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Eine Vertrauensfrage? Aktuelle Zahlen und Überlegungen zum Payment in Deutschland

Eine Vertrauensfrage? Aktuelle Zahlen Und Überlegungen Zum Payment In Deutschland

Das EHI Retail Institute hat kürzlich neue Zahlen zum Payment in Deutschland vorgestellt. Und das erste, was wir dort erfahren: In Deutschland ändert sich beim Zahlen weiter nicht viel. Der konservative Deutsche bevorzugt auch beim Online-Shopping weiter zu einem großen Vorsprung vor anderen Zahlungsarten den Kauf auf Rechnung. Und dann kommt die Lastschrift, auf Platz vier Kreditkarten. Alle anderen Zahlungsarten sind weitgehend vernachlässigbar und nur Paypal wird als charakteristischer Online-Bezahldienst häufig genutzt. (Verliert aber auch Marktanteile.)

Kauf auf Rechnung: 30,5 Prozent
Lastschrift: 20,2 Prozent
Paypal: 17,9 Prozent
Kreditkarten: 12,2 Prozent
Ratenkauf/Finanzierung: 4,5 Prozent
Vorkasse: 4,0 Prozent
Zahlung bei Abholung: 3,6 Prozent
Sofortüberweisung: 2,0 Prozent
Nachnahme: 1,9 Prozent
Bezahlen mit Amazon: 1,1 Prozent
Sonstige: 2,1 Prozent

Was wir hier wieder eindrucksvoll beobachten können, ist die Technophobie der Deutschen. Ob es sich in unserem Falle dabei um Angst oder doch eher starke Ablehnung handelt, ist fraglich. Wahrscheinlich beides. Und so befinden sich alle denkbaren neuen Bezahlmethoden auch aktuell ganz unten unter „Sonstige“.

Im Einzelhandel ergibt sich ein ähnliches Bild: Über die Hälfte der Zahlungen wird mit Bargeld, dem deutschen Lieblings-Zahlungsmittel getätigt, die andere Hälfte fällt auf Kartenzahlungen. „Sonstige“ Zahlungsarten schaffen es auch hier nur auf 0,6 Prozent.

Mobile Payment: Wann wird es sich durchsetzen?

Zwar ist die Dominanz der „traditionellen“ Zahlungsarten nicht überraschend, aber irgendwie verwundert es doch. Denn unter das, was wir oben „moderne“ Zahlungsarten nennen, fällt ja nicht nur das kontaktlose Bezahlen via NFC. Gerade beim E-Commerce fragt man sich doch: Zahlen wirklich so wenige Menschen via In-App-Käufen? Oder gehen sie dabei auch alle den „Umweg“ über PayPal? (Schließlich könnte man zum Beispiel Bahntickets auch über die Mobilfunkrechnung bezahlen.)

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https://www.youtube.com/watch?v=F9APpp321sI

Im stationären Handel hingegen ist es weniger überraschend. Mehrere Gründe fallen spontan ein.

Zum Beispiel gibt es in Deutschland noch immer nicht flächendeckend WLAN-Hotspots und die Mobilfunkanbieter verkaufen sogenannte „Drosselverträge“, die monatlich nur bis zu einem bestimmten Datenvolumen Highspeed-Internet offerieren. Das macht hier die Nutzung von Apps auch immer zu einer Datenfrage, während die Voraussetzungen in den allermeisten anderen Ländern deutlich besser sind.

Verhandlung unterwegs per Telefon

Weiter – das haben wir kürzlich schon auf dem Blog besprochen – ist die Payment-Landschaft in Deutschland höchst unübersichtlich. Die bekanntesten Anbieter abseits von Paypals digitalem Wallet sind eher unbekannt und selbst in Geschäften, in denen Zahlen per NFC angeboten wird, ist das nicht unbedingt ersichtlich. Wussten Sie zum Beispiel, dass Sie beim REWE mit der Kreditkarte oder dem Smartphone kontaktlos zahlen können – und zwar seit über einem Jahr? Bei LIDL geht das seit Februar 2017 und bei ALDI Nord sogar seit 2015. Viele Konsumenten wissen das überhaupt nicht – und ein kurzer Test ergab, dass selbst manche Mitarbeiter es nicht wissen!

Dazu ist die Anbieterlandschaft für Kunden auch immer noch viel zu kompliziert. So heißt es in der offiziellen Pressemeldung von REWE:

Aktuell bieten MasterCard und Maestro sowie Visa und V-Pay mit PayPass und payWave kontaktloses Zahlen an. Mobiles Zahlen mit dem Smartphone ermöglichen sogenannte Wallet-Apps für NFC-fähige Geräte, die beim Mobilfunkanbieter erfragt werden können. Für nicht-NFC-fähige Geräte gibt es NFC-Sticker, die auf die Rückseite des Geräts geklebt werden.

Jeder normale Verbraucher, der sich nicht mit der Materie auskennt, wird hier abschalten. Und große Werbeoffensiven von Händlern, Tankstellen, Kaufhäusern oder den vielen anderen Unternehmen, die es in Deutschland schon anbieten, gab es bisher ebenfalls nicht. Vielleicht ist auch deshalb dem Gros der Verbraucher überhaupt nicht bewusst, welche Vorteile es mit sich bringt.

Die Zukunft des Bezahlens

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Payment ist auch Vertrauenssache

Große Skepsis gibt es in Deutschland auch immer, wenn Drittanbieter mit dem eigenen Geld hantieren sollen. Selbst Kreditkarten, die hier doch mittlerweile sehr verbreitet sind, werden seltener genutzt. Zwar erwähnen wir oben, dass die Hälfte der Zahlungen im stationären Handel auf Karten entfällt. Aber aufgeschlüsselt wird mit Kreditkarten nur in 6,1 Prozent der Fälle gezahlt. Überwiegend jedoch mit SEPA-Lastschrift oder Girocard. Und der erhebliche Anteil an Barzahlungen spricht eine wirklich deutliche Sprache.

Entsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass auf Händlerseite nun ein relativ neues Produkt in den Fokus rückt, das bisher noch nicht so verbreitet ist: Nämlich Paydirekt, der Zahlungsdienst der deutschen Banken und Sparkassen. Bei dem Bezahldienst handelt es sich nämlich um keinen Drittanbieter, sondern man benötigt dafür ein Girokonto und zahlt direkt über die Bank.

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Allerdings weist der Dienst auch seine Schwächen auf: So scheint darüber kein kontaktloses Bezahlen angeboten zu werden, stattdessen wird etwas umständlich auf Online-Banking gesetzt, inklusive Eingabe von Nutzernamen, Passwort und (gelegentlich) einer TAN-Abfrage. Da wäre es fast einfacher, mit dem guten alten Schein zu bezahlen. Außerdem, wie Jochen Siegert, der auch unsere Smart Payment Konferenz moderiert, auf dem Bank-Blog schreibt, scheinen die Preisvorstellungen der Banken bei den Zahlungen etwas überzogen zu sein. Andererseits dürften viele Deutsche es sympathisch finden, dass Ihre Daten bei dieser Variante nicht mit einer dritten Firma geteilt werden, die am Ende sogar noch im Ausland sitzt.

Ob und wann sich aber Mobile Payment in Deutschland durchsetzen kann, bleibt nach einem Blick auf diese Zahlen weiter fraglich. Wahrscheinlich wird tatsächlich das erste einfach zugängliche, komfortable und vertrauenswürdige Angebot am Markt das Rennen machen. Nur die Frage, wer es anbietet, muss noch beantwortet werden.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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