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Flexibilität in der Industrie 4.0

Flexibilität In Der Industrie 4.0
Beitragsserien: Kolumne Eckhard Eyer: Leistungsvergütung in der Industrie

Die immer individuelleren Kundenwünsche, die immer kurzfristiger erfüllt werden sollen, fordern von Unternehmen und Mitarbeitern eine zunehmende Flexibilität. Und diese wird im Kontext der Digitalisierung noch stärker als in der Vergangenheit gefordert werden. Das Zauberwort „Flexibilisierung“ entwickelt sich zum Synonym für Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und der Arbeits- und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern. Diesem Thema geht Experte Eckhard Eyer in diesem Gastbeitrag genauer auf den Grund.

Standardisierung und Flexibilisierung – zwei Seiten einer Medaille

VUCA - Schnelllebigkeit, Unsicherheit, Komplexität, AmbivalenzDie Digitalisierung fordert einerseits eine immer stärkere Standardisierung von Prozessen, die so verästelt und komplex sind, dass sie das gesamte Produkt- und Dienstleistungsangebot des Unternehmens abbilden. Dieser umfassenden Standardisierung und der damit verbundenen Starrheit steht komplementär vor allem die Flexibilität der Mitarbeiter gegenüber. Die Digitalisierung erreicht gemeinsam mit der Standardisierung und Flexibilisierung die dem Kunden versprochene Individualisierung der Produkte und Dienstleistungen sowie deren kurzfristige Lieferung. Und das ohne den Aufbau von Lagern.

Flexibilität lautet das Zauberwort

Die Flexibilisierung bezieht sich zum einen auf die Unternehmen und zum anderen auf die Mitarbeiter, die das flexible Element im standardisierten Prozess sind. Sie sorgen dafür, dass die Unternehmen erfolgreich am Markt arbeiten können.

Definitionen von Flexibilität

biegsam, beugbar, anpassungsfähig

                            Duden, Fremdwörterlexikon Weinheim 2016

  1. biegsam, elastisch
  2. an veränderte Umstände anpassungsfähig, bei Entscheidungen wendig, Bereitschaft überall eingesetzt zu werden

                            Duden, Deutsches Universalwörterbuch Mannheim/ Wien/ Zürich 2014

NLP-Technik, Manipulationsversuche, TricksDer „dünne“ Duden von 2016 definiert „Flexibilität“, wie Abb. 1 zeigt, als „biegsam, beugbar anpassungsfähig“. Der „dicke“ Duden unterscheidet zwischen „1. biegsam elastisch“ – offensichtlich mit Blick auf Materialien und „2. an veränderte Umstände anpassungsfähig, bei Entscheidungen wendig, Bereitschaft überall eingesetzt zu werden“ – offensichtlich mit Blick auf den Menschen.

Es stellt sich dem Industrial Engineer und dem HR-Manager die Frage, ob es „die Flexibilität“ gibt oder ob die Flexibilität hinsichtlich verschiedener Dimensionen beschrieben werden muss. Analysiert man die betrieblich geforderte Flexibilität von Mitarbeitern, so bezieht sie sich auf mindestens folgende vier Dimensionen:

  • Fachliche Flexibilität
  • Räumliche Flexibilität
  • Zeitliche Flexibilität und
  • Leistungsbezogene Flexibilität.
Fachliche Flexibilität

Die fachliche Flexibilität beschreibt die fachliche Kompetenz, das Qualifikationsprofil eines Mitarbeiters, der verschiedene Arbeitsaufgaben – so wie sie betrieblich gefordert sind – kurzfristig wahrnehmen kann. Der Mitarbeiter verfügt somit über eine hohe fachliche Flexibilität.

Räumliche Flexibilität

Die räumliche Flexibilität beschreibt die Fähigkeit eines Mitarbeiters, an verschiedenen Orten die gleichen Arbeitsaufgaben durchzuführen. Die verschiedenen Orte können – wie die betriebliche Praxis zeigt – unterschiedliche Teams, unterschiedliche Werke an einem Standort oder auch unterschiedliche Standorte, an denen Mitarbeiter eingesetzt werden, sein. Mitarbeiter, die über eine hohe räumliche Flexibilität verfügen, benötigen auch eine hohe „soziale Flexibilität“, weil sie sich auf die jeweils neuen Kollegen einstellen und mit ihnen konstruktiv zusammenarbeiten müssen.

Zeitliche Flexibilität

Die zeitliche Flexibilität beschreibt die Fähigkeit eines Mitarbeiters, bei definiertem Umfang der wöchentlichen Arbeitszeit, hinsichtlich der Lage und Verteilung der Arbeit flexibel – im Rahmen der Gesetze und Betriebsvereinbarungen – eingesetzt zu werden. Dieser flexible Arbeitseinsatz orientiert sich zum einen an den betrieblichen (Kapazitäts-)Bedürfnissen und zum anderen an den persönlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter. Arbeitszeit und private Zeit möglichst weitgehend in Einklang zu bringen, ist das Ziel.

Leistungsbezogene Flexibilität

Die leistungsbezogene Flexibilität beschreibt die Fähigkeit eines Mitarbeiters, temporär die normierte und standardisierte Arbeitsleistung zu erhöhen, um Arbeitsspitzen abzuarbeiten oder den kurzfristigen Ausfall eines Kollegen im Team für einige Stunden zu überbrücken. Die Höhe der Arbeitsleistung ist nur temporär zu steigern und darf mit Blick auf die tarifliche Bezugsleistung bzw. die REFA-Normalleistung nicht zur Norm bei der Personalbemessung werden.

Fazit

Intuition, Speed, Learning,Die von Unternehmen und Mitarbeitern geforderte Flexibilität ist ein mehrdimensionales Konstrukt, das vom Industrial Engineering und dem HR-Management in der betrieblichen Praxis als Ganzes gesehen werden muss. Aktuell wird in der betrieblichen und vor allem öffentlichen Diskussion der Fokus zu stark auf die zeitliche Flexibilität verengt. Das mag mit Blick auf die politische Diskussion über die Flexibilisierung der Arbeitszeitgesetze zielführend sein, spiegelt aber nur einen Teil der Herausforderungen und notwendigen Lösungen in der betrieblichen Praxis wider.

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Eckhard Eyer studierte Maschinenbau in Kaiserslautern und Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. Nach Stationen in der Industrie arbeitete er von 1989 bis 1997 im Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (IfaA) in Köln, im Fachbereich Entgeltgestaltung. Er ist Inhaber der Perspektive Eyer Consulting, Köln, mit dem Arbeitsschwerpunkt: Beratung bei der Gestaltung und Umsetzung von Führungs- und Entgeltsystemen, insbesondere von Leistungsentgeltsystemen. Er begleitet Unternehmen von der Problemstellung über die gemeinsame Projektgruppenarbeit von Management und Betriebsrat bis hin zum Abschluss der Betriebsvereinbarung und der Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern.

Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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