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Digitalisierung und Patentschutz – Herausforderungen erfolgreich meistern

Digitalisierung Und Patentschutz – Herausforderungen Erfolgreich Meistern

Die Digitalisierung ist Herausforderung und Chance zu gleich – das gilt insbesondere auch im IP-Bereich und für den Patentschutz. Zwar ist der Schutz für digitale Innovationen meist schwerer zu erwerben, als für «klassische» Produkte, dafür bietet neue digitale Lösungen und Tools aber Unterstützung, zum Beispiel beim Patentmonitoring.

Wie ein Großunternehmen wie thyssenkrupp diese Herausforderungen meistert, darüber haben wir mit Dr. Jan Schule gesprochen.

Dr. Jan Schulze hat nach seinem Studium der Physik in experimenteller Teilchenphysik an der Ruhr-Universität Bochum mit Forschungsaufenthalten in Beijing, China, sowie Honolulu, USA, promoviert. Seit 2012 hat er die zentrale IP-Abteilung bei thyssenkrupp mit aufgebaut und ist dort heute Head of IP Strategy / IP Research in der thyssenkrupp Intellectual Property GmbH in Essen.

Dr. Jan Schulze

Dr. Jan Schulze

Das verändert sich durch die Digitalisierung beim Patentschutz

Welchen Einfluss hat die digitale Transformation auf die Welt der Schutzrechte?

Der Einfluss wird in den kommenden Jahren gewaltig sein! Hierbei kann man die einzelnen Themen in zwei verschiedene Themenbereiche aufteilen: einen aktiven sowie einen passiven Bereich.

Zum einen geht es auf der aktiven Seite darum, auch für digitale Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle patentrechtlichen Schutz zu erwerben. Stand heute ist es patentrechtlich tendenziell schwieriger für ein digitales Produkt Schutz zu erwerben als für ein klassisches, landläufig als «technisch» verstandenes Produkt.

Als passiver Teilnehmer, also als «Digitalisierungskonsument», bringt die Digitalisierung durch größere Rechenpower, höhere Datentransparenz und neuartige Methoden innovative Tools hervor, die die Arbeit im IP-Bereich unterstützen und damit die Effizienz erhöhen werden – insbesondere bei datenreichen Prozessen mit hohem Routineanteil.

Die Schwierigkeiten beim Schutz von digitalen Innovationen

Was sind die größten Herausforderungen in dieser Hinsicht?

Auf der Seite der Schutzrechtsgenerierung ist eine große Herausforderung, dass häufig erfinderische Lösungen im Bereich der Digitalisierung nicht als Erfindungen eingeschätzt werden, obwohl auch dort Schutz erwirkt werden könnte. Hier kommt es auf eine nahtlose Integration der IP-Abteilung an, um über Abteilungsgrenzen hinweg effektiv zusammenzuarbeiten. Auch wir haben uns auf den Weg gemacht, unsere potenziellen Erfinder über die Möglichkeiten zu informieren, wie unsere digitalen Innovationen geschützt werden können. Hier stehen gemeinsame Workshops im Vordergrund, um die Hemmungen und mögliche Misskonzeptionen aufzulösen und unsere Erfinderschaft zu motivieren, auch für die digitalen Lösungen des Unternehmens Erfindungsmeldungen einzureichen.

Insbesondere im Mittelstand ist in Patentabteilungen der historische Erfahrungsschatz an Digitalisierungsthemen oftmals gering, da nur selten die Personalstärke existiert, um einen dedizierten Patentexperten für Digitalisierungsthemen zu beschäftigen, so dass externe Expertise in Anspruch genommen wird. Diese Patentexperten sind aber nicht nur zur Schutzrechtserstellung, sondern auch zur Risikobeurteilung bei digitalen Innovationen dringend notwendig. Denn die technische Domäne, innerhalb derer Risiken bewertet werden muss, ist deutlich größer, fachlich fremder und diverser sowie durch die digital native companies aggressiver. Zu diesen Firmen, die seit jeher digitale Leistungen entwickeln und auch patentieren, kommt noch die besondere Spezies der «Patent-Trolle» hinzu, die sich insbesondere im IT-Sektor tummelt und dort bereits signifikante IP-Portfolios ihr Eigen nennt, aus denen heraus die Patent-Trolle andere Firmen angehen.

Künstliche Intelligenz - Technologien und Tipps (Teil 3)

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Wie Künstliche Intelligenz beim Patentschutz unterstützen kann

Dann ist da noch das mittlerweile zum Buzzword gewordene Thema der Künstlichen Intelligenz. Wir setzen in diesem Zusammenhang Methoden des maschinellen Lernens ein, die eine sogenannte «schwache KI» hervorbringen, die in hochspezialisierten Anwendungsfällen unterstützt. Hier kommt es darauf an, sich von den Entwicklungen am Markt nicht überholen zu lassen, sondern sie aktiv mitzugestalten, was auch dem Leiter unserer Patentabteilung, Dr. Stephan Wolke, ein großes Anliegen ist. Wir werden die Trends nämlich nur dann hautnah miterleben und das Knowhow intern entwickeln, wenn wir uns auch selbst an der Entwicklung beteiligen. Deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht, unseren Prozess des Patentmonitorings mit maschinellem Lernen zu optimieren.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Unternehmen gemacht?

Patentmonitoring ist wegen teils umständlicher Software-Workflows sowie der hohen Anzahl von irrelevanten Treffern, die mit klassischen Tools oft nicht verhindert werden können, häufig bei technischen Experten unbeliebt. Wollen wir Patentmonitoring zu einer positiveren Aufgabe machen, müssen wir den Aufwand mittels automatisierter Relevanzeinschätzung sowie Technologie-/Produktgruppenallokation reduzieren und die Bedienung vereinfachen. Hier können uns trainierte neuronale Netze effizienter machen und den technischen Experten den Rücken für andere Aufgaben freihalten. Zudem werden Risiken verringert, indem die Mengen von Veröffentlichungen überhaupt erst beherrsch- und somit bewertbar gemacht werden. Dass wir die Methoden dabei konzernintern entwickeln, hilft uns dabei, den Prozess im Detail zu verstehen und auch das Potenzial für weitere Anwendungen abschätzen zu können.

… und was sind Ihre Ziele?

Höhere Effizienz bei unseren technischen Experten in den Geschäftseinheiten bei gleichzeitig reduziertem Risiko durch ein einfach zu nutzendes, hochautomatisiertes Tool – und als Kollateraleffekt für die Organisation das Gewinnen an Erfahrung, was maschinelles Lernen für den IP-Sektor tun kann. Und schlussendlich: Wenn hiermit wirklich ein Tool entsteht, das die IP-Arbeit vereinfacht, wieso sollten wir es dann nicht auch anderen Unternehmen zugänglich machen?

IP und Digitalisierung

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Silke Ritter

Wie werden wir künftig leben und arbeiten? Dieser Frage gehe ich hier im Blog nach. Seit 2012 gehöre ich zum Management Circle-Team, zuvor habe ich nach meinem Germanistik-Studium in der PR-Branche gearbeitet. Als Teil der #GenerationY weiß ich nicht nur um die Wichtigkeit von Hashtags und gutem Content, sondern wünsche mir mehr Mut in Unternehmen für die Digitalisierung. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Themenvorschläge!

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