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FinTech-Regulierung: Fairer Wettbewerb oder Innovationsbremse?

FinTech-Regulierung: Fairer Wettbewerb Oder Innovationsbremse?

Seit 2007: Massive Bankenregulierung in EU und Deutschland

Wir befinden uns nun im Jahr 2017 und alle Welt spricht von der digitalen Transformation, von Disruptionen und neuen Geschäftsmodellen. Und die gibt es auch in der Finanzwelt, mit einer „kleinen“ Einschränkung: Das klassische Banking wird in seinem Wandel viel stärker geprägt durch Regulierung und Verbote. Basel III und IV, EMIR, MaRisk, MaComp, Geldwäschegesetz etc. pp. Grund ist die These, dass die Deregulierung der Finanzmärkte zu der Finanzkrise 2007 geführt habe. In der öffentlichen Diskussion herrscht fast Konsens darüber.

Was viele nicht bedenken ist, dass die Regulierung aller noch so kleinen Prozesse in Banken dazu führt, dass deren Wirtschaften dadurch so komplex wird und sich so sehr verteuert, dass die Regulierung an sich zu einem Risiko wird. Sie führe zu defensivem Verhalten, einem Fokus auf das Kleingedruckte und dazu, dass man sich nicht mehr auf das Gesamtbild konzentrieren könne, schreibt ein FAZ-Blogger bereits 2012. Vor allem die kleineren Institute haben mit den Gesetzen zu kämpfen, was mittlerweile auch erkannt wird: So will die EU-Kommission nun die Bankenregulierung neu ausrichten, indem für kleinere Banken Erleichterungen im Berichtswesen, bei Offenlegungspflichten und Vergütungsvorhaben auf den Weg gebracht werden.

Recht

FinTechs: Massives Wachstum – abseits der Regeln?

Während die Banken sich nun also mit digitaler Transformation, Filialsterben und Regulierungsvorschriften befassen, wächst abseits des traditionellen Bankensektors Jahr für Jahr die FinTech-Szene. Auch in Deutschland wird jedes Jahr so viel Geld in neue Unternehmen investiert, das in manchen Kreisen schon von einem Boom gesprochen wird.

Eine aktuelle Studie suggeriert beispielsweise, dass sich in diesem Bereich bis 2035 ein Marktvolumen von 148 Milliarden Euro ergeben könnte. Mittlerweile gibt es in Deutschland 433 FinTech-Unternehmen, davon knapp 350 mit einer aktiven Geschäftstätigkeit. Derzeit beträgt das Marktvolumen 2,2 Milliarden Euro und 1,2 Millionen Deutsche nutzten bereits 2015 deren Services für ihre persönlichen Finanzen. Zudem gaben 87 Prozent der befragten Banken an, bereits mit FinTech-Unternehmen zu kooperieren oder sich daran zu beteiligen. Und insgesamt ist der deutsche Markt nach Großbritannien auf Platz 2 im europäischen Vergleich.

Geniale Geschäftsmodelle greifen Kernbereiche der Banken an

Die Geschäftsmodelle sind oft genial, für die Kunden zudem einfach. Sie basieren auf Vernetzung, mobilen Anwendungen, Crowdsourcing und Big Data, ermöglichen neue Lösungen im Zahlungsverkehr, Investment, Anlage und Banking, bei der Kreditvergabe, beim Trading und mehr. Dabei bieten das Internet und das Smartphone einen digitalen Sandkasten, in dem radikal aus Kundenperspektive gedachte Lösungen für einzelne, punktuelle Anwendungen rund um Finanzen, Zahlungsverkehr und Co. ausprobiert werden. Das Ergebnis nennt man Disruption und erkennt man daran, dass diese Quereinsteiger im Markt den Banken Kernbereiche ihres Geschäfts wegnehmen. Natürlich macht das vielen Instituten Angst und genau deshalb springen Banken nun häufiger auf den Zug auf und kooperieren auch immer mehr mit den wendigen Newcomern.

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Asymmetrie bei Regulierung

Zwar begrüßte der Bankenverband 2015 in einem Positionspapier öffentlich die neuen Impulse, die die neuen Unternehmen in den Markt bringen. Innovation sei wichtig, erhöhten den Kundennutzen und förderten den Wettbewerb. Man sehe zudem Kooperationsmöglichkeiten und Kostensenkungspotenziale. Dennoch wird in dem Papier auch das gefordert, was umgangssprachlich gerne als „Level Playing Field“ bezeichnet wird: Die FinTech-Regulierung sei im Vergleich zu der der Banken ungenügend und schaffe eine asymmetrische Wettbewerbssituation.

Damit hat der Verband nicht ganz Unrecht, denn nicht alle Dienstleistungen von FinTechs fallen unter die Regulierung insbesondere durch die BaFin. Stattdessen obliegen manche Beispielsweise der Gewerbeaufsicht, bei Geschäftsmodellen, die sich auf den Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten fokussieren, geht es um Datenschutz. (Ebenfalls keine zentrale Aufgabe der BaFin.) Davon ab, gelten allerdings in jedem Bereich, in dem FinTechs tätig sind und der unter den Aufsichtsbereich der BaFin fällt, für diese dieselben Vorschriften wie für Banken.

Fidor Bank Disruption

Ist Fintech-Regulierung aber sinnvoll?

Was ist nun die Lösung dieses Problems? Ist es überhaupt eines? Bereits jetzt liest man, dass die BaFin sich nun stärker der Regulierung von FinTechs widmen möchte. Auch der Bundestag hat bereits Ende 2015 darüber beraten. Doch ist eine stärkere Fintech-Regulierung überhaupt eine gute Idee?

Sicher, so etwas wie faire Marktbedingungen sollte es schon geben. Aber der Vorteil vieler FinTechs bei der Produktentwicklung ist sicher eher die Abwesenheit von Regulierung. Dadurch entsteht eine grüne Wiese, auf der Neues erst ausprobiert werden kann. Die sogenannte Wettbewerbsverzerrung, die durch eine mangelnde Regulierung von FinTechs entsteht, ermöglicht ja gerade erst Innovation. Denn die ist dadurch gekennzeichnet, dass neue Geschäftsmodelle auch scheitern können und dürfen. Genau das, was mit der übervorsichtigen Regulierung verhindert werden soll. Insgesamt muss der Staat hier also aufpassen, dass er diesen vielversprechenden Bereich nicht tot reguliert. Vielleicht ist da eine sinnvolle, punktuelle Deregulierung – wie eingangs in Bezug auf die EU-Kommission erwähnt – der gangbarere Weg.

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Bilder: Sergey Nivens | de.fotolia.com, pathdoc | de.fotolia.com, ilro | de.fotolia.com

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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