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[Gastbeitrag] Dr. José A. Campos Nave über mögliche Finanzierungswege des Iran-Geschäfts

[Gastbeitrag] Dr. José A. Campos Nave über Mögliche Finanzierungswege Des Iran-Geschäfts

Dr. José A.Campos Nave verfügt über langjährige Erfahrungen in der Begleitung deutscher und internationaler Unternehmen bei ihrer Expansion im In- und Ausland und verantwortet die Aktivitäten von Rödl & Partner in Iran.

Er ist unter anderem Autor zahlreicher Fachveröffentlichungen und Monografien zum Wirtschafts- und Steuerrecht.

Dr. José A. Campos Nave

Dr. José A. Campos Nave

Unternehmerische Erwartung trifft iranische Realität

Seit der teilweisen Lockerung der Iran-Sanktionen Ende Januar 2016 ist ein regelrechter Boom in der Wirtschaftspresse bezüglich „Investitionen im Iran“ entfacht worden. Hierbei wurden stets die großen unternehmerischen Chancen und die schier unglaublichen unternehmerischen Möglichkeiten im Iran dargestellt. Einige Autoren relativieren diese euphorische Grundstimmung mit dem Hinweis auf die gegenwärtige iranische Realität.

Sicherlich ist es angebracht, die unternehmerischen Chancen eingehend zu bewerten und zu beleuchten. Die Öffnung dieses großen Marktes mit seinen rund 80 Millionen Einwohnern und der industriell geprägten Gesellschaft stellt ein Faktum dar, das sich nicht jedes Jahr wiederholen wird. Gleichwohl ist es ratsam, die unternehmerischen Erwartungen einem Realitäts-Check zu unterziehen.

Tatsächlich kann die Marktöffnung des Irans, die tatsächlich nur eine partielle Öffnung ist, keinesfalls mit der Marktöffnung in China verglichen werden. Bei der Öffnung des chinesischen Marktes hatte seinerzeit die chinesische Regierung wichtige Weichenstellungen vorgenommen, um ausländisches Kapital ins Land fließen zu lassen. Regulatorische Hürden wurden

Skyline Teheran

abgebaut. Zudem wurden Investitionsanreize mit Sonderwirtschaftszonen und Steuervergünstigungen geschaffen. Daraufhin haben eine Vielzahl von Unternehmen Auslandsniederlassungen in China gegründet, die nicht nur lokalen Handel mit Produkten aus Deutschland betrieben, sondern die Produktion und Entwicklung von neuen Produkten umgesetzt haben.

Der Mittelstand zögert: Sind die Hindernisse noch zu groß?

Im Iran kann eine Öffnung des Marktes in diesem Umfang derzeit nicht festgestellt werden. Zu groß sind derzeit noch die faktischen Hindernisse und die administrativen Zugangsbeschränkungen, die es deutschen und anderen ausländischen Unternehmen erschweren, im Iran „Fuß zu fassen“. Derzeit werden vielerorts Handelsrepräsentanzen im Iran gegründet, um in Deutschland gefertigte Produkte im iranischen Markt vertreiben zu können. Den wesentlich wichtigeren Schritt, Produktions- und Entwicklungsstandorte im Iran aufzubauen, setzen derzeit nur sehr wenige Unternehmen um. Insbesondere im Bereich der mittelständischen Wirtschaft bestehen erhebliche Vorbehalte gegen solche weitreichenden Projekte. Zu groß ist häufig die Befürchtung, eine im Iran getätigte Investition nicht mehr amortisiert zu bekommen und das investierte Kapital zu verlieren.

Die Angst vor den US-Sanktionen

Ein wesentlicher Beitrag zu dieser Verunsicherung wird sicherlich durch die gegenwärtige Sanktionspolitik der USA gesetzt. Obgleich Iran formell dem SWIFT-Abkommen beigetreten ist, funktioniert der freie Kapitalverkehr noch nicht. Immer noch verwehren sich die deutschen Großbanken, mit iranischen Banken zusammen zu arbeiten und Kapital aus iranischen Quellen auf deutschen Konten entgegen zu nehmen. Zu groß ist die Befürchtung anschließend mit US-Sanktionen bestraft zu werden und beispielsweise in den USA die eigene Banklizenz zu verlieren oder mit Strafzahlungen belegt zu werden. Eine willkommene Klarstellung seitens der US-Regierung, dass nun der freie Kapitalverkehr mit dem Iran vollzogen werden kann, fehlt immer noch. Folglich überwiegt aus Sicht der deutschen Großbanken das Risiko, sodass von solchen Geschäften abgesehen wird. Bis es zu einer solchen Klarstellung im Hinblick auf den zulässigen Geldverkehr mit iranischen Banken kommt, wird sich die Handhabung deutscher Großbanken nicht ändern.

Der „First-Mover“ wird seinen Platz in der iranischen Wirtschaft finden […].

Gleichwohl spricht derzeit viel dafür, die eigene Marktpräsenz im Iran auszubauen und zu verstärken. Möglicherweise können die Geschäfte erst nach der vollständigen Freigabe des Kapitalverkehrs umgesetzt werden. In dieser Zeit sollte jedoch die Marktposition im Iran durch lokale Kooperationen und Partnerschaften ausgebaut und verfestigt werden. Der „First-Mover“ wird seinen Platz in der iranischen Wirtschaft finden und der unternehmerische Mut wird sich in der Zukunft für diejenigen Unternehmen auszahlen, die trotz weiterhin bestehender Sanktionen den Eintritt in den Iran vollzogen haben.

Bei genauem Hinsehen ergeben sich Möglichkeiten der Zahlungsabwicklung

Die deutschen Unternehmen sollten daher bereits jetzt den Markteintritt analysieren und an der Umsetzung arbeiten. Es bieten sich genügend Möglichkeiten, bereits jetzt im Iran erfolgreich zu sein. Beispielsweise kann die Finanzierung auf folgendem Wege umgesetzt werden.

Die USA haben unter Durchbrechung ihrer eigenen harten Sanktionsbestimmungen gegenüber dem Iran und Oman ausdrücklich gestattet, bestimmte Geschäftsaktivitäten mit dem Iran durchzuführen, die anderen Ländern verschlossen sind. So ist der Oman berechtigt, Iran bei der Liquidierung der iranischen Goldreserven in einigen anderen Anrainerstaaten behilflich zu sein.

Statistik Iran

Ein Teil dieser Erlöse fließt auf bestimmte Konten im Oman, im Wesentlichen bei der Bank of Muscat und bei der National Bank of Oman. Mit diesen Erlösen können die Banken sodann „on behalf of Iranian companies“ Handelsfinanzierungen für europäische Unternehmen, die Waren in den Iran exportieren, auf Akkreditivbasis abwickeln. Dies ist nur eine Facette unter den Möglichkeiten, die Oman seitens der USA eigeräumt wurden.

Es zeigt sich daher, dass bei einer genauen Kenntnis der rechtlichen und der faktischen Möglichkeiten der Iran bereits jetzt seine Pforten weiter geöffnet hat, als es für einige Marktteilnehmer ersichtlich ist.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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