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Philosophie der Automobilindustrie: Wird ein autonomes Fahrzeug zu Kant?

Philosophie Der Automobilindustrie: Wird Ein Autonomes Fahrzeug Zu Kant?

Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob autonome Fahrzeuge die Straßen der Welt befahren werden, sondern ab wann sie es tun werden. Doch bevor wir die Macht komplett an Algorithmen abgeben, muss noch eine wichtige Frage geklärt werden: Wird das Auto der Zukunft eher ein Kant oder ein Utilitarist?

Ethik ist das Thema 2018

Im Bereich Künstliche Intelligenz wird die ethische Debatte zu dem Thema des Jahres. Das meint zumindest Deepmind-Gründer Mustafa Suleyman. Gerade die Automobilbranche wird sich mit der Ethik der Algorithmen auseinandersetzen müssen. Selbstfahrende Fahrzeuge werden zwar die Zahl der Unfälle drastisch reduzieren, komplett frei von Unfällen werden unsere Straßen jedoch nicht bleiben. Es wird immer wieder zu Grenzsituationen kommen, bei der sich der Algorithmus des Fahrzeuges entscheiden muss, was zu tun ist.

Autonomes FahrzeugDer Umgang mit Grenzsituationen ist sehr wichtig für die Haftungsfrage. Denn anders als ein menschlicher Fahrer, der sich reflexartig in wenigen Sekunden entscheiden kann, wie er bei einem Unfall handeln muss, verhält sich ein autonomes Gefährt rational. Doch die Handlung eines autonomen Fahrzeuges wird in den Algorithmus programmiert. Daher müssen wir uns schon heute – obwohl das komplett autonome Fahrzeug noch in weiter Ferne scheint – überlegen, mit welcher Moral und Ethik die Fahrzeuge der Zukunft ausgestattet werden sollen.

Wie soll sich der Algorithmus entscheiden?

Wenn ein Unfall nicht mehr zu vermeiden ist und das Fahrzeug sich vor einer no-win-Situation befindet, bei der Tote nicht vermeidbar sind, wie soll sich der Algorithmus also entscheiden? Soll er das Leben der Insassen retten oder das der Passanten? Diese Frage ist zu klären und die Antwort darauf ist alles andere als einfach!

RechtDenn unsere Gesetzgebung ist für zukünftige Szenarien nicht gut aufgestellt, wie wir bereits gesehen haben. Dennoch gibt es ein Gesetz, welches bei der Frage zu helfen scheint, das erste Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Denn dieses Grundgesetz besagt, dass das Leben eines Menschen unendlich viel Wert ist und daher kann das kleinere von zwei Übeln sich nicht mathematisch ermitteln lassen. Das bedeutet, dass weder die Anzahl, das Alter, das Geschlecht oder kulturelle Wertmaßstäbe bei der Frage helfen können, welche Entscheidung das Fahrzeug letztendlich fällen sollte.

Ein Blick in die Philosophie: Kant vs. Utilitarismus

Um diese Frage zu beantworten, werfen aber immer mehr Wissenschaftler einen Blick in die Philosophie, denn diese hat einige Theorien zur Ethik und dem moralischen Handeln.

Kants Moralphilosophie

Eine der bekanntesten Moralphilosophien hat Immanuel Kant entwickelt. Frei nach dem Motto:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

wird bei Kant eine moralische Handlung lediglich an den Motiven bewertet. Die Folgen (in unserem Fall die Toten und Verletzten bei dem nicht zu verhindernden Unfall) spielen keine Rolle.

Mehr zu Kants Moralphilosophie

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https://www.youtube.com/watch?v=Sl7r1dukKbI

Der Utilitarismus

Der von Jeremy Bentham entwickelte und von John Stuart Mill erweiterte und modifizierte Utilitarismus hat eine komplett entgegengesetzte Theorie. Denn diese beschreibt eine zweckorientierte Ethik, also eine Art ethische Kosten-Nutzen-Rechnung, bei der die Handlung anhand der Folgen berechnet wird. Je mehr Glück die Handlung erzeugt, desto moralischer ist die Handlung. Anders als bei Kant werden hierbei also nur die Folgen der Handlung betrachtet. Beweggründe sind hierbei nicht von Interesse. Die Maxime dieser Philosophie ist daher:

Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück für alle entsteht.

Mehr zum Utilitarismus:

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https://www.youtube.com/watch?v=GmbhVxUVrGI

Die utilitaristische Gesellschaft?

Das Gerichtsdrama „Terror“ von Ferdinand von Schirach hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass die Gesellschaft Menschenleben gegenüber stellt und eher dem Utilitarismus zu folgen scheint. Bei diesem Drama durften die Zuschauer anstatt eines Richters in zahlreichen Theatern darüber entscheiden, ob es „richtig“ war, dass sich Major Lars Koch ein Flugzeug mit 164 Passagieren abgeschossen hat, um die mit 70.000 Menschen gefüllte Allianz-Arena vor einem Terroranschlag zu retten. 61,6 Prozent der weltweiten Zuschauer entschieden sich hierbei für einen Freispruch.

Auch die Umfragen der Psychologen Jean-Francois Bonnefon, Azim Shariff und Iyad Rahwan machen deutlich, dass die Mehrheit sich eine utilitaristische Programmierung wünscht, Selbstaufopferung soll dabei jedoch nicht zu einer gesetzlichen Vorgabe werden.

Autounfall

Die Diskussionen beginnen

Seit 2016 beschäftigt sich in Deutschland eine Kommission mit diesen ethischen Fragen der Künstlichen Intelligenz in autonomen Fahrzeugen. Und auch große Firmen wie Amazon, Google, Microsoft und Facebook widmen sich diesem Thema. So plant beispielsweise Tesla-Chef Elon Musk in seinem Projekt Open AI, die Entwicklung von menschenfreundlichen Algorithmen voranzubringen. Und Google hat sogar ein eigenes Ethik-Board, welches die Folgen der Künstlichen Intelligenzen für die Gesellschaft untersucht.

Eine globale Zusammenarbeit zur Ethik der Künstlichen Intelligenz gibt es jedoch noch nicht. Es stellt sich daher die Frage, ob wir in Zukunft verschiedene Gesetze und Ethiken je nach Region haben werden oder ob zukünftig einfach per Zufall entschieden wird, ob das autonome Fahrzeug den Insassen oder die Passanten schützt.

Aber würden Sie sich in ein solches Fahrzeug setzen?

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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