Durch Transformation volle Wirksamkeit von Lean und Industrie 4.0 erreichen

Rausch Nitsche

Lean ist Strategie, Ganzheitlichkeit und ständiges Verbessern – vielmehr als nur das Einführen von Methoden und einigen digitalen Prozessen. Erfahren Sie von Matthias Rausch und Dr.-Ing. Jens Nitsche von Yellow Birds Consulting GmbH & Co. KG in deren Gastbeitrag, wie Transformation die komplette Leistungskraft von Lean und Industrie 4.0 bewirken kann.

Dr.-Ing. Jens Nitsche berät seit Jahren Global Player und mittelständische Unternehmen in der Strategieentwicklung sowie in der Logistik. Nach seinem Studium in Maschinenbau und Promotion in Bestandsoptimierung, war er beim Fraunhofer IPA tätig und im Anschluss unter anderem in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie sowie in der Unternehmensberatung in verschiedenen Positionen tätig. Er ist Experte für den Schwerpunkt Strategisches Prozessmanagement, Industrie 4.0 und Innovationsmanagement.

Matthias Rausch verfügt über langjährige Führungserfahrung in den Bereichen IT und Organisation in den Branchen Spezialfahrzeuge, Konsumgüter, Elektronik, Elektrotechnik sowie Automobilindustrie. Freude an Veränderung und kundenorientierte Digitalisierung treiben ihn in mittelstandsfokussierten Projekten an. Er ist Experte für Digitalisierung, evolutionäre Unternehmensorganisation und Supply Chain Management.

Langt die Einführung von Schattenbrettern, 5S und einem täglichen Shopfloor Meeting, um lean zu werden? Wenn ein Unternehmen ein MES System einführt und einen Mensch-Roboter-Kollaborationsarbeitsplatz hat – ist es dann I4.0 ready oder schon ein digitaler Champion?

Und was passiert mit dem über Lean Mechanismen etablierten KANBAN Materialversorgungsprozess, wenn sich Behälter autonom mit Maschinen unterhalten, selbstoptimiert entscheiden und dem Materialfluss zu einer neuen ungeahnten Dynamik verhelfen? Passt das dann noch zusammen?

Lean und Industrie 4.0: Ein Blick hinter die Kulissen

Betrachten wir die Fokussierung von Lean und Industrie 4.0, so streben beide Ansätze die gleichen Ziele an – One piece flow, Reduzierung von Durchlauf- und Lieferzeiten, Reduzierung von Rüstzeiten und Qualitätssteigerungen, um nur einige zu nennen.

Beide wählen aber teilweise dramatisch andere Wege, um diese Ziele zu erreichen, mit dem entsprechenden Konfliktpotential.

Fakt ist, die Digitalisierung lässt sich nicht zurückdrehen oder außerhalb der eigenen unternehmerischen Mauern halten.

Yellow Birds Consulting GmbH & Co. KG

Während Lean durch vom Menschen erdacht getriebene Standardisierung und kontinuierliche Verbesserung den Weg zur Perfektion beschreitet, setzt Industrie 4.0 auf ein selbststeuerndes und optimierendes dynamisches System von Technologie. Die Entwicklung entsprechender künstlicher Intelligenzen erfolgt durch Technologieexperten, welche von den komplexen Anforderungen innerhalb einer Produktionsumgebung nur wenig verstehen. Vielmehr hat Lean bislang immer dazu motiviert, möglichst wenig IT in die Produktion zu bekommen, um Verschwendungszeiten in der Bedienung zu reduzieren, den Produktions- und Materialfluss organisatorisch zu steuern und gleichzeitig hochflexibel auf auftauchende Kundenanforderungen oder Störungen zu reagieren.

Lean Office

Lassen sich tatsächlich alle diese Varianten in einem Algorithmus berücksichtigen oder droht der digitale Super-GAU in der Produktion, wenn nichts mehr geht und keiner die Ursache innerhalb der Datenwelt findet?

Fakt ist, die Digitalisierung lässt sich nicht zurückdrehen oder außerhalb der eigenen unternehmerischen Mauern halten. Und dies macht auch keinen Sinn, denn dadurch verzichtet ein Unternehmen auf Chancen und Potenziale seine Ziele zu erreichen, den Kunden zufrieden zu stellen und langfristig erfolgreich zu sein.

Die Transformation muss in den Köpfen beginnen

Für eine Lösungsidee blicken wir zurück. Als Anfang der 90er Jahre die Lean Welle vom MIT getrieben nach Amerika und Europa schwappte, kam es

Ältere und Digitalisierung

nach dem anfänglichen Hype zu einer ersten Ernüchterung. Die ersten Unternehmen erkannten, dass Lean als Werkzeugkasten zwar manche Probleme bearbeitete, aber die Ergebnisse weit von den Erfahrungen bei Toyota entfernt blieben. Erst als Unternehmen begannen auch in den Köpfen die Transformation zu beginnen, Mitarbeitern nicht nur die Tools sondern auch das Mindset näher brachten, stellten sich weitere Erfolge ein.

Dennoch, anlässlich des Jubiläums des Lean Enterprise Institutes musste einer der Gründer Jim Womack in Bezug auf die Ergebnisse von Lean in Großunternehmen feststellen

„…The results were strikingly positive, but the organizational immune reaction was immediate and crushing. Little lasting was achieved…“

Zu stiefmütterlich geht die vom Taylorismus geprägten Unternehmenswelt mit den weichen Faktoren des Toyota Production Systems um – Mitarbeiterbeteiligung, -verantwortung und -zufriedenheit, sowie der Erweiterung des Lean Gedankens auch auf alle anderen unternehmerischen Prozesse. Nicht ohne Grund arbeiten New Work und Agile Methoden genau an diesen Themen.

DigitalisierungNun naht mit der Digitalisierung das nächste Ungemach. „Arbeit 4.0 ist Grundlage für Digitalisierung, nicht Ergebnis“, formuliert es Prof. Bauer vom Fraunhofer IAO im Rahmen der Eröffnung des Zukunftsprojektes Arbeitswelt 4.0 Ende September in Stuttgart. Und impliziert damit, dass sich Unternehmen eben mit dem Wandel in Organisationsstruktur, Führung und Prozessen beschäftigen müssen, wenn Sie in Zukunft erfolgreich sein wollen.

Das heißt im Gegenzug, Unternehmen, welche sich dieser Veränderung verschließen, werden aus Industrie 4.0 und Digitalisierung ebenso wie aus Lean in der Ausprägung Methodenkoffer nur einen Teil der Potentiale erschließen können. Ob das ausreichend ist, um die zukünftigen Anforderungen der Kunden in Bezug auf Qualität, Lieferbereitschaft und Individualität zu erfüllen, wird nur die Zeit zeigen, die Zeichen dafür stehen aber schlecht.

Dabei tut Wandel nicht weh. Von Geburt an sind wir alle Veränderung gewohnt und erst durch Schulzeit, Ausbildung und Berufswelt verlernen wir den richtigen Umgang damit. Kein Elternteil erlaubt seinem Kind nur einmal zu fallen, um Laufen zu lernen. Und wer hat nicht Sand im Mund gehabt, um zu prüfen ob er nicht doch schmeckt?

Hinterfragen Sie doch einmal andere Dinge – können ein Produktionsmitarbeiter, ein IT-ler und ein Einkäufer gemeinsam mit dem Produktentwickler interdisziplinär nicht tatsächlich einen besseren Produktionsprozess gestalten? Hat Führung nicht viel mehr Facetten und kann geteilt, temporär vergeben oder durch ein Team übernommen werden? Kann gute Kommunikation nur Face-to-face und zwischen Menschen stattfinden? Etwas, das man gelernt hat, lässt sich durch neue Erfahrungen auch wieder verlernen. Das menschliche Gehirn ist unglaublich leistungsfähig und willig, wenn das Neue mit Begeisterung vorgelebt und mit Freude erfahren werden kann. Die Möglichkeiten Mauern und Glaubenssätze einzureißen sind heute vielfältiger als je zu vor.

Drei digitale Köpfe, die Sie unbedingt kennen sollten

Der aktuelle Wandel lässt sich nicht aufhalten, er lässt sich in Unternehmen maximal verzögern, bis neue Generationen mit neuen Anforderungen und anderen Denkweisen Mehrheiten im Unternehmen haben. Vielmehr lässt er sich heute schon für die Zufriedenheit von allen Mitarbeitern und Kunden und damit für nachhaltigen Unternehmenserfolg einsetzen. Und das ist eines der zentralen Strategieziele jedes Unternehmens. So wie Lean seinen Weg zu uns gefunden hat, sollte es auch mit manch anderen Weisheiten gehen, denn schon alte taoistische Weisen wussten „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Segel.“

Also bauen Sie Segel, setzen Sie Kurs auf eine erfolgreiche Zukunft mit Lean und Digitalisierung und lassen Sie sich von unternehmerischen Werten leiten, dass Richtige zu tun – für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmer.

Lean und Industrie 4.0: Synergie oder Widerspruch?

Gehen Sie dieser Frage gemeinsam mit unseren Autoren bei dem Seminar Lean und Industrie 4.0 auf den Grund. Strategische Ansätze der Digitalisierung werden ebenso erläutert, wie die Unternehmensentwicklung 4.0 und Innovationsmanagement. Nutzen Sie die Veranstaltung, um den eigenen Weg hin zu Agilität und Resilienz in Ihren Projekten zu gehen.
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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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