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Eckhard Eyer über neue Wege beim Leistungsentgelt in der Industrie 4.0

Eckhard Eyer über Neue Wege Beim Leistungsentgelt In Der Industrie 4.0
Beitragsserien: Kolumne Eckhard Eyer: Leistungsvergütung in der Industrie

Ganzheitliches Lean Management erfordert eine Anpassung. Nicht nur operative Prozesse sind von dem Wandel betroffen, sondern es ist besonders wichtig, neue Maßstäbe zu definieren, die Leistung im Zeitalter von Industrie 4.0 messen können. Eckhard Eyer informiert in diesem Gastbeitrag über neue Methoden, die sich im Rahmen von Industrie 4.0 anbieten.

Eckhard Eyer studierte Maschinenbau in Kaiserslautern und Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. Nach Stationen in der Industrie arbeitete er von 1989 bis 1997 im Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (IfaA) in Köln, im Fachbereich Entgeltgestaltung.

Eckhard Eyer ist Inhaber der Perspektive Eyer Consulting mit dem Arbeitsschwerpunkt: Beratung bei der Gestaltung und Umsetzung von Führungs- und Entgeltsystemen, insbesondere von Leistungsentgeltsystemen. Er begleitet Unternehmen von der Problemstellung über die gemeinsame Projektgruppenarbeit von Management und Betriebsrat bis hin zum Abschluss der Betriebsvereinbarung und der Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern. Eckhard Eyer ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu Vergütungsthemen, führt Seminare und betriebliche Workshops durch und ist Lehrbeauftragter an der Universität Trier.

Herausforderung für die Personalabteilung

Die Industrie 4.0 ist nicht nur in technologischer und organisatorischer Hinsicht eine Herausforderung für die Unternehmen, sondern auch hinsichtlich der Definition von Leistung und der Leistungsmessung. Die Personal- und Industrial-Engineering-Abteilungen sowie die Betriebsräte stehen hier vor einer großen Herausforderung.

Leistung, definiert als Arbeit dividiert durch Zeit, ist der klassische Zugang zu dem Thema. Je größer die in einer bestimmten Zeit erbrachte Arbeit ist, desto höher ist – für einen Arbeitswirtschaftler in produzierenden Unternehmen – die Leistung. Im Akkordlohn und bei der Leistungsprämie, aufgrund der Arbeitsproduktivität, wurde und wird dieses Prinzip mit Perfektion umgesetzt. Die Leistung bemisst sich nach der Anzahl der bearbeiteten Teile multipliziert mit der Vorgabezeit dividiert durch die dafür benötigte Arbeitszeit.

Die Begriffe sind bisher sauber definiert, Teile werden gezählt, die Vorgabezeit mit der MTM- oder REFA-Methode ermittelt und die Arbeitszeit mit der Stechuhr erfasst.

Neue Kennzahlen erfordern neue Maßstäbe

Im Zuge von Lean Production und ganzheitlichen Produktionsprozessen wurden weitere komplexe Leistungskennzahlen erarbeitet, so z. B. die Gesamtanlageneffektivität – Overall Equipment Effectiveness (OEE). Diese OEE berücksichtigt die Verfügbarkeit, die Effektivität und den Qualitätsgrad der Anlagen und ist das Produkt dieser drei Kennzahlen.

Bei den in Echtzeit optimierten Wertströmen in der Industrie 4.0 stellt sich die Frage ob die Leistung sinnvollerweise noch auf der Basis von Stück und Zeit gemessen wird oder ob auch der Preis der Produkte mit eingeht. Denn ein kurzfristig an den Kunden geliefertes Produkt sollte einen höheren Preis erzielen, als ein Produkt auf das der Kunde lange warten muss. Das gleiche gilt auch für Dienstleistungen. Folgt man dieser These, dann werden zunehmend betriebswirtschaftliche Leistungskennzahlen – wegen der Berücksichtigung eines höheren Preises – aussagefähiger sein, als arbeitswirtschaftliche Leistungsgrößen die „nur“ auf Menge und Zeit basieren. Der Rohertrag je Arbeitsstunde ist eine mögliche Leistungskennzahl, ebenso die Wertschöpfung je Arbeitsstunde, die sich – bei optimierten Wertschöpfungsprozessen in der Industrie 4.0 – schon vom Begriff her anbietet.

Die Personal- und Industrial-Engineering-Abteilungen sowie die Betriebsräte stehen vor einer großen Herausforderung.

Nachdem der Output – die Arbeit – definiert ist, ist der Input, die Arbeitszeit zu definieren. Bei der Erfassung der Arbeitszeit in der Industrie 4.0 stellt sich die Frage „Was ist Arbeitszeit und wie wird sie erfasst?“ Ist es die Zeit, die der Mitarbeiter im Unternehmen mit der Stechuhr erfassen?

Wie wird die Zeit berücksichtigt, die der Mitarbeiter in seiner Freizeit oder unterwegs arbeitet? Haben Bereitschaftszeit und Rufbereitschaft ausgedient und werden aus den Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen gestrichen? Oder werden Arbeitszeit, Bereitschaftszeit und Rufbereitschaft sauber erfasst und aufwändig verwaltet, um bei der Ermittlung des Leistungsentgeltes berücksichtigt zu werden?

Alternative: Die Vertrauensarbeitszeit als Kennzahl

Ein andere Möglichkeit wäre es davon auszugehen, dass mit der Vertrauensarbeitszeit gearbeitet wird, d. h. dass die Arbeitszeit, die im Arbeitsvertrag vereinbart ist und die monatlich vergütet wird – unabhängig vom Arbeitsort und der Tageszeit – die Arbeitszeit ist, die bei der Ermittlung des Leistungsentgeltes zugrundegelegt wird.

Spannende Zeiten für Management und Betriebsräte, Führungskräfte und Mitarbeiter, die in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemischen Industrie aber auch in Dienstleistungsunternehmen Antworten auf diese, die Industrie 4.0 flankierenden Maßnahmen geben müssen, damit sie zu dem prognostizierten Erfolgsmodell wird.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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