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[Gastbeitrag] Flächendeckendes Shopfloor Management: Engel Austria GmbH als Vorreiter

[Gastbeitrag] Flächendeckendes Shopfloor Management: Engel Austria GmbH Als Vorreiter

Die Engel Austria GmbH optimiert das gesamte Unternehmen nach den Prinzipien des Shopfloor Management

– Ein Gastbeitrag von Dr. Albert Hurtz, PTA Praxis für teamorientierte Arbeitsgestaltung GmbH

ENGEL AUSTRIA GmbH ist Weltmarktführer für innovative Lösungskonzepte im Marktsegment der Kunststoffspritzgussmaschinen und Automatisierungssysteme. Kunden schätzen vor allem die Qualität der Maschinen. Ein weiterer wesentlicher Grund, sich für eine Maschine von Engel zu entscheiden, ist das außerordentliche Ausmaß an Flexibilität: Es gibt kaum einen Sonderwunsch, der nicht erfüllt wird. Mit dieser Strategie ist ENGEL bisher sehr gut gefahren. Seit 2009 wächst das Unternehmen stetig. Jedes Jahr wurden neue Umsatzrekorde eingefahren, die Firma wurde stetig erweitert und platzte letztlich aus allen Nähten. 2013 begann das Unternehmen sich mit der Unterstützung der PTA flächendeckend nach dem Prinzipien des Shopfloor Managements auszurichten.

Shopfloor Management

Die Ausgangslage: Troubleshooting

Flexibilität und Wachstum haben seinen Preis. Der Anteil von Troubleshooting am Tagesgeschäft war enorm hoch. Die Suche nach Teilen, das Warten auf Material und die damit verbundene Doppelarbeit nahm beträchtliche Ausmaße an. Änderungen verursachten immensen Mehraufwand. Auch für die Führungskräfte bedeutete dies eine besondere Belastung: Sie verbrachten viel Zeit damit, ihren Mitarbeitern zu helfen, wenn sie nicht weiterkamen. Hoher Druck gehörte zum Arbeitsalltag der Mitarbeiter.

Das Ziel: Der „flutschende“ Prozess

2013 beschloss die Unternehmensleitung sich dem bestehenden Veränderungsdruck und den steigenden Kundenanforderungen aktiv zu stellen. Alle Prozesse im Unternehmen sollten so optimiert werden, dass die Mitarbeiter in der Lage sind, ihre Arbeit ungehindert und flüssig zu erledigen – das Ziel war der „flutschende Prozess“. Verbessert werden sollten hierdurch vor allem die Qualität und die Termineinhaltung.

EPOS – das Engel Prozess-Optimierungs-System

Das selbst entwickelte Engel-Prozess-Optimierung-System bezieht setzt in erster Linie die Mitarbeiter in hohem Maße bei der schrittweisen und kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung der Prozesse ein und beteiligt sie an der Zielfindung und der direkten Problemlösung vor Ort. Die durch Troubleshooting entstandene Verschwendung soll eliminiert werden.

Nacheinander durchlaufen die Teams den Einführungsprozess von EPOS: von der Bestimmung von Zielen und Kennzahlen, über Visualisierung, Teamecke und Daily Meetings, bis hin zur kontinuierlichen Verbesserung der vorhandenen Standards. Um aber alle Menschen im Unternehmen auf der Suche nach Verschwendung zu beteiligen, müssen Mitarbeiter und Führungskräfte dazu befähigt werden, Verschwendung zu erkennen und ihren Ursachen auf den Grund zu gehen.

Vorteile von EPOS für die Mitarbeiter

  • Arbeitsplatzlayout mitgestalten
  • Direkte Beeinflussung der Arbeitsergebnisse
  • Stabilere Prozesse und weniger Probleme
  • Mehr Spaß an der Arbeit
  • Weiterentwicklung der bestehenden Unternehmenskultur: Vertrauen, Verantwortung, Veränderung

Die bisherigen Vorarbeiter, die sich im wesentlichen um die Aspekte der Arbeit gekümmert haben, die nicht gut funktionierten, wurden zu Teamleitern und bekamen die Aufgabe, Prozesse und Mitarbeiter weiterzuentwickeln. Ihnen kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Die Teamleiter kümmern sich heute darum, dass die Prozesse störungsfrei laufen. Sie untersuchen die von den Mitarbeitern aufgezeigten Probleme und stellen sie, gegebenenfalls mit Unterstützung der Dienstleister, dauerhaft ab.

Ein Trainingsprogramm macht sie hierfür fit. Es orientiert sich an den sieben Einführungsstufen von EPOS und setzt das Gelernte zwischen den einzelnen Trainings vor Ort um. Dabei erhalten sie konkrete Unterstützung durch einen PTA-Trainer und einen internen Prozessbegleiter (EPOS-Manager).

Diese Umsetzungsberatung wurde mit einer standardisierten Auditierung des bisher Erreichten verbunden. Die regelmäßige Auditierung war Ansporn für die Teamleiter, rechtzeitig alle Standards, die für die jeweils zu realisierende EPOS-Stufe galten, auch etabliert zu haben.

Shopfloor Management
Trainings, Umsetzungsbegleitung und Audits

Zusammenarbeit zwischen Teamleiter und Dienstleister

Auch die Dienstleister sind unmittelbare Akteure von EPOS. Sie nehmen an den Daily Meetings teil und treiben die Lösung von Problemen, die ihren Bereich betreffen, voran. Auch sie mussten für ihre neue Rolle fit gemacht werden und durchliefen zusammen mit den Teamleitern dasselbe Trainingsprogramm. So wurde gewährleistet, dass Teamleiter und Dienstleister von vorne herein die gleiche Sprache sprachen und auf Augenhöhe kommunizierten.

Systematische Problembearbeitung, EPOS-Boards und „5-Minuten-Stehung“

Um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter alle relevanten Informationen erhalten, erhielt jeder Bereich ein EPOS-Board, das alle wichtigen Daten visualisiert und von den Teamleitern täglich aktualisiert wird.

Shopfloor Management

Im EPOS-Einführungsprozess wurden das EPOS-Board und die Daily Meetings zeitgleich gestartet. Mit dem Startschuss stand fest, dass von nun an täglich die 5-minütige „Stehung“ durchgeführt wird, die von den Teamleitern moderiert wird und an der die wichtigsten Dienstleiter teilnehmen.

Zeitgleich wurde ein elektronisches Qualitätssicherungs-System (ELAK= Elektronische Akte) eingeführt, das es ermöglicht, Fehler zu dokumentieren und dem Verursacher zuzuordnen. Die ELAK-Auswertung erfolgt ebenfalls bei den täglichen „Stehungen“.

Ohne Team keine Problemlösung

Zielrichtung der Daily Meetings ist nicht das verbesserte Managen des operativen Geschäfts. Es geht vor allem darum, das nachhaltige Arbeiten zu verbessern. Für immer wiederkehrende Probleme, die offensichtlich auf schnellem Wege nicht lösbar sind, initiiert der Teamleiter den PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act).

Auf dem EPOS-Board ist jederzeit ablesbar, welche Probleme mit dem PDCA-Zyklus des Problemlösens angegangen werden. Dies ist wichtig, weil es häufig Ideen bzw. Probleme von Mitarbeitern sind, die systematisch bearbeitet werden. Sie erfahren so, dass ihr Thema „in Arbeit“ ist und ob es eine aktuelle Statusveränderung gibt.

Komplexe Probleme, die sich zwar im Bereich negativ bemerkbar machen, aber weder vom Team, noch von den Dienstleistern gelöst werden können, werden entlang der Gesprächskaskade „eskaliert“. So landen sie auf dem Board der Abteilungs- bzw. Werksleitung und werden dort bearbeitet.

Zunächst konzentrieren sich die Teams im Einführungsprozess auf die Probleme in den eigenen Bereichen, in der folgenden Stufe werden auch Schnittstellenprobleme angegangen.

Anfängliche Skepsis? Längst verflogen! 

EPOS in der Praxis

Im Rahmen der Umsetzungsberatung nach den Trainings konnten Probleme bei der Umsetzung sofort angesprochen und ausgeräumt werden. So lernten die Teamleiter stetig, den veränderten Anforderungen gerecht zu werden. Häufig gestellte Fragen waren: „Wie komme ich vom Troubleshooting zu einer strategischeren Arbeit?“, „Wie bekomme ich alle benötigten Informationen?“ oder „Wen kann ich um Unterstützung bitten, wenn ich nicht mehr weiter komme?“

Dienstleister und Teamleiter rückten durch das gemeinsame Training näher zusammen und begriffen sich zunehmend als Mitarbeiter, die gemeinsam Probleme erkennen und lösen und nur dann erfolgreich sind, wenn sie intensiv zusammenarbeiten.

Grundlegend war, dass damit begonnen wurde, zeitnahe und einfach zu generierende Kennzahlen des Bereiches zu definieren. Durch das gemeinsame Erarbeiten realistischer Ziele entstand Motivation und Identifikation. Wo möglich, wird heute mit Kennzahlen gearbeitet, die täglich überprüft werden können. Jeder Mitarbeiter kann erkennen, ob sein Team die Ziele erreicht hat oder nicht.

An die täglichen „Stehungen“ haben sich die Mitarbeiter – trotz anfänglicher Skepsis – schnell gewöhnt. Heute wissen alle diese Treffen zu schätzen, beschleunigten sie doch das Bearbeiten von Problemen erheblich.

Fazit

Mittlerweile gibt es in allen drei Werken in Österreich eine funktionierende Gesprächskaskade. Themen, die auf Teamebene nicht gelöst werden können, werden vom Meister bzw. Abteilungsleiter aufgegriffen. Können sie auch auf dieser Ebene nicht gelöst werden, wird das Thema im Daily Meeting des Werkleiters angesprochen und gelöst. Dadurch wird eine schnelle Bearbeitung der Themen erreicht und zugleich ein schneller Informationsaustausch zwischen Führung und Teams.

Heute ist bereits ein Großteil der Mitarbeiter in EPOS-Teams organisiert. Dayily Meetings und die Arbeit mit den Boards funktionieren sehr gut. Verbesserungen werden regelmäßig von den Mitarbeitern aufgezeigt und systematisch mit dem PDCA-Zyklus bearbeitet. Troubleshooting gibt es zwar immer noch in nennenswertem Umfang, aber es ist erkennbar, dass die Mitarbeiter einen erheblichen Beitrag dazu leisten, Fehler- und Problemquellen zu identifizieren und zu beseitigen. So entsteht eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter sich ernst genommen fühlen und sehen, dass sie selbst etwas in ihrem Unternehmen bewegen können.

EPOS im gesamten Unternehmen

Mittlerweile gibt es EPOS nicht nur in der Produktion und den produktionsnahen Bereichen, sondern wurde entlang des Auftragsprozesses in Vertrieb und Konstruktion gestartet. Dadurch kommt Engel dem Ziel, im gesamten Unternehmen systematisch an der Verbesserung der Prozesse zu arbeiten, ein gutes Stück näher.

Es zeigt sich jedoch auch, dass in den administrativen Bereichen andere Bedingungen herrschen, es aber mindestens genau so viel Potenzial zur Verbesserung gibt.

Die Mitarbeiter in den Werken begrüßen es sehr, dass EPOS jetzt auch in Vertrieb und Technik Einzug hält: „Wenn die Prozesse an den Schnittstellen besser werden, kann uns das in der Montage nur helfen. Und wenn die Kollegen dort genau so intensiv daran arbeiten, die Probleme auf Dauer zu beseitigen, ist das für die ganze Firma ein Vorteil.“

Informationen zur ENGEL AUSTRIA GmbH

Die ENGEL AUSTRIA GmbH ist ein weltweit tätiger Hersteller von Spritzgießmaschinen und dazugehörigen Automatisierungsanlagen aus Österreich und ist in diesem Bereich Weltmarktführer. Das Unternehmen wurde 1945 von Ludwig Engel in Schwertberg gegründet und ist auch heute noch vollständig in Familienbesitz. Engel beschäftigt weltweit rund 4.800 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von über 1 Mrd. €.

Dr. Albert Hurtz ist Gründer, Partner und Geschäftsführer der Unternehmensberatung PTA Praxis für teamorientierte Arbeitsgestaltung GmbH und hat 1995 zu dem Thema handlungsorientiertes Lernen in der Maschinentechnik promoviert. Als Projektleiter und Lean-Experte beschäftigt er sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Verbesserungen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Lean, Shop Floor Management, Verbesserungsmanagement, KVP, Teamarbeit, Coaching und Training für Führungskräfte, Kultur- und Leitbildentwicklung und der Aufbau von Produktionssystemen. Im September 2014 wurde sein drittes Fachbuch veröffentlicht.

Kontakt

Albert Hurtz | Partner
a.hurtz@pta-team.com
+49 173 / 7240 133
PTA Praxis für teamorientierte Arbeitsgestaltung GmbH
Standort Köln | Venloer Straße 19 | 50672 Köln
Telefon +49 221 / 921 66 8-0
Telefax +49 221 / 921 66 8-7
http://www.pta-team.com | koeln@pta-team.com

Dr. Albert Hurtz

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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