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Frankfurt weitergedacht – wie sich das Wohnraum-Problem lösen ließe

Frankfurt Weitergedacht – Wie Sich Das Wohnraum-Problem Lösen Ließe

Frankfurt am Main wächst – verbunden mit diversen Herausforderungen, die dadurch entstehen. Insbesondere die Frage nach Wohnraum in Frankfurt für die unterschiedlichen Bedürfnisse wird heiß diskutiert – doch die Debatte behandelt dabei nur einen symptomatischen Teilaspekt und verfehlt meistens die Ursache des eigentlichen Problems, sagt Wohnwirtschafts-Spezialist Rainer M. Ballwanz. Seine Gedanken dazu und wie eine Lösung dafür aussehen könnte, beschreibt er in diesem Gastbeitrag.

Rainer M. Ballwanz ist seit 2009 geschäftsführender Gesellschafter der Ballwanz Projektentwicklung GmbH & Co. KG sowie seit 1992 Inhaber der Ballwanz Immobilien GmbH & Co. KG. Er ist Spezialist für wohnwirtschaftliche Fragestellungen rund um den Frankfurter Immobilienmarkt. Seine Schwerpunkte liegen im Consulting von Bauträgern, Projektentwicklern, Kommunen und Bestandshaltern sowie in der Investmentberatung für institutionelle Investoren und im Endkundengeschäft – der Vermittlung von Kauf- und Mietverträgen im Projekt- und Bestandsbereich.

Frankfurt wächst – aber der Platz fehlt

Dass Frankfurt wächst und damit der Wirtschaftsstandort Frankfurt-Rhein-Main an nationaler und internationaler Bedeutung gewinnt, ist in einer sich immer schneller globalisierenden Welt alternativlos. Ein Stillstand oder gar Rückgang dieser Entwicklung würde mit hoher Wahrscheinlichkeit relativ schnell signifikante Wettbewerbsnachteile zu anderen Städten in Deutschland, ganz sicher zu anderen Metropolstädten in Europa, nach sich ziehen. Mittel- und langfristig müssen nicht nur attraktive Argumente gefunden werden, um Unternehmen bei ihrer Standortfrage weiterhin für Frankfurt gewinnen zu können, sondern auch adäquate Lebens- und Wohnbedingungen für die Einwohner sichergestellt werden. Dafür braucht es schlichtweg Flächen, die für ein notwendiges Wachstum bereitgestellt werden können.

Eine der Besonderheiten Frankfurts ist die starke geografische Begrenzung des Stadtgebietes. Die derzeitig bekannten Baulandreserven sind überschaubar, das Nachverdichtungspotenzial wird absehbar ebenso erschöpft sein, wie mögliche Konversionen von ehemals gewerblich oder industriell genutzten Arealen oder Gebäuden.

Unpopulär aber unumgänglich? Bauland statt Ackerfläche

Aus Sicht der Stadt Frankfurt sollte es derzeit hinsichtlich potenziellen Baulandes keine Denkverbote mehr geben, auch wenn dies im Zweifel unpopuläre Diskussionen auslöst. Zum Beispiel werden immer noch circa 25 Prozent der Fläche als Ackerland genutzt. Eine Situation, die bei allem ökologischen Verständnis zu dem Anspruch auf Nahversorgung, objektiv betrachtet irritiert, wenn doch zeitgleich Bauland für Wohnen, Schulen, Kindertagesstätten oder gewerbliche Ansiedlungen fehlt. Es bräuchte den erklärten Willen der Politik und sicher auch Mut einzelner Politiker sich der Umwidmung von Ackerland in Bauland anzunehmen. Das würde aber im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme eine valide Option für dringend benötigtes Bauland darstellen.

Zwar konnten 2018 circa 5.000 Wohneinheiten (ein historischer Höchstwert!) fertiggestellt werden. Aber bei aktuell 750.000 Einwohnern und einer bereits aufgelaufenen Unterversorgung von circa 40.000 Wohnungen reichen die Baufertigstellungen bei bereits für 2025 erwarteten 800.000 Einwohnern bei weitem nicht aus. Der ökonomische Synergie-Effekt ist in den letzten Jahren durch drastisch steigende Preise bereits deutlich sichtbar. Nur durch ein signifikant größeres Angebot in allen Nachfragesegmenten (geförderter, einfacher, mittlerer und gehobener Wohnraum) kann dieser, aus soziologischer Sicht auch nicht unkritischer Entwicklung, entgegengewirkt werden.

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Was Frankfurt von London unterscheidet

Frankfurt sollte sich nicht mit London vergleichen, aber wenn man die Stadtkarte von Greater London über die von Frankfurt legt, bekommt man ein Gefühl für die unterschiedlichen Dimensionen. Im Norden Friedberg, im Osten Hanau, im Westen Wiesbaden und im Süden Darmstadt. Schaut man sich parallel die täglichen Pendlerströme aus der Region in die Stadt an (Frankfurt hat fast annähernd so viele Arbeitsplätze wie Einwohner) wird schnell deutlich, dass sich der Wirtschaftsstandort Frankfurt-Rhein-Main idealerweise auf Basis einer interkommunalen Vision und sich daraus entwickelnder Strategien weiter entwickeln sollte.

Wohnraum in Frankfurt – wie die Lösung zu nachhaltigem Wachstum aussehen könnte

Die Lösung zu weiterem nachhaltigen Wachstum für das räumlich begrenzte Frankfurt kann nur in der Einbeziehung der Umlandgemeinden liegen. Das erfordert in erster Linie natürlich auch deren Bereitschaft gemeinsam mit Frankfurt an der Stärkung des Wirtschaftsstandortes mitzuarbeiten. Das immer wieder zu beobachtende kommunale Individualinteresse, das in solchen Fällen scheinbar eher den kurzfristigen politischen Interessen folgt, verhindert leider notwendige großmaßstäbliche Entscheidungen im Interesse der Region, mit Frankfurt als Wachstumsmotor.

Es gilt Entwicklungsmaßnahmen anzustoßen, deren Umsetzung möglicherweise weit über das Wirken der amtierenden Entscheider hinaus Zeit in Anspruch nehmen wird. Das braucht den mutigen Politiker, aber kurzfristig orientiertes opportunistisches Handeln wird nur bedingt zielführend sein können. Mutiger könnten Politiker sein, wenn die Gesellschaft bereit ist, den Aspekt des Gemeinwohls wieder mit in ihre Überlegungen einzubeziehen. Die in diesen Zeiten etablierte „NIMBY-Haltung“ (Not-In-My-Backyard) der Bevölkerung ist leider auch zu häufig in der Politik angekommen.

Der Wirtschaftsstandort Frankfurt-Rhein-Main hat die notwendigen Voraussetzungen und damit die Chance das „Luxus-Problem“ des Wachstums erfolgreich zu meistern und weiterhin zu prosperieren. Ob das auch tatsächlich gelingt, ist derzeit leider noch ergebnisoffen. Zum Wohle der Gesamtbevölkerung in der Region ist es aber mehr als wünschenswert.

Perspektive des Frankfurter Wohnungsmarkts

Auf dem Immobilienforum Frankfurt gehen wir auf die Herausforderungen des Frankfurter Wohn- und Büroimmobilienmarktes ein. Seien Sie dabei und diskutieren Sie mit führenden Experten aus Wissenschaft, Projektentwicklung und Politik.

Silke Ritter

Wie werden wir künftig leben und arbeiten? Dieser Frage gehe ich hier im Blog nach. Seit 2012 gehöre ich zum Management Circle-Team, zuvor habe ich nach meinem Germanistik-Studium in der PR-Branche gearbeitet. Als Teil der #GenerationY weiß ich nicht nur um die Wichtigkeit von Hashtags und gutem Content, sondern wünsche mir mehr Mut in Unternehmen für die Digitalisierung. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Themenvorschläge!

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