transformation aber ungemein geholfen, die Flexibilität und Kundennähe aus unserer Anfangszeit zurückzugewinnen.

FuehrungswissenGanz wichtig für die Unternehmenskultur finde ich auch den Faktor Vertrauen. Wer jederzeit die Kontrolle haben möchte, wann welcher Mitarbeiter wo an welchen Themen arbeitet, wird wahrscheinlich keine große Flexibilität zulassen. Genau die braucht es aber meiner Meinung nach, um langfristig motivierte Mitarbeiter zu haben. Und die sind in unserer sich stetig wandelnden Arbeitswelt mehr denn je der Schlüssel zum Erfolg.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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