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Führungstraining mit Pferden – wie Sie die Zügel in der Hand halten

Führungstraining Mit Pferden – Wie Sie Die Zügel In Der Hand Halten

Pferde verstehen zwar nicht die Bedeutung gesprochener Worte, achten dafür aber umso stärker auf Körpersprache. Was können wir Menschen aus dem Verhalten der Pferde ableiten? Pferdeexpertin Katharina Maehrlein hat uns im Interview verraten, welche Parallelen es zwischen Mensch und Pferd gibt und was Sie aus dem Verhalten der Pferde für Ihre Führungsarbeit lernen können. Außerdem erklärt die Expertin, was es mit den vier Phasen der Bestimmtheit auf sich hat und wie Sie diese nutzen können.

Katharina Maehrlein hat nach ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin, dem Studium der Psychologie, Soziologie und Publizistik und ihrem Masterstudiengang mit Abschluss Master of Science im systemisch-analytischen Coaching in den letzten 20 Jahren über 30.000 Menschen trainiert und gecoacht.

Die in Taunusstein lebende Expertin für innere Kraft und Resilienz ist Trainerin, Pferdeexpertin, Coach und Bestsellerautorin von zahlreichen Fachartikeln in Print- und Onlinemedien. Sie begeistert ihr Publikum mit humorvoll-erkenntnisreichen Impulsvorträgen, Seminaren und Coachings, bei denen sie wissenschaftlich untermauerte Erkenntnisse aus der Hirnforschung und der Psychologie mit ihrer persönlichen Philosophie verbindet.

Katharina Maehrlein

Katharina Maehrlein

Wodurch sich Pferde auszeichnen

Frau Maehrlein, welche Charaktereigenschaften sind für Pferde typisch?

Pferde haben eine sehr feine Wahrnehmung. Genauer gesagt nehmen Pferde im Fünftel-Millimeter-Bereich alle Bewegungen in der Körpersprache wahr. Zum Vergleich: Ein Fünftel Millimeter ist die Dicke eines Haares, und diese kleinsten Bewegungen können Pferde auf mehrere Kilometer Entfernung wahrnehmen.

Ein Beispiel dazu: Wenn Sie sich vor Anspannung auf die Backe beißen, erkennt ein Pferd das selbst über eine weite Entfernung. Pferde sind Fluchttiere und müssen deshalb eine so feine Wahrnehmung haben. Nur so erkennen Sie, ob eine Gefahr vorliegt und können rechtzeitig flüchten.

Dieser Charakterzug unterscheidet die Pferde von uns Menschen. Menschen sind keine reinen Fluchttiere, sondern, wenn man sie denn zuordnen möchte, wohl eher den Raubtieren zuzuordnen. Zumindest stellen sie aber eine Mischung aus Flucht- und Raubtieren dar.

Wie ähnlich sich Mensch und Pferd sind

Welche Parallelen gibt es in Bezug auf den Charakter von uns Menschen und den Pferden?

Eine Gemeinsamkeit zwischen Menschen und Pferden ist, dass Pferde sehr kooperativ sind. Sie suchen nach Führern und brauchen ihren klaren Platz in der Rangfolge. Denn ihr oberstes Bedürfnis ist immer die Sicherheit. Und die bekommen Sie nur durch eine klare Einordnung in der Rangfolge.

Diese Eigenschaft verbindet die Pferde mit uns Menschen. Pferde lassen sich, genau wie wir Menschen, jederzeit gerne führen. Aber eben nur dann, wenn das entsprechende Vertrauen in den Führenden da ist! Das Vertrauen ist die Basis für eine kooperative Zusammenarbeit.

Was Körpersprache bewirkt

Wie reagieren Pferde auf die Körpersprache des Menschen und was bedeutet das?

Kommunikation besteht zu 93 Prozent aus nonverbaler Kommunikation. Und darin sind Pferde besonders gut. Denn unsere Körpersprache gibt Pferden die Gelegenheit, uns Menschen zu verstehen. Mit unserer Körpersprache können wir uns nicht hinter Worten verstecken. Stattdessen transportieren wir durch unsere Körpersprache unser inneres Bild – Emotionen wie Wut, Unsicherheit oder Freude.

Pferde nehmen unsere Körpersprache sehr differenziert wahr und reagieren unmittelbar auf das, was wir tun. Auch wenn wir Menschen anders handeln als wir denken, registrieren Pferde das, weil unsere Körpersprache uns verrät.

Führungstraining mit Pferden

Ein Pferd würde dieser „falschen“ Person nicht vertrauen, weil es merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das ist der natürliche Sicherheitsinstinkt der Pferde.

Und das sollte auch die Erkenntnis sein, die Teilnehmer aus dem Führungstraining mit Pferden mitnehmen können. Die Reflexion über das eigene Verhalten kann unsere Körpersprache und damit unseren Führungsstil verändern. Denn Körpersprache ist sofort da – ehrlich und authentisch.

Wie Pferde-Führung aussieht

Gibt es bei Pferden eine Rangordnung, ähnlich wie wir es zum Beispiel von Wölfen kennen?

Pferde haben genau wie Menschen eine Rangordnung. Sie prüfen für sich, wer überlegen ist und ordnen sich anhand der Interaktion untereinander in die Gesamtrangfolge ein. Pferde folgen dabei nur denen, die wirklich über ihnen stehen, das heißt auch nur dem Menschen, der über ihnen steht.

Wenn Menschen eindeutig die Führung übernehmen, folgen Pferde gerne. Denn Pferde sind soziale Wesen und Herdentiere, genau wie wir Menschen. Pferde möchten kooperieren und nicht ausgeschlossen werden. Und das ist wiederum eine wichtige Parallele zu uns Menschen. Bei uns wäre der Ausschluss „aus der Herde“ vergleichbar mit dem Gefängnis, Mobbing oder einem Ausgrenzen aus der Gesellschaft. Auch wir Menschen möchten diesen Ausschluss nicht.

Was wir davon lernen können

Was können Führungskräfte vom Verhalten der Pferde ableiten und lernen?

Wichtig ist ein situativer, zum jeweiligen Charakter passender Führungsstil. Führung kann also nicht nur ein einziger Stil sein, der für alle Mitarbeiter passt, sondern er muss für jede Person und Situation angepasst werden.

Im Führungstraining mit Pferden fungieren die Pferde als Rollenspielpartner und nehmen einen Ihrer Mitarbeiter ein. Sie können dann Ihre Eindeutigkeit in Ihrer Anweisung überprüfen und sich folgende Frage stellen: Wie viel Spielraum lasse ich meinen Mitarbeitern in der Arbeit? Sie können damit ausprobieren, welche verschiedenen Ergebnisse Sie je nach Ihrem Verhalten bekommen.

Sie finden so heraus, welcher Führungsstil zu welchem Charakter passt.  Es kann auch sein, dass Sie mit dominanten Personen gut klar kommen, während Sie mit sensiblen weniger gut können oder umgekehrt. Pferden geht es ebenso.

Mit Diplomatie zum Ziel

Was aber auf keinen Fall funktioniert, ist seinem Gegenüber Angst zu machen und das sollte auch nicht Ihr Ziel sein. Sie müssen stattdessen immer überprüfen, ob Sie eher mehr Spielraum geben oder ihn verringern müssen. Das Wichtigste ist dabei, seien Sie eindeutig und erkennen Sie jederzeit, welcher Führungsstil jetzt angebracht ist.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man zwar lesen und hören kann, welche Impulse man in der Führungsarbeit setzen muss. Klar wird es aber erst, wenn man die Erfahrung gemacht hat, was beim anderen ankommt. Dafür ist das Training mit Pferden gut. Das Erlebnis bleibt hängen und diese Klarheit ist so wichtig, um deutlich zeigen zu können, in welche Richtung es wann und wie geht.

Machen Sie sich dazu immer den Unterschied zwischen Inhalt und Prozess klar. In der Führung taumeln viele Führungskräfte zu sehr im Inhalt herum. Sie machen sich Gedanken darüber, was sie sagen und wie. Viel wichtiger ist es aber, den Prozess zu betrachten. Sie müssen sich dazu aus dem Geschehen herausziehen und es von außen betrachten. Was sage ich und wie sage ich es? Das müssen Sie üben, ansonsten passieren schnell Reize-Reaktions-Ketten, die mit vielen Emotionen geladen sind und Sie werden am Ende woanders ankommen, als Sie es eigentlich vorhatten.

Den Fokus auf das Ganze brauchen Sie auch bei Pferden. Sie befinden sich bei Pferden immer in einer ungewissen Situation, bei der Ihnen nicht alle Parameter bekannt sind. Deshalb müssen Sie immer das Ganze betrachten und mit menschlichen Aspekten steuern – genau wie bei Ihren Mitarbeitern.

Wie Sie konsequent aber nicht emotional sind

Frau Maehrlein, was hat es mit den 4 Phasen der Bestimmtheit auf sich?

Der Weg zwischen Inhalt und Prozess heißt für Sie, klar und bestimmt einzufordern ohne dabei emotional zu werden. Insbesondere weibliche Führungskräfte – aber auch viele Männer – sammeln innerlich sogenannte Rabattmarken. Das heißt, sie werden zwar immer wütender, sagen aber nichts, bis sie irgendwann platzen, um dann erst bestimmt werden zu können.

Sie sollten jedoch von vornherein den Prozess im Auge haben: Wie oft hat mein Mitarbeiter eine Sache gemacht? Wie oft habe ich ihn darauf hingewiesen? Reagieren Sie daraufhin nicht immer auf der gleichen Stufen, sondern nutzen Sie die vier Phasen der Bestimmtheit, um sich zu steigern.

Die 4 Phasen der Bestimmtheit:

1

Phase 1: Zeigen Sie in eine Richtung
Sie sind freundlich und wählen zunächst die sanfte Art:
Können Sie mir bitte die E-Mail schicken?

2

Phase 2: Heben Sie die Peitsche
Sie werden deutlicher und geben zu verstehen, was Sie möchten:
Ich brauche die E-Mail bis morgen Nachmittag!

3

Phase 3: Schwingen Sie die Peitsche
Sie sagen, was es für Konsequenzen hat, wenn die Forderung nicht erfüllt wird:
Wenn ich die E-Mail nicht bis morgen Nachmittag habe, dann machen Sie Überstunden.

4

Phase 4: Schlagen Sie die Peitsche auf den Boden
Sie ziehen das durch, was Sie angedroht haben und lassen die Konsequenz wahr werden.

Wichtig: Benutzen Sie hier keine leeren Drohungen, die Sie nicht einhalten können.

Das Ziel der vier Phasen ist es, für sich selbst Leitplanken zu entwickeln, um jegliche Verunsicherung im Führungsstil zu vermeiden. Das Wichtigste ist es, in der Lage zu sein, den Prozess wahrzunehmen und eine Entscheidung treffen zu können. Nur so legen Sie eine gewisse Konsistenz an den Tag.

Menschen und Pferde können sich an alles gewöhnen – egal ob zurückhaltend oder präsent. Das wirklich Schwierige ist dabei nur das Schwanken in Ihrem Stil. Bleiben Sie deshalb immer konsistent in dem, was Sie tun. Wenn Ihre Haltung nachvollziehbar und verständlich ist, darf auch die Emotion kommen. Aber Ihre Handlungen müssen nachvollziehbar sein, damit Ihre Mitarbeiter folgen.

Vom Kollegen zum Vorgesetzten

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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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