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Gamification in der Personalentwicklung: Beispiele und Use Cases (Teil 2)

Gamification In Der Personalentwicklung: Beispiele Und Use Cases (Teil 2)

Im ersten Teil des Beitrags haben wir uns gefragt, was Spiele mit Arbeit gemeinsam haben und aus welchen Gründen sie Menschen so stark motivieren, etwas zu tun. Die dem zugrundeliegenden Prinzipien können in der Personalentwicklung eingesetzt werden. Um ein bisschen verständlicher zu machen, wie das gehen kann, wollen wir in einem zweiten Teil auf einige Anwendungsbeispiele von Gamificationin der Personalentwicklung eingehen.

Menschen sind keine Maschinen – und das ist ein Vorteil, den wir nutzen sollten

Im Guardian erschien kürzlich eine Kolumne über aktuelle Schulsysteme. Darin vollzieht der Autor einen interessanten Gedankengang darüber, warum wir uns heute unbedingt von standardisierten Lehr- und Lernmethoden entfernen sollten.

Das Argument: Wir befinden uns in einer Zeit, in der Maschinen immer mehr unsere Routineaufgaben übernehmen. Fabriken werden automatisiert, künstliche Intelligenzen können Kundengespräche führen und Texte schreiben, Menschen müssen sich nichts mehr behalten, sondern können Informationen einfach auf dem Smartphone nachschlagen. Doch gerade in einer solchen Zeit brauchen wir unbedingt kreative Mitarbeiter, die gute soziale Fähigkeiten haben und kritisch hinterfragen können. Denn das sind die Fähigkeiten, die uns (noch?) grundlegend von künstlichen Intelligenzen unterscheiden. Doch althergebrachte Methoden, die auf Disziplin und Gehorsam setzen, dafür aber Zusammenarbeit („Vorsagen“) und den Umgang mit vorhandenen Informationen untersagen („Spicken“), töten gerade diese Fähigkeiten ab.

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https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=vInCVUIiq6g

Classcraft: Schule als Rollenspiel

Deshalb ist es kein Wunder, dass sich gerade im Bildungsbereich viele Ansätze entwickelt haben, die mit dem althergebrachten System brechen. Und die ganz konkret auf Gamification setzen, damit das Lernen Spaß macht. Ein bekanntes Tool, das dies hervorragend illustriert, heißt Classcraft. Classcraft ist ein Online-Rollenspiel, das im Prinzip jede Lehrkraft anwenden kann. Das liegt daran, dass es nicht etwa das Unterrichtsmaterial verändert, sondern Prinzipien moderner Spiele auf die Vermittlung eben dieses Materials anwendet. Da das Spiel auf Web-basierten sowie mobilen Anwendungen läuft, ist es leicht in den Unterricht zu integrieren.

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https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=qeTxjJnjpcE

In Classcraft werden die Schüler in Teams eingeteilt und „spielen“ jeweils Charaktere. Wie in modernen Rollenspielen sammeln sie Erfahrungspunkte, haben aber auch Lebenspunkte und können „im Kampf fallen“. Erfahrung sammelt man beispielsweise, indem man Fragen richtig beantwortet, seinem Team bei den Hausaufgaben hilft oder die Tafel saubermacht. Hat man genug Erfahrung gesammelt, kann man neue Fähigkeiten freischalten: Zum Beispiel die Erlaubnis, im Unterricht zu essen, oder die Gelegenheit, sich die Antwort auf eine Klausurfrage bereits vor der Klausur anzuschauen. Anderes Beispiel: Kommt ein Teammitglied zu spät zum Unterricht, verliert es Lebenspunkte. Sinken diese auf null, fällt man im Kampf und muss eine besondere Aufgabe erledigen. Löst man diese nicht, hat das auch negative Konsequenzen für den Rest des Teams. (Zum Beispiel Nachsitzen.) Um das Nachsitzen zu verhindern gibt es wiederum Fähigkeiten, mit denen man anderen Mitspielern helfen kann. Das Ganze Spiel wird außerdem angereichert um besondere Events und Missionen, die bei Bedarf gespielt werden können. So schafft Classcraft mehr Engagement im Unterricht und schafft Anreizge zur Zusammenarbeit und zu positivem Sozialverhalten. Denn die Belohnungen oder Risiken im Spiel sind mit echten Konsequenzen verbunden.

Diese Prinzipien sind so mächtig, dass schon seit 2009 in New York mit Quest to Learn eine ganze Schule darauf basierend funktioniert. Schauen Sie sich unbedingt dieses Video an, es ist sehr inspirierend:

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https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=kHtj6PCpyLQ

Anwendung von Gamification in der Personalentwicklung

Natürlich muss man nicht seine gesamte Aus- und Weiterbildung zu einem Spiel machen. Aber vielleicht kleine Teile davon. Denn durch das Engagement, das sie wecken, sind sie unglaublich gut darin, Erfahrungen dauerhaft zu vermitteln. Hier nur drei Beispiele:

Kassensysteme trainieren bei McDonald’s UK

Die Kassensysteme eines Burger-Verkäufers sind heutzutage alles andere als simpel. Und während man sie bedient, ist man auch noch großem Stress ausgesetzt: Schließlich wollen die Kunden, das alles schnell geht! (Nur für ihre eigene Bestellung möchten sie sich natürlich Zeit nehmen.)Wer da als neue Servicekraft ins kalte Wasser geschmissen wird, hat es nicht leicht. Aus diesem Grund ließ McDonalds in Großbritannien ein „Till Training Game“ entwickeln, in dem neue Mitarbeiter den Ernstfall spielerisch proben können.

America’s Army

Wohl der Klassiker auf diesem Gebiet, aber genauso alt wie umstritten, ist America’s Army. Herausgegeben von der Armee der Vereinigten Staaten werden in dem taktischen Ego-Shooter im Team Kriegssimulationen durchgespielt. Amerca’s Army ist eine Mischung aus Propagandastück und Lernspiel. Es ist kostenlos und die Gewalt wurde so weit heruntergeschraubt, dass es ohne Altersbeschränkung zu haben ist. Das Ziel: Junge Menschen für die U.S. Army begeistern. Gleichsam enthält es aber seit dem zweiten Teil fundierte Informationen über militärisches Training, Taktiken und Strategie, die durch das Eintauchen in die packende Erfahrung auch wirklich hängenbleiben.

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https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=NFc36ysBZ0A

Das SAP Community Network

Ein weiteres imposantes Beispiel ist das interne Social-Media-Netzwerk von SAP. Darin tauschen Mitarbeiter News und Updates aus, über ihre Projekte, neue Technologien oder Produkte, sie können bloggen, sich in Foren austauschen und dabei sogar mit Kunden kommunizieren. (Die können sich dort nämlich auch anmelden.) Mit monatlich 2 Millionen Unique Visitors ist das Netzwerk extrem erfolgreich, was nicht nur an seinem Aufbau liegt: Auf der Plattform können User wie in anderen bekannten Social-Media-Netzwerken ihre Beiträge liken, bewerten und kommentieren; die besten Beiträge kommen sogar in einen Firmennewsletter.

Nachdem anfangs für längere Zeit das User Engagement (also die Interaktionsrate der Nutzer mit Inhalten sowie anderen Nutzern) auf der Plattform relativ niedrig war, nutzte SAP Prinzipien der Gamification, um es zu erhöhen. Um den Wissensaustausch zu erhöhen, führte man zunächst ein Punktesystem für das Verfassen von Beiträgen ein und Nutzer konnten dadurch in nach Spezialgebieten angeordneten Ranglisten aufsteigen – auch um im Unternehmen bekannter zu werden. Zudem entwickelte SAP ein Plug-in, mit dem sich Missionen gestalten und die globalen Aktivitäten im Netzwerk nachvollziehen lassen. Durch das planen entsprechender Missionen oder Belohnungen wird es so auch möglich, Anreize zu setzen, die dazu führen, dass sich die Community mit einem ganz bestimmten Thema befasst. Mit dem Einsatz von Gamification hat sich die Aktivität in diesem Netzwerk um 400 Prozent erhöht, das Feedback aus der Community stieg um 96 Prozent und Aktivitäten, die in dem Netzwerk Punkte einbringen (also zum Beispiel veröffentlichte Beiträge oder Kommentare) stiegen um 2.210 Prozent. Die Plattform, die SAP benutzt, heißt übrigens Jive und das mit SAP entwickelte Gamification Module können auch für andere Firmen nutzen. Bei alldem wurde das SAP Community Network zu einer riesigen Wissensdatenbank rund um SAP, seine Produkte, Mitarbeiter und Organisation.

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https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=WZYQzKpfTuQ

Corporate Learning Forum

Zum Schluss möchten wir Ihnen noch unser Corporate Learning Forum empfehlen, das wir am 7. und 8. März in Frankfurt am Main veranstalten. Dort werden wir uns ausführlich modernen Konzepten des betrieblichen Lernens widmen. VR, Augmented Reality, Big Data, Mobile Learning… Schauen Sie am besten noch heute auf unserer Website vorbei, um sich über alle Themen der Veranstaltung zu informieren.

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Rückblick Corporate Learning Forum 2017

Sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen oder die Technologie? Und was macht die Digitalisierung des Lernens eigentlich alles möglich? Lesen Sie unseren Rückblick!
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Bild: alphaspirit | de.fotolia.com

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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