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Warum für echte Innovationen die Unternehmenskultur mitspielen muss

Warum Für Echte Innovationen Die Unternehmenskultur Mitspielen Muss

Anfängliche Ideen gibt es oftmals viele – aber wie generieren Sie daraus echte Innovationen, die Ihrem Unternehmen Wettbewerbsvorteile und Gewinn bringen? Dr. Christian Schaller ist bei der Pfinder KG für das Innovationsmanagement zuständig und weiß, dass ohne eine entsprechende Unternehmenskultur gute Ideen keine Chance haben. In einem exklusiven Interview verrät der Experte, was Unternehmen brauchen, um Innovationen zu fördern und welche Techniken er empfiehlt, um gute neue Ideen überhaupt entwickeln zu können.

Dr. Christian Schaller hat eine Doppelfunktion als Laborleiter und Leiter des Innovationsmanagements im Bereich Forschung und Entwicklung bei der Pfinder KG in Böblingen.

Die Pfinder KG ist ein international tätiges KMU und Weltmarktführer für temporäre und dauerhafte Korrosionsschutzsysteme im Fahrzeugbau.

Schaffen einer Innovationskultur zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der Technologieführerschaft sowie der Aufbau eines IP-Managements und Expertennetzwerks waren die Fokusthemen bei seinem Stellenantritt Anfang 2016.

Dr. Christian Schaller

Dr. Christian Schaller

Innovationen – eine Sache der Unternehmenskultur

Herr Dr. Schaller, welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Entwicklung von Innovationen, um dem Wettbewerb einen Schritt voraus sein zu können?

Eine sehr große! Das Unternehmen muss bereit sein, den Blick über den Tellerrand zu wagen, offen zu sein für Neues. Und das muss im ganzen Unternehmen gelebt werden. Das heißt, nicht immer den bequemen altbekannten Weg gehen, die Liebe zum Tüfteln ist gefragt.

Und daneben ist harte Arbeit notwendig, um Innovationen wirklich entwickeln zu können.

Dazu gehört insbesondere die Beziehungspflege zu Kunden. Sie müssen wissen, wo deren Schuh drückt und Verständnis für die Bedürfnisse aufbauen. 

Kundenbeziehungen

Wir bei Pfinder müssen immer auch einen Blick auf den Rohstoffmarkt und die gesetzlichen Entwicklungen haben. Welche Rohstoffe stehen uns auch noch in fünf bis zehn Jahren zur Verfügung, welche sind gesundheitlich unbedenklich? Es ist extrem wichtig, nicht nur einen Aspekt zu betrachten. Es fällt mir schwer, dies als Techniker zu sagen, aber ob wir langfristig erfolgreich sein werden, hängt nicht mehr nur von einer überlegenen Technologie ab. Ich finde ein Zitat von Darwin sehr treffend, das die Rolle der Unternehmenskultur unterstreicht:

„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist, sich zu verändern.“

Wie geht Ihr Unternehmen mit dieser Erkenntnis um – woher kommen die Ideen für Innovationen?

Zunächst einmal ist es wichtig, im Unternehmen ein allgemeines Verständnis für Innovationen zu bekommen. Wir haben festgestellt, dass es selbst in einem kleinen Unternehmen wie der Pfinder KG verschiedene Vorstellungen davon gibt, was das Wort „Innovation“ überhaupt bedeutet. Nach unserer Definition bedeutet es: Eine Produkt- oder Prozessneuerung oder aber eine Dienstleistung mit Alleinstellungsmerkmal, die vom Kunden durch seine Bestellung honoriert wird.

Kurz gesagt: Es bringen die schönsten Ideen nichts, wenn wir diese nicht verkauft bekommen und noch wichtiger, wir müssen damit Geld verdienen!

Das Innovationsmanagement beschäftigt sich daher mit der systematischen Planung, Steuerung und Kontrolle von Innovationen und dient damit der Umsetzung unserer Unternehmensstrategie. 

Man muss unterscheiden, dass anders als bei der Kreativität, bei der es um die Entwicklung von Ideen geht, das Innovationsmanagement insbesondere auf die wirtschaftlich erfolgreiche Verwertung von Ideen ausgerichtet ist.

Zusammenarbeit

Die Ideen bei Pfinder kommen in erster Linie von den Mitarbeitern. Den Anstoß dazu erhalten Sie meist direkt aus dem Innovationsumfeld, das heißt über unsere Schnittstellen. Unsere Kunden spielen hierbei die wichtigste Rolle, da wir die Produkte ja für sie entwickeln. Daneben sind auch unsere Rohstofflieferanten nicht zu vernachlässigen. Neue innovative Rohstoffe und daraus resultierend neue Produkte sind für uns essentiell. Daneben sind auch sogenannte Expertennetzwerke ein wichtiger Baustein. Das heißt, hier suchen wir gezielt Kontakt zu anderen Unternehmen, die ähnliche Technologien oder Rohstoffe einsetzen, aber nicht im direkten Wettbewerb stehen. Auch Hochschulkooperationen sind ein Baustein, sowohl bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter als auch bei der Bearbeitung von Grundlagen durch Praktika. Veranstaltungen wie Messen oder Publikationen gehören auch dazu.

Auf die richtige Technik kommt es an

Wie gehen Sie bei der Pfinder KG vor, um neue Ideen zu generieren? Gibt es ein Modell, das Sie empfehlen können?

Googelt man heute das Wort „Innovationsmanagement“ bekommt man 770.000 Treffer. Ergänzt man den Suchbegriff durch „Bausteine“ oder „Modelle“, sind es immer noch 75.000 Treffer. Es gibt die unterschiedlichsten Modelle, vom Trichter Modell über das 2-, 3-, 4- und 5-Säulen-Modell. Letztendlich muss jedes Unternehmen ein für sich passendes Modell entwickeln, um den jeweiligen Anforderungen der Industrie und auch den Eigenheiten des Unternehmens Rechnung zu tragen.

Wir haben bei Pfinder ein relativ einfaches und übersichtliches 3-Säulen-Modell entwickelt. Dazu stellen wir uns die folgenden drei Fragen:

1

Woher bekomme ich Ideen?

2

Wie bekomme ich Ideen?

3

Welche Hilfsmittel benötige ich dazu?

Das bedeutet konkret, dass wir diese drei Säulen beziehungsweise Bausteine im Innovationsprozess haben:

1

Das Innovationsumfeld, das heißt die Ideenquellen

2

Den Innovationsprozess

3

Die Innovationswerkzeugkiste

Langfristige Wettbewerbsfähigkeit ist das Ziel

Wie sieht dann der Innovationsprozess aus, bis am Ende ein neues Produkt steht?

Es ist ein langer Weg von einer Idee bis zu einem kommerziell erfolgreichen Produkt. Bei der Pfinder KG steht am Anfang immer ein ungelöstes Problem, eine Anforderung oder ein Kundenwunsch, für den wir eine Antwort finden müssen. Mögliche Lösungsansätze werden dann entweder methodisch in sogenannten Kreativitätsworkshops erarbeitet oder man bedient sich aus unserem Ideenspeicher, den wir kontinuierlich mit dem Input unserer Mitarbeiter füttern. Dieser Lösungsansatz kann dann in einem 2P-Projekt (das heißt Vorentwicklungsprojekt) hinsichtlich technischer Machbarkeit überprüft werden. 

Hat eine Idee dann einen gewissen Reifegrad oder eine Realisierungschance, wird ein 3P-Projekt (das heißt Serienentwicklungsprojekt) für eine Produktentwicklung in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden gestartet und dann hoffentlich umgesetzt.

Produktentwicklung

Und danach? Was darf nicht vernachlässigt werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wir sind nicht mehr alleine! Mit anderen Worten, der Wettbewerb schläft nicht. Auch wenn wir bei Pfinder in den meisten Bereichen die Nase vorne haben. Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Es geht uns wie in allen anderen Bereichen der Lackbranche, die Anwendungen werden immer spezieller, die Applikationstechnik wird besser. Ein gestiegenes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein und daraus resultierend verschärfte Gesetzgebung schränken die Rohstoffauswahl ein. Gleichzeitig werden die Anforderungen unserer Kunden hinsichtlich der Qualität immer höher, der Kostendruck steigt. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

Für einen mittel bis langfristigen Erfolg sind meines Erachtens folgende Dinge notwendig:

Technisch gute Produkte in konstanter Qualität, Liefersicherheit und eine einwandfreie technische und kommerzielle Betreuung.

Das Vorhaben allein reicht nicht aus

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, um das Innovationsmanagement ins Rollen zu bringen?

Es wird nicht reichen zu sagen, ab heute machen wir Innovations- und Ideenmanagement und wir sind innovativ. Hier steckt harte Arbeit dahinter und es ist die Aufgabe jeder Führungskraft, für eine positive und innovationsfreundliche Unternehmenskultur zu sorgen. Dazu gehört auch, Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen. Vertrauen in die Fähigkeit der Experten zu setzen.

Gleichzeitig muss den Mitarbeitern aber bewusst gemacht werden, dass sie selbst ein Teil der Erfolgsgeschichte des Unternehmens sind, sodass Motivation und Eigeninitiative gefördert wird. Dann können Ideen und anschließend echte Innovationen entstehen!

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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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