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Digitalisierung? Wir werden wieder Zeit für uns haben

Digitalisierung? Wir Werden Wieder Zeit Für Uns Haben

Der Produktionsexperte und Vordenker für Digitalisierung Professor Dr. Andreas Syska sieht in der Digitalisierung vor allem eine Möglichkeit umzudenken. Lesen Sie in seinem Gastbeitrag ein paar innovative Vorschläge zu Arbeitszeit, Arbeitskraft und Ressourcen-Einsatz und lassen Sie sich von seinen Ideen inspirieren.

Die Faszination für Produktion begleitet Prof. Dr. Andreas Syska sein gesamtes Berufsleben. Nach seinem Maschinenbaustudium mit dem Schwerpunkt Fertigungstechnik an der RWTH Aachen war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Aachener Forschungsinstitut für Rationalisierung tätig. Nach seiner Promotion zum Dr.-Ing. ist er in die Industrie gewechselt – und zwar zur Robert Bosch GmbH. Danach ist er zurück in seine alte Heimat, das Rheinland und hat einen Ruf an die Hochschule Niederrhein nach Mönchengladbach angenommen. Dort vertritt er seitdem das Lehr- und Forschungsgebiet Produktionsmanagement und versucht, seinen Studenten sowie seinen Kooperationspartnern in der Industrie ein größtmögliches Stück dieser Faszination weiterzugeben.

Andreas Syska

Prof. Dr. Andreas Syska

Womöglich ist die Digitalisierung die größte Errungenschaft der Menschheit seit Erfindung der Schrift. Sie hat das Zeug dazu, Wegbereiter für die Erschaffung einer Gesellschaft zu sein, die wir uns immer erträumt haben. Wie kurz gesprungen und kleinmustrig kommen aber die Vorschläge daher, die sich darauf beschränken, die bisherige Art des Wirtschaftens zu beschleunigen. Der Digitalisierung wird man mit einem „Schneller, Höher, Weiter“ aber nicht gerecht.

Die Arbeit wird weniger – und das ist gut so!

Roboter mit virtuellem Interface vor grauem HintergrundSehen wir der Realität ins Auge: Digitalisierung ist ein Instrument zur Effizienzsteigerung. Und wo Effizienz gesteigert wird, reduziert sich der Bedarf an menschlicher Arbeit.

Wer dies ausspricht, darf mit heftigem Widerspruch rechnen. Dieser ist aber nicht sachlich begründet, sondern basiert auf Ideologie und Angst. Die dadurch ausgelösten Denkblockaden und Abwehrreaktion sind so heftig, dass man keine Geduld hat, diesen Menschen zu Ende zu hören. Stattdessen werden sie wahlweise als Botschafter des Untergangs oder als rückwärts gewandte Technikfeinde diskreditiert.

Das ist schade, denn so versäumen die Kritiker die Erkenntnis, dass das Reduzieren von Arbeit, genauer gesagt, von Erwerbsarbeit – das Beste ist, was uns passieren kann.

Stattdessen werden Statistiken bemüht, die nachweisen sollen, dass gerade dort, wo die Roboterdichte in der Industrie am höchsten ist, auch die Arbeitslosigkeit am niedrigsten ist und wirft damit Kausalität und Korrelation durcheinander. Würde dies stimmen, dann braucht es ja nur ein Gesetz, welches die Unternehmen verpflichtet, Roboter einzuführen und schon wäre sie weg, die Arbeitslosigkeit. Absurd, nicht wahr?

Richtig ist vielmehr folgendes: Digitalisierung, also Rationalisierung reduziert Kosten.

Professor Dr. Andreas Syska | Hochschule Niederrhein

 

Die freiwerdenden Mittel können in Innovationen gelenkt werden, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit verbessert, damit das Wachstum und damit die Nachfrage nach Arbeit fördert.

Wie schizophren ist das?

CyborgDiejenigen, die sagen, dass die Arbeit weniger wird, werden verdammt. Aber diejenigen, die versprechen, dass Digitalisierung Arbeit schafft, werden gefeiert – ausgerechnet in Zeiten des Fachkräftemangels. Mehr Arbeit – ist das nicht das letzte, was wir brauchen?

Die Angst vor dem Verlust an Arbeit hat zwei Ursachen: Zum einen ist es die Angst vor geringeren Steuereinnahmen und Sozialbeiträgen, zum anderen die Angst, dass die Menschen mit der gewonnenen Zeit nichts Vernünftiges anfangen können.

Fast 40 Prozent der Einnahmen der Öffentlichen Hand in Deutschland basieren auf der Besteuerung von Arbeit. Also kann nicht sein, was nicht sein darf. Ich plädiere dafür, ein anderes Steuersystem zu entwickeln – statt Arbeit (und Unternehmensgewinne) sollten Ressourcenverbrauch und Emission besteuert werden.

Die andere Aussage lautet, dass der Mensch beschäftigt werden müsse, da er mit seiner freien Zeit nichts anzufangen wisse. Vorsorglich wird er dann noch mit inhaltsleeren Push-Nachrichten und leicht zu konsumierenden Unterhaltungsbeiträgen versorgt, weil er nicht in der Lage ist, eigenständige Gedanken zu entwickeln. Mein Menschenbild ist dies nicht. Vielmehr nehme ich eine große Bereitschaft wahr, sich wieder der Familie zuzuwenden und sich für die Allgemeinheit zu engagieren. Verschaffen wir also den Menschen die hierfür nötige Zeit. 

Ausweg aus der Denkfalle

Digitalisierung Künstliche IntelligenzDie durch Digitalisierung geringer werdende Arbeitszeit muss auf alle Menschen, die arbeiten wollen, fair verteilt werden. Modelle wie das bedingungslose Grundeinkommen könnten sich als untauglich erweisen, weil sie mit dem Risiko verbunden sind, den Menschen ihre Würde zu nehmen.

Die Reduzierung der Arbeitszeiten erfolgt natürlich, ohne die Löhne zu senken. Und warum sollten Unternehmer dies tun? Weil sie keine andere Wahl haben. Roboter shoppen nun mal nicht. Die ganzen digitalen Blütenträume von neuen Geschäftsmodellen sind null und nichtig, wenn es keine Kaufkraft und keinen Konsum gibt.

Außerdem braucht es eine Neubewertung der Arbeit. Denn diese besteht nicht nur aus Erwerbsarbeit. Soziales, Ehrenamtliches, Kreatives und Familiäres sind ebenso hoch zu bewerten und brauchen die gleiche Anerkennung.

Die Zeit für einen Wechsel der Perspektive ist gekommen: Es ist gut, wenn Arbeit weniger wird und die Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung zwischen Unternehmen und Beschäftigten fair geteilt werden.

Digitale TransformationBefreien wir die Digitalisierung aus den Fabriken und Supply Chains und rücken sie in die Mitte der Gesellschaft. Denken wir die Digitalisierung von dort her: Erst, wenn wir die Frage beantwortet haben werden, wie wir zukünftig leben und arbeiten wollen, welchen Stellenwert Arbeit überhaupt für uns hat, geben wir der Digitalisierung ihren Sinn und einen Kompass.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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