Überspringen zu Hauptinhalt

Bezahlen mit der Blockchain – zwischen Technologie und Kundenwunsch

Bezahlen Mit Der Blockchain – Zwischen Technologie Und Kundenwunsch

Und jetzt auch noch “Blockchain” … Was, bitte, in aller Welt hat denn Bezahlen mit einer „Fahrradkette“ zu tun? Udo Milkau ist dem nachgegangen und beschreibt drei wichtige Aspekte der Blockchain.

Udo Milkau ist Leiter der Geschäftsfeldsteuerung Transaction Banking der DZ BANK AG. Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist insbesondere die „quantitative Strategieentwicklung“ des Transaction Bankings mit den Facetten Zahlungsverkehr, Wertpapierservice und Verwahrstelle sowie Abwicklung von Kapitalmarktprodukten.

Nach dem Studium der Physik und Forschungsaufenthalten an verschiedenen europäischen Großforschungszentren verantwortete er vier Jahre für ein Mechatronik-Unternehmen die Sanierung von Projekten bei Kunden aus der Automobilindustrie in Asien und Europa.

Danach hatte er zwölf Jahre verschiedene Managementpositionen in Consulting-Unternehmen inne.

Udo Milkau

Dr. Udo Milkau

Die Technologie der sogenannten Blockchain wird aktuell weltweit in allen Banken intensiv diskutiert. Aus meiner Sicht gibt es aber noch keine finale und einheitliche Einschätzung. Daher kann ich derzeit auch nur meine Meinung, aber nicht eine Einschätzung der DZ BANK abgeben. Generell sehe ich aber drei wichtige Aspekte bei der Blockchain:

Ursprünge der Blockchain (oder eigentlich „Distributed Ledger Technology“)

Die ursprüngliche Konzeption der Blockchain wurde erstmals bei Bitcoin, der virtuellen Währung, eingesetzt. Damit wurde erstmals eine rund dreißig Jahre alte Frage gelöst, nämlich ob man „elektronisches Bargeld“ in einem Computernetzwerk analog zu realem Bargeld abbilden kann.

Zugrunde liegt dabei die Vorstellung eines homogenen Peer-to-Peer-Netzwerks, also eines verteilten Computernetzwerks, ohne jede Art von Intermediär – also ohne Banken, Zentralbank, Kartenorganisationen und ähnliches. Das heißt, dass das digitale Geld genauso wie Münzen und Scheine ohne jede „Kontrollinstanz“ von Hand zu Hand wandert.

Mit der Technologie der Blockchain konnte das lang bestehende Problem der verteilten Computer­systeme zum ersten Mal pragmatisch gelöst werden. Wenn auch nur unter recht einschneidenden Annahmen und Limitierungen. So ist das Bitcoin-System recht ineffizient beziehungsweise aufwendig in der „Produktion“. Zudem ist es recht langsam und hat nur wenig Durchsatzkapazität. Dennoch ist alleine schon die technische Möglichkeit – und wie jede technische Entwicklung gibt es hier am Anfang noch viel Optimierungspotential – des elektronischen Bargeldes etwas, das nicht nur für Banken, sondern auch für den Handel prinzipiell Relevanz besitzt.

Dieses Video erklärt die Blockchain spielend leicht anhand von Kuchen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=wyfm92qqSh8

Bezahlen ohne Intermediäre?

Es stellt sich aber die Frage, wie und wo eine solche Technik ohne jeden Intermediär wirklich für Endkunden Vorteile schaffen kann, welche sich in der Regel gar nicht um Technik kümmern wollen?

Die reale Entwicklung zeigt daher auch einen Trend zur Re-Zentralisierung der ursprünglichen Idee eines verteilten Netzwerks für elektronisches Bargeld: Auch bei Bitcoin „betreiben“ die Nutzer nicht mehr das System, sondern nutzen sogenannte Wallets – also elektronische Brieftaschen – von speziellen Dienstleistern, welche dann an dem System angeschlossen sind.

Was dann hinter dem Bühnenvorhang vor sich geht, das interessiert die Nutzer von Bitcoin weniger, obwohl die „Betreiber“ sehr wenig transparent, teilweise unbekannt und im Regelfall rechtlich nicht greifbar sind.

Und dennoch ist die Idee von elektronischem Bargeld schon faszinierend, zumal hier der Wert an sich nur als ein sogenannter „Token“ (also eine Wertmarke) transportiert wird. Ohne nun zu weit über die technische Anonymisierung, Pseudo-Anonymisierung oder auch die vielen Berichte über die Nutzung von Bitcoin für kriminelle Transaktionen ausholen zu wollen, so sollte man zur Technologie durchaus im Hinterkopf behalten, dass im Bereich der Kartenzahlungen das Thema der „Tokenisation“ ebenso intensiv diskutiert wird.

Hier treffen sich dann ganz unterschiedliche technische Konzepte – und es geht hier nur um die Technik und nicht um Bitcoin als Währung (oder auch nicht) – aber mit durchaus ähnlichen Ideen. Es geht um einen Ersatz der „realen“ Transaktionsinformationen durch einen Platzhalter – den Token – sodass sensible Kundeninformationen geschützt werden können. Auch dies ist ein Aspekt des „elektronischen Bargeldes“, welcher das Konzept der Blockchain nachdenkenswert macht.

Neue Formen der Bezahlmethoden – konditionales Bezahlen?

Der zweite interessante Aspekt bei der Blockchain ist die Möglichkeit, zusätzlich zu reinen Transaktionsdaten auch noch Computerprogramme in der Blockchain abzuspeichern und auszuführen.

Auch wenn sich hierfür der Begriff „Smart Contracts“ eingebürgert hat, so handelt es sich „nur“ um einen Programmcode ohne jede eigene „Intelligenz“, ganz ähnlich zu Scripts oder Stored Procedures in üblichen Datenbanken. Auch stellt kein Computerprogramm – zumindest bisher und nach gültigem Recht – einen „Vertrag“ dar, sondern ist vielmehr eine Umsetzung eines Vertrags in eine IT-Ablaufumgebung.

Dennoch lassen sich dabei aber bisherige Zahlungsmethoden (inklusive Daueraufträgen oder wiederkehrenden Lastschriften) konditional gestalten. Das bedeutet, dass in Anhängigkeit von externen Events vordefinierte Zahlungen angestoßen werden können. Dies kann neue Einsatzmöglichkeiten eröffnen, wenn man speziell dann an eine automatische Kopplung mit weiteren Informationsquellen denkt. Ein Beispiel könnten hierbei „Smart Mobility“-Konzepte mit dann jeweils einzelnen Zahlungen an verschiedene Begünstigte sein.

Die Blockchain – ein Katalysator

Und schließlich ist die Diskussion um die Blockchain generell ein Katalysator einer breit angelegten Diskussion um Zahlungsverkehr entlang von Prozessketten in der Zukunft. Dies hatte sich auch auf der gemeinsamen Konferenz des E-FinanceLab der Goethe Universität Frankfurt und der DZ BANK Anfang September 2016 gezeigt. Wenn es hier gelingt eine branchenübergreifende Betrachtung von Kundenerwartungen, Leistungen und Services zusammen mit Zahlungsmöglichkeiten zu gestalten, dann wäre dies schon ein großer Erfolg der „Blockchain“. Und dies unabhängig davon, wie dann am Ende eine technologische Implementierung aussehen mag.

Digital Transformation & Blockchain

Nutzen Sie die Konferenz als Plattform zum Erfahrungsaustausch, zur Diskussion von praktischen Herausforderungen sowie zum Austausch von Best-Practice-Strategien rund um die Themen Digitalisierung und Blockchain.
Kennenlernen und verstehen - Blockchain

Blockchain: Kennenlernen und Verstehen

Wir haben alles Wissenswerte zur Blockchain für Sie zusammengefasst. So sind Sie nie wieder sprachlos, wenn es um die Chancen und Risiken der neuen Technologie geht, die als größte Innovation seit dem Internet gefeiert wird.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen

Download: Blockchain - Kennenlernen und verstehen

Die Blockchain ist vielen durch den Bitcoin bekannt. Doch während die Kryptowährung ihren Glanz bereits eingebüßt hat, wird die Blockchain von Experten als revolutionärste Technologie seit dem Internet verstanden. Was steckt hinter diesem Hype?

Jetzt kostenlos herunterladen!

Merken

Download: Blockchain kennenlernen und verstehen

Künstliche Intelligenz: Mythen, Daten & Fakten

Welche KI-Mythen sind wahr? Lernen Sie beim Lesen oder Filmeschauen die neusten Debatten zur Künstlichen Intelligenz kennen und erweitern Sie Ihren Horizont!

Jetzt mehr erfahren!

Download: KI kann auch unterhaltsam sein!