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Flüchtlinge einstellen als Azubis – 9 Hürden (und wie Sie sich darauf einstellen)

Flüchtlinge Einstellen Als Azubis – 9 Hürden (und Wie Sie Sich Darauf Einstellen)

Künftig sollen Flüchtlinge stärker in den Arbeitsmarkt integriert werden. Diese Forderung kommt nicht nur aus der Politik; auch viele Unternehmen möchten verstärkt Flüchtlinge einstellen, darunter auch sehr namhafte, wie beispielsweise Daimler. Das Unternehmen führt gute Gründe dafür an, die über das Schlagwort „Fachkräftemangel“ hinausgehen. Wenn auch Sie in Ihrem Betrieb Flüchtlinge einstellen möchten, sind allerdings ein paar Dinge zu beachten. Vieles ist einfacher geworden, aber es gibt immer noch Hürden auf dem Weg von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Neun davon habe ich heute für Sie zusammengetragen.

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Die wichtigsten Hürden überhaupt kennen

Für Flüchtlinge gibt es besondere Regelungen in puncto Arbeitsmarkt und Aufenthaltserlaubnis. Die rechtliche Ausgangslage hat sich zudem immer wieder geändert und auch aktuell ist sie für die Politik ein wichtiges Thema.

Um im deutschen Paragraphendschungel den Überblick zu behalten, muss man sich also informieren. Einen guten Einstieg machen Sie mit Listen wie dieser. Es gibt aber auch Infobroschüren von BAMF & Co. sowie Veranstaltungen zum Thema.

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Will man Flüchtlinge einstellen muss man sie erst finden

Aus gutem Grund halten sich Ämter und Verwaltungen bedeckt, wenn es um die Aufenthaltsorte von Flüchtlingen geht. Dennoch gibt es Wege, innerhalb dieser Gruppe gezielt nach qualifizierten Mitarbeitern zu suchen.

Wenden Sie sich beispielsweise an Ihre lokalen Aufnahmeeinrichtungen oder den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit. Oder kontaktieren Sie Netzwerke, wie das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“ (IQ-Netzwerk). Dazu gibt es mittlerweile sogar private Jobbörsen für Arbeitgeber und Flüchtlinge, wie zum Beispiel die Jobbörse „workeer“.

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Der Aufenthaltsstatus beeinflusst den Zugang zum Arbeitsmarkt

Der Aufenthaltsstatus entscheidet über die Voraussetzungen geflüchteter Menschen für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Der Aufenthaltsstatus beeinflusst vor allem die Regelungen zu Wartezeiten und zur „Nachrangigkeit“. Es ist wichtig, sich die Unterschiede vor Augen zu führen, da sich durch die lange Dauer der Bewilligungsverfahren eine große Zahl von Asylbewerbern und Geduldeten im Land befindet, die zum Arbeitsmarkt nur eingeschränkten Zugang haben.

Der Gesetzgeber unterscheidet beim Aufenthaltsstatus drei Formen:

  • Asylberechtigte: Der Asylantrag dieser Menschen wurde positiv beschieden und sie haben eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären, völkerrechtlichen oder politischen Gründen.
  • Asylbewerber: Der Aufenthalt ist gestattet, das Asylverfahren läuft aber noch.

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Wer Flüchtlinge einstellen möchte muss die Wartezeiten beachten

Je nach Aufenthaltsstatus gibt der Gesetzgeber für Geflüchtete unterschiedliche Fristen vor, die diese vom Arbeitsmarkt ausschließen können. Diese haben sich im Laufe der Zeit verändert, zuletzt wurden Sie 2014 beim Asylkompromiss massiv verkürzt.

Generell gilt: Asylberechtigte genießen freien Zugang zum Arbeitsmarkt und unterlieben keinen Beschränkungen. Asylbewerber und Geduldete hingegen dürfen erst nach drei Monaten eine Beschäftigung antreten. Außerdem müssen sie für vier Jahre eine Genehmigung über die zuständige Ausländerbehörde einholen.

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Flüchtlinge haben nachrangingen Zugang zum Arbeitsmarkt

Für die ersten fünfzehn Monate ist Asylbewerbern und Geduldeten nur ein „nachrangiger“ Zugang zum Arbeitsmarkt gestattet. Heißt: qualifizierte Deutsche müssen zuerst eingestellt werden. Wer Flüchtlinge einstellen möchte, muss sein Vorhaben bei der Bundesagentur für Arbeit einer Vorrangprüfung unterziehen. (Derzeit wird allerdings darüber gesprochen, diese für zwei Jahre auszusetzen.)

Ausnahmen: Seit 2012 gelten die Anträge auch dann als genehmigt, wenn sie nicht innerhalb von zwei Wochen beantwortet werden (siehe §36 BeschV). Eine Ausbildung oder ein Praktikum dürfen Asylbewerber und Geduldete auch ohne Vorrangprüfung beginnen. Und auch für Hochqualifizierte entfällt eine Vorrangprüfung in bestimmten Fällen.

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Die Residenzpflicht (gibt es nicht mehr)

In der Regel können sich Asylberechtigte mittlerweile weitgehend frei im Land bewegen. Asylsuchende und Geduldete waren hingegen lange für an einen bestimmten Landkreis gebunden. Diese räumliche Beschränkung erlischt jedoch seit dem 1. Januar 2015 nach drei Monaten und auch sie sind dann in der Praxis nicht mehr ortsgebunden. Das Problem in diesem Fall: Viele wissen das gar nicht!

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Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen in Deutschland

Wollen Sie Flüchtlinge einstellen, müssen die auch für die Vakanz qualifiziert sein. Dafür muss eine Vergleichbarkeit Ihrer Berufsabschlüsse hergestellt werden. Das geht über ein Feststellungsverfahren, auf das mittlerweile jeder einen Rechtsanspruch hat – der Aufenthaltsstatus spielt dabei keine Rolle. Die Kosten von Anerkennungsverfahren werden im Einzelfall sogar vom Jobcenter übernommen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf dem Portal „Anerkennung in Deutschland“ darüber, wie und wo man diese Verfahren durchführen kann. Außerdem kann man auf dem BQ-Portal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Informationen zu über 1.000 ausländischen Berufsprofilen einholen und diese mit deutschen Referenzberufen vergleichen.

Recht

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Das Qualifikationsniveau der Flüchtlinge richtig einschätzen

Berufliche Kompetenzen umfassen mehr als Zertifikate und Zeugnisse. Berufserfahrung, Soft Skills und andere Fähigkeiten misst man am besten über die Praxis. Außerdem liegen viele Dokumente bei manchen Flüchtlingen gar nicht vor.

Um diese Menschen gezielt weiter zu qualifizieren, ist es allerdings notwendig, sich ein gutes Bild von ihren Kompetenzen zu machen. Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes können Sie diesbezüglich Einwanderer mittels einer Qualifikationsanalyse testen lassen. (Achtung: diese werden noch nicht bundesweit angeboten.)

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Das Sprachniveau der Flüchtlinge muss gefördert werden

Qualifikation allein reicht nicht für jeden Beruf. In vielen Berufsgruppen sind Sprachkenntnisse mindestens genauso wichtig. Geflüchtete sind meistens Deutsch-Anfänger und müssen nachqualifiziert werden. Problem: meistens bekommen sie keinen kostenfreien Zugang zu den Integrationskursen des BAMF – und die kosten immerhin 2.000 Euro.

Seit 2012 gibt es aber Abhilfe: über das ESF-BAMF-Programm werden berufsbezogene Sprachkurse auch für Flüchtlinge angeboten. Diese Kurse sind nicht nur kostenlos, sondern umfassen auch Aspekte der beruflichen Qualifizierung und die Möglichkeit, einen Beruf in einem Praktikum kennenzulernen.

Sie sehen: Wer Flüchtlinge einstellen will, ist mit einigen Hürden konfrontiert, die aber absolut nicht unlösbar sind. Deshalb überlegen sich mittlerweile auch so viele Unternehmen den Schritt, da er viele ungeahnte Vorteile mit sich bringt.

Um mehr über die Praxis der Ausbildung oder Einstellung von Flüchtlingen zu erfahren, besuchen Sie uns im April auf dem Zukunftsgipfel Integration in Berlin. Und sofern Sie Anmerkungen, Ergänzungen oder weiteres Feedback zu diesem Artikel haben, hinterlassen Sie uns das gerne in den Kommentaren.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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