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Digitalisierung in der Lebensversicherung – Warten auf Godot? [Teil 1]

Digitalisierung In Der Lebensversicherung – Warten Auf Godot? [Teil 1]

Die Versicherungsbranche befindet sich in einem Veränderungsprozess und bereits heute ist absehbar, dass dieser Wandel alle bisherigen Veränderungen in der Branche in den Schatten stellen wird. Es wird eine grundlegende Veränderung sein, welche die Branche endlich ins nächste Level bringen wird. Ein Blick in andere Branchen (zum Beispiel Technologie, Medien/Entertainment und Tourismus) lässt uns erahnen, wie massiv diese Transformation sein wird.

Auch wenn vereinzelte Aktivitäten der Branchenteilnehmer bereits die mögliche Richtung aufzeigen, ist auf Gesamtsicht die Versicherungsbranche noch nicht vollends aktiv geworden. Die aktuell aufkommende InsurTech-Bewegung gibt der Branche neue Impulse. Ein Startup kann für ein Unternehmen nicht nur Mitbewerber, sondern auch Kooperationspartner und valides Hilfsmittel sein, um Innovation, Digitalisierung und eine höhere Kundenzufriedenheit zu erreichen. In dieser Funktion kann ein InsurTech letztlich auch bei der Schärfung des eigenen Geschäftsmodells helfen.

Frank Genheimer ist Partner bei New Insurance Business, einer Gesellschaft für die strategische und taktische Beratung von Versicherungsunternehmen und deren Kooperationspartnern.

Mit Stationen in der Produktentwicklung, dem Produktmanagement und dem Aktuariat in Deutschland sowie im europäischen Ausland hat er sich zum hybriden Aktuar und einem Schweizer Taschenmesser der Lebensversicherung entwickelt. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Themen „Innovationen & Digitalisierung” sowie „Neugeschäftsstrategie”, „Produkte” und „Kooperations­management”.

Frank Genheimer

Frank Genheimer

Sein oder Nichtsein

Die richtige Einbindung der InsurTech-Bewegung und die Adaption ihres Pioniergeistes werden bestimmen, ob es für ein einzelnes Unternehmen eine Evolution, eine Revolution oder sogar eine Disruption sein wird. Neben den vielen technischen Herausforderungen und Fragestellungen, welche die digitale Transformation mit sich bringt, wartet eine weitere, mindestens genau so große Herausforderung auf Unternehmen: Es gilt mit alten Regeln, Gewohnheiten und Bräuchen zu brechen.

Die anstehende Transformation wird damit auch eine mentale Transformation, deren Gelingen letztlich für ein einzelnes Unternehmen über „Sein oder Nichtsein“ entscheiden wird. Der Grundgedanke und der Versicherungsbedarf werden bestehen bleiben, dies gilt jedoch nicht zwingend für jedes Unternehmern und die derzeitige Praxis.

Die Lage der Nation

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist für fast alle Menschen zentral. Lebensversicherungsunternehmen haben das Gefühl von Sicherheit über Jahrzehnte vermittelt und sind eigentlich ein Lebensbegleiter. Die private Altersvorsorge wird immer wichtiger – nicht zuletzt wegen der steigenden Lebenserwartung und der Reduktion der staatlichen Altersvorsorge. Viel Geld liegt aber derzeit auf Sparkonten und erwirtschaftet null Prozent Zinsen. Das kann die Branche eigentlich besser. Potenzielle Steueranreize und Alleinstellungsmerkmale ergänzen die Vorteile einer Lebensversicherung. Alles in allem eigentlich eine perfekte Ausgangssituation, oder etwa nicht?

 

Die Probleme und Herausforderungen der Branche

Der Status Quo beinhaltet leider auch einige „Probleme“, die das Leben der Unternehmen ein wenig schwer machen. Die Branche muss sich auf mehreren Ebenen mit verschiedenen Herausforderungen auseinandersetzen.

Auf Makroebene fordern der fortschreitende Individualismus der Kunden und das Niedrigzinsumfeld in Kombination mit höheren Regulierungen die Unternehmen. Kunden gewöhnen sich an eine digitale Erfahrung, die von Unternehmen wie Apple, Amazon und Co. geboten wird. Das gleiche wird auch von einem Versicherer erwartet.

Auf Unternehmensebene stellen Themen wie Kapitaleffizienz, Fokussierung auf das Risikomanagement, komplexe Prozesse und ein teurer Verwaltungsapparat ein großes Innovationshindernis dar. Eine Digitalisierung und Individualisierung des Angebots ist in dieser Konstellation oft schwierig zu erreichen.

Auf Mikroebene erschweren die Komplexität moderner Produkte und deren umfassende Dokumentation den Verkaufsprozess – ein weiterer Umstand, der für (mehr) Neugeschäft nicht gerade förderlich ist.

Und dann kommt auch noch die InsurTech-Bewegung

Mit den sich gerade formierenden „voll-digitalen“ Versicherern ist bereits die dritte Welle der InsurTech-Bewegung am Rollen. Dennoch ist – verglichen mit dem Potential – die InsurTech-Bewegung noch immer eher ein zartes Pflänzchen. InsurTech steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber bald schon groß werden.

Technologie ist sicherlich nicht der Allheilsbringer. Sie wird aber wesentlich dazu beitragen, einige der gegenwärtigen Probleme eines Lebensversicherers zu lösen. Die Tech-Bewegung ist daher weniger ein neuer Konkurrent oder ein regulatorisches Thema, welches einfach umgesetzt werden muss, sondern vielmehr ein willkommener und hilfsbereiter neuer Freund!

Lebensversicherer suchen nach dem Masterplan

UrknallDie Historie der Lebensversicherer ist seit dem „Urknall“, der Deregulierung im Jahre 1994, von verschiedenen, sich ablösenden Kultur-Epochen geprägt: Vertriebskultur, Produktkultur und Risikokultur, wobei nicht alle Unternehmen zwingend alle Epochen (bereits) durchlaufen haben. Die unterschiedlichen Epochen haben aber gemeinsam, dass sie von einer gewissen Eindimensionalität geprägt sind. Eindimensionalität liefert in dem heutigen, von mannigfaltigen Themen getriebenen Umfeld keine zufriedenstellenden Lösungen. Einzelne Maßnahmen in unterschiedlichen Bereichen, wie etwa ein neues Produktfeature hier oder eine App dort, greifen einfach zu kurz. Die gegenwärtige Situation erfordert einen ganzheitlichen Ansatz und bei der Umsetzung auch ein „trial & error“. Es gibt keinen globalen Masterplan, der allen Unternehmen als Blaupause dient. Ausgangspunkt für ein Unternehmen ist immer eine ganzheitliche und individuell erarbeitete Strategie, aus der sich alle Aktivitäten ableiten.

Im zweiten Teil seines Gastbeitrages, der nächste Woche veröffentlicht wird, schildert Frank Genheimer Ansätze, wie die Lebensversicherung sich erfolgreich transformieren und Schritt mit den neuen Mitbewerbern halten kann.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Ich denke ebenso wie Sie, dass sich die Versicherungsbranche in einem Wandel befindet. Dabei spielt sicherlich auch die Digitalisierung eine Rolle. Die Form und der Gestalt der Lebensversicherung beispielsweise, kann und wird sich sicherlich noch ändern. Vielen Dank!

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