Überspringen zu Hauptinhalt

Digitalisierung der Versicherungen: Wie ist der aktuelle Stand?

Digitalisierung Der Versicherungen: Wie Ist Der Aktuelle Stand?

Jeder redet darüber, aber wenig passiert?! Bereits 2017 hat Versicherungs- und Digitalisierungs-Experte Frank Genheimer über den Status Quo der Lebensversicherungen geschrieben. Was hat sich seitdem getan? Wir haben ihn um ein Update gebeten.

Über den Autor:

Frank Genheimer ist Partner bei New Insurance Business, einer Gesellschaft für die strategische und taktische Beratung von Versicherungsunternehmen und deren Kooperationspartner.

Mit Stationen in der Produktentwicklung, dem Produktmanagement und dem Aktuariat in Deutschland sowie im europäischen Ausland hat er sich vom hybriden Aktuar zu einem Schweizer Taschenmesser der Lebensversicherung entwickelt. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Themen Innovationen, Digitalisierung und Produkte.

Frank Genheimer ist regelmäßig Referent und Moderator bei Events, Seminaren und Workshops in der Finanzdienstleistungsbranche.

Folgen Sie ihm auch auf Twitter, LinkedIn und Xing.

Frank Genheimer

Frank Genheimer

Digitalisierung der Versicherungen ist mehr als nur Automatisierung

In dem ersten Teil meiner Beitragsreihe im Jahr 2017 habe ich geschrieben: „Auch wenn vereinzelte Aktivitäten der Branchenteilnehmer bereits die mögliche Richtung aufzeigen, ist auf Gesamtsicht die Branche noch nicht vollends aktiv geworden. Die aktuell aufkommende InsurTech-Bewegung gibt der Branche neue Impulse.“

Ja, es gab und gibt diese Impulse, aber meinem Geschmack nach sind vor allem die Lebensversicherer noch viel zu unentschlossen und zögerlich. Vielleicht liegt das daran, dass sich bis heute der Irrglaube in der Versicherungsbranche hartnäckig hält, dass Digitalisierung einfach nur ein weiteres Problem ist, dass die Branche stur und im Arbeitsmodus der Vergangenheit „abarbeiten“ kann. Zudem geistert weit verbreitet die Meinung umher, dass Digitalisierung bei einem Lebensversicherer im Wesentlichen nur eine Automatisierung von Prozessen bedeutet.

Doch weit gefehlt. Bei der Digitalisierung in der Lebensversicherung geht es auch um neue Produkte, eine bessere Kommunikation und letztlich eine ganzheitliche Beratung und Sicht auf die Finanzen des Kunden.

InsurTech-Bewegung hat sich gewandelt und ist erwachsen geworden

Die Technologisierung der Versicherungsbranche kommt in immer größeren Wellen über die Branche. Vor ein paar Jahren waren es noch eine Handvoll Startups, die mit ihren Apps als „digitale Versicherungsmanager“ den Markt aufmischen wollten. Ziel war es, die Schnittstelle zwischen Versicherer und Endkunden neu zu erfinden.

Heute sind es eine Heerschar an Startups und zahlreiche neugegründete Versicherer. Die sichtlich gereiften und nun auch finanziell sehr gut ausgestatteten InsurTechs erhöhen die Schlagzahl. Einige der ehemals kleinen Startups sind erwachsen geworden: Seit letztem Dezember hat Deutschland mit WeFox sein erstes InsurTech-Unicorn. Mit Unicorn oder auch Einhorn wird ein junges Unternehmen bezeichnet, welches mit einem Marktwert von über einer Milliarde gehandelt wird. Dafür, dass WeFox erst im Jahr 2015 gegründet wurde, eine beachtliche Leistung.

Und die Reise bei WeFox scheint gerade erst begonnen zu haben. WeFox-CEO Julian Teicke hat sein Ziel klar formuliert: „Unser langfristiges Ziel ist es, die größte Versicherungsgesellschaft der Welt zu werden.“

Zudem interessieren sich auch immer mehr branchenfremde Unternehmen für die Versicherungsbranche und deren Endkunden. Eine neue Welle rollt bereits auf die Branche zu und dabei geht es um Ökosysteme.

Rückblick Zukunft Versicherung 2018

Wie sieht die Zukunft der Versicherungen aus?

Künstliche Intelligenzen, Bots und Automatisierung haben das Potenzial, die Versicherungsbranche grundlegend zu verändern. Wie Sie sich für die Zukunft rüsten, lesen Sie in diesem Whitepaper.
Jetzt herunterladen!

Ökosysteme – mehr als nur ein aktueller Hype

Ein Ökosystem verstehe ich als Kooperation verschiedener Unternehmen aus verschiedenen Bereichen. Dieses Kooperationsnetzwerk hat die Absicht und den Zweck zu einem bestimmten Thema den Endkunden vollumfänglich zu bedienen. Es geht bei einem Ökosystem letztlich um Einfachheit und Bequemlichkeit für den Menschen. In einem Ökosystem hat natürlich auch ein Versicherer einen Platz.

Vor allem vier Ökosysteme rücken für Versicherer besonders in den Fokus: Haus & Heim, Mobilität, Gesundheit und Finanzen. Für einen Lebensversicherer ist vor allem das Ökosystem Finanzen von großem Interesse.

Rund um das Thema Finanzen gibt es für einen Menschen zahlreiche ineinandergreifende Themen. Es geht dabei um Altersvorsorge, Finanzierung einer Immobilie, kurzfristige Liquidität für alltägliche Dinge und Anschaffungen und generell auch um Versicherungen, die das Hab und Gut schützen sollen.

Das Gesicht zu dem Kunden (neudeutsch auch „front end“ genannt) wird in dem Ökosystem Finanzen ein Finanz-Cockpit sein. Mit einem solchen Cockpit kann jeder Mensch seine aktuelle finanzielle Situation jederzeit „schwarz auf weiß“ und auf einen Blick erfassen. Er wird damit auch in die Lage versetzt, seine persönlichen Finanzen zu managen – entweder selbst oder mit Hilfe einer Beratung.

Ein solches Finanz-Cockpit wird das Ende des finanziellen Blindflugs eines Menschen sein. Und ganz nebenbei, quasi als Nebenprodukt, werden die Finanzdienstleistungen „Versicherung“ und „Banking“ sich auf natürliche Art und Weise vereinigen.

Zu dem bereits genannten InsurTech WeFox gehört das Versicherungsunternehmen „One Insurance“. Ich hatte in meinem Vodcast Insurance in Motion das Vergnügen mit dem Vorstandsvorsitzenden Oliver Lang ein Interview der besonderen Art zu führen. Dabei ging es natürlich auch um Ökosysteme:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=XPbgs02htKY&feature=youtu.be

Kooperationen sind der Wegbereiter auch für Versicherungen

Bei einem Ökosystem geht es um Kooperationen. Aus der einfachen Wertschöpfungskette wird ein Wertschöpfungsnetzwerk – auch Ökosystem genannt.

Während die meisten Versicherer noch damit ihre Zeit verbringen ihre einfache Wertschöpfungskette an der vierten Nachkommastelle zu optimieren, sind Banken bereits ein paar Schritte weiter. Sie kooperieren mit den Startups, die sich im Bankenbereich tummeln (sogenannte FinTechs), um zusammen etwas Größeres und Besseres zu erschaffen.

Für einen Lebensversicherer gilt es jetzt, Teil von Wertschöpfungsnetzwerken zu werden und/oder solche selbst aufzubauen. Grundvoraussetzung ist in jedem Fall die Digitalisierung. In Ökosystemen ist es essenziell, dass die einzelnen Kooperationspartner über automatisierte Schnittstellen (Stichwort „API“) untereinander und mit dem Endkunden vernetzt sind.

Digitalisierung der Versicherungen – eine Lösung und nicht ein weiteres Problem

Leider sind mit Niedrigzins, Regulation und die ein oder andere Fehlbarkeit der Branche auch ein paar Probleme in das Paradies gebracht worden. Früher gehörte eine Lebensversicherung einfach zum Leben dazu. Vielleicht etwa so wie in den 80er Jahren Lametta an einen Weihnachtsbaum.

Heute ist die Versicherungsbranche nicht mehr im Leben eines Menschen verankert. Kundenkontakt? Ja schon, aber nur bei Abschluss, Ablauf oder unschönen Ereignissen dazwischen. Kundenbindung funktioniert heute anders.

Zudem offenbaren sich weitere Defizite, wie etwa bei der IT-Infrastruktur. Schnelle und automatische Schadenfallabwicklung und agile Produktentwicklung sind eher böhmische Dörfer. Und auch bei der Verwaltung der Verträge gelten die meisten Versicherer eher als ineffizient und zu teuer.

Digitalisierung ist nicht ein weiteres Problem, welches sich zu den anderen hinzugesellt. Aus meiner Sicht kann Digitalisierung bei vielen der aktuellen und hausgemachten Probleme konkret helfen:

  • einfacher (digitaler) Abschlussprozess
  • effiziente Verwaltung der Verträge
  • schnelle, individuelle und marktgetriebene Produktentwicklung
  • über Social Media und Smartphone nah bei den Menschen sein
  • den Vertrieben modernes Handwerkszeug an die Hand geben

Es geht darum, mit neuen Produkt- und Serviceangeboten und mit Technologie den Vermittler in die Lage zu versetzen, schneller, effizienter und besser den Kunden zu beraten.

Schnelle und flexible Produktentwicklung als Ausgangspunkt

Wenn nicht das Coronavirus, dann wird die drohende Garantiezinssenkung die Lebensversicherer für die nächste Zeit lahmlegen. Produktentwicklungszyklen von mehr als einem Jahr sind in der heutigen Zeit nicht mehr hinnehmbar. Und am Ende dieses langen Produktentwicklungsprozesses steht dann ein Produkt bereit, welches für alle Kunden gleichzeitig passen soll? Produktentwicklung funktioniert so nicht mehr.

Flexible Produktentwicklung in der Versicherungsbranche

Wie Produktentwicklung in der Versicherungsbranche schnell, flexibel und digital sein kann, lernen Sie im Seminar „Digital Insurance“. Erfahren Sie zudem mehr über die wichtigen Themen künstliche Intelligenz und Innovationsmanagement.

Silke Ritter

Wie werden wir künftig leben und arbeiten? Dieser Frage gehe ich hier im Blog nach. Seit 2012 gehöre ich zum Management Circle-Team, zuvor habe ich nach meinem Germanistik-Studium in der PR-Branche gearbeitet. Als Teil der #GenerationY weiß ich nicht nur um die Wichtigkeit von Hashtags und gutem Content, sondern wünsche mir mehr Mut in Unternehmen für die Digitalisierung. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Themenvorschläge!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen

Künstliche Intelligenz: Mythen, Daten & Fakten

Welche KI-Mythen sind wahr? Lernen Sie beim Lesen oder Filmeschauen die neusten Debatten zur Künstlichen Intelligenz kennen und erweitern Sie Ihren Horizont!

Jetzt mehr erfahren!

Download: KI kann auch unterhaltsam sein!