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Digitalisierung von Montagearbeitsplätzen

Digitalisierung Von Montagearbeitsplätzen

Im Bereich digitaler Montagearbeitsplätze gehört die WS System GmbH zu den Vorreitern. Welcher enorme Nutzen sich durch Datenbrillen und kooperative Roboter ergibt und warum man Roboter für die unangenehmen Tätigkeiten benutzt, erzählt der Geschäftsführer in diesem Gastartikel.

Wassim Saeidi ist Geschäftsführer der WS System GmbH (früher: WS Kunststoff-Service GmbH). Er ist in Bremen aufgewachsen und hat seine schulische Laufbahn im Jahr 2007 mit dem Abitur abgeschlossen. Anschließend erfolgte ein Studium an der Universität Bremen im Fach Produktionstechnik. Schon während der Schulzeit begann er in der Qualitätssicherung eines Automobilzulieferers mitzuarbeiten und erkannte schnell Innovationsmöglichkeiten. Hieraus entstand Ende 2011 die Intention zur Gründung der WS Kunststoff-Service GmbH.

Verraten Sie uns, welche digitalen Hilfsmittel Sie bereits anwenden?

Unsere Palette an digitalen Hilfsmitteln ist vielschichtig. Das digitale Herzstück für sämtliche digitale Anwendungen ist unsere WS-Software-Plattform „IGO“. IGO steht für Intelligent Guide Operator. Hierüber erfolgt der Datenaustausch mit unseren digital vernetzten Montageplätzen, Anlagen und kollaborative Robots (Cobots). Verschiedene selbst entwickelte Apps übernehmen unter anderem Analyse- und Kontrollaufgaben in Echtzeit, informieren im Bedarfsfall Teamleiter oder fordern eigenständig interne Service-Techniker an.

Die Hände frei mit Datenbrillen

Sie nutzen auch Datenbrillen und Leichtbauroboter in der Produktion. Welchen Mehrwert bieten diese und wie werden sie eingesetzt?

DigitalisierungDie Kollegen tragen Datenbrillen bei der Montage von Türaußengriffen für Kleinwagen. Die Datenbrillen dienen den Werkern als eine Art Navigationssystem und führen sie sicher durch die einzelnen Schritte der Baugruppenmontage. Über Kameras und Sensoren wird der gesamte Produktionsprozess überwacht. Wenn ein falsches Bauteil eingesetzt wird, erhält der Werker unmittelbar einen Warnhinweis mit Korrekturaufforderung. Das umständliche Blättern in Dokumentationen und Handbüchern entfällt und die Werker haben für Ihre Tätigkeiten beide Hände frei. Dank der Datenbrille erzielen wir exzellente Qualitätswerte und können sowohl Laufwege, als auch Wartezeiten reduzieren. Denn bei Qualitätsfragen zum Bauteil kann der QM-Mitarbeiter mittels Remote-Funktion über die Kamera der Datenbrille das besagte Bauteil direkt an seinem Bildschirmarbeitsplatz sehen und sich über die Audiofunktion mit dem Werker verständigen.

Unangenehme Aufgaben? Ein Fall für die Roboter!

ProductionLeichtbauroboter (Cobots) übernehmen bei uns die unangenehmeren Aufgaben, oder solche, bei denen es auf absolute Genauigkeit und Reproduzierbarkeit ankommt. Dazu gehört beispielsweise das definierte Dosieren von Klebematerialien. Früher wurden zum Beispiel durch das manuelle Aufbringen zu großer oder zu geringer Mengen Klebstoff häufig Nacharbeiten erforderlich. Heute hat der Werker dank der kollaborativen Arbeitsplätze (Mensch & Cobot) mehr Zeit für seine anspruchsvollen Aufgaben. Die Cobots sind digital mit unserer WS-Software-Plattform „IGO“ vernetzt. Daher können sie eigenständig einen Logistiker oder bei einer Störung einen internen Service-Techniker anfordern. Dank Sensorik verrichten die Cobots ohne Schutzeinhausung die gemeinsamen Aufgaben mit dem Werker. Und dank einer Datenbank weiß der Cobot, ob der Kollege neben ihm Links- oder Rechtshänder ist und gibt die Bauteile passend an.

Sind da besondere Schulungen nötig und wie lange brauchten Ihre Mitarbeiter, bis Sie damit sicher umgehen konnten?

Die Bedienoberflächen wurden durch die Hersteller kontinuierlich verbessert und sind aktuell nahezu intuitiv bedienbar. Daher sind keine intensiven Schulungen erforderlich. Offenheit und geistige Beweglichkeit sind bei unseren Kolleginnen und Kollegen gerade im Hinblick auf neue Technologien überdurchschnittlich ausgeprägt. Sie begeistern sich schnell für neue Hilfsmittel und können diese in relativ kurzer Zeit sicher anwenden.

Keine Angst vor den elektronischen Helfern

Wie wurden diese neuen Helfer in Ihrem Unternehmen aufgenommen? Gab es Widerstand seitens der Belegschaft und wie sind Sie damit umgegangen?

Fotolia: 80990906Wir beziehen die Mitarbeiter aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen und Teams stets frühzeitig ein. Denn sie kennen ihre Prozesse natürlich am besten und können daher an Lösungen kompetent mitwirken. Das Voneinander-Lernen, das „über die Schulter schauen“ genießt bei uns einen hohen Stellenwert. Durch eine offene Kommunikation lassen sich zudem mögliche Widerstände bei der Einführung neuer Technologien am besten vermeiden. Natürlich sind Bedenken, dass die Technik zum Beispiel auch zur Verhaltenskontrolle eingesetzt werden kann, berechtigt. Es ist ebenfalls nachvollziehbar, dass Mitarbeiter fürchten, ihren Arbeitsplatz an den Kollegen Roboter zu verlieren. Deshalb bezieht unsere Unternehmensführung hierzu klar Stellung und baut durch einen vertrauensvollen Umgang eventuelle Sorgen und Ängste der Mitarbeiter ab.

„Industrie 4.0 ist aus unserer Sicht nur ein Zwischenhype.“

Welche weiteren Trends sehen Sie für die nächsten 10-20 Jahre? Was erwartet uns?

Industrie 4.0 ist aus unserer Sicht nur ein Zwischenhype. Bei Industrie 4.0 geht es in erster Linie um die Kompetenzentwicklung des Menschen, die Vernetzung der Arbeitsumgebung sowie die automatisierte Erfassung, Verarbeitung und Bereitstellung von Daten. Daten und künstliche Intelligenz nehmen dem Menschen beispielsweise Routineaufgaben ab und schaffen ihm neue Zeitkontingente für anspruchsvollere Tätigkeiten.

Ein deutlich größerer „Wurf“ wird zukünftig die Vermischung von realer und virtueller Welt, Augmented Reality (AR) oder gemischte Realität genannt, sein. Dank des „Internet der Dinge“, der umfangreichen Vernetzung von Menschen, Maschinen, Cobots und Produkten kann AR die reale Welt in Echtzeit um sinnvolle, virtuelle Informationen ergänzen. Mitarbeiter bekommen durch eine Datenbrille beispielsweise wichtige Informationen angezeigt, während sie für Ihre Tätigkeiten beide Hände frei haben. Sie müssen nicht mehr in einem Computer nachschauen oder fragen, ob die Schraube, die sie in der Hand haben, die richtige ist. Die Kamera der vernetzten Datenbrille erfasst die Schraube und die Software gibt dem Mitarbeiter sofort Rückmeldung. Das spart Zeit und Geld. Allein aus diesen beiden Aspekten werden sowohl produzierende Betriebe als auch Dienstleister „heiß“ auf AR sein.

Blicken Sie hinter die Kulissen bei WS System GmbH

Bei der Konferenz Production Systems erfahren Sie mehr über die Nutzung der Datenbrillen in der Produktion. Lassen Sie sich über die tollen Möglichkeiten informieren und lernen Sie, wie Roboter Sie bei Ihrer täglichen Arbeit in der Produktion unterstützen könnten. 
Rückblick Production Systems 2018

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Nutzen Sie den Rückblick zur Production Systems 2018 um sich auf die Herausforderung von Industrie 4.0 erfolgreich vorzubereiten und um sich und Ihren Mitarbeitern die Unsicherheit vor der Digitalisierung zu nehmen.
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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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