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Digitalisierung der Energiewirtschaft: Keine Aufbruchstimmung bei deutschen Versorgern

Digitalisierung Der Energiewirtschaft: Keine Aufbruchstimmung Bei Deutschen Versorgern

Wie für jede Branche hat auch in der Energiewirtschaft die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens eine immer größere Bedeutung. Mit der Digitalisierung enstehen einerseits neue Anforderungen und Erwartungshaltungen von Kunden, die selbst einen digitalisierten Lebensstil pflegen und als Prosumer eine neue Rolle einnehmen. Andererseits sind heute Daten die Basis für zukunftsfähige Geschäftsmodelle. Sie machen Branchenfremden den Einstieg in neue Märkte möglich, wodurch die Position der alten Unternehmen im Markt angegriffen wird. Können sich Energieunternehmen entsprechend aufstellen, um der neuen Marktsituation zu begegnen?

Mangelnde Innovationsfähigkeit bei den Energieversorgern?

Wenn man sich Studien zu dem Thema anschaut, könnte man auf diese Idee kommen. So heißt es bei KPMG beispielsweise, dass sich die Energieunternehmen zwar im strategischen Bereich intensiv mit ihrer Innovationsfähigkeit auseinandersetzen. Allerdings gebe es Hemmnisse, die verhindern, dass das Innovationsmanagement in einen kontinuierlichen Prozess überführt werden kann. Diese sehen die Wirtschaftsprüfer vor allem in den internen Prozessen und Strukturen der Unternehmen – weniger im fehlenden Know-how oder Kapital. Auch in einer Expertenbefragung der IT-Beratung Q_PERIOR werden die organisatorischen Strukturen und kulturelle Beharrungskräfte im Unternehmen zu den größten Herausforderungen gezählt.

Bild: Hand hält leuchtende Glühbirne

Auf einem Sektor wie der Energiewirtschaft ist Innovation sicher nicht einfach. Die meisten Innovationen heute sind Datengetrieben. Das heißt, zunächst müssen Daten gewonnen werden, zum Beispiel über das Netz, Devices wie Smart Meter oder intelligente Elektrogeräte, in den Erzeugungsanlagen oder bei externen Quellen wie Wetterdaten. Aus diesen müssen dann die Möglichkeiten und Grenzen einer gewinnbringenden Nutzung identifiziert werden. Mit wem kann man kooperieren? Sind die Daten sicher und entsprechen dem Datenschutzrecht? Was für Geschäftsmodelle lassen sich daraus machen und was für eine IT-Infrastruktur braucht man dafür? Fragen über Fragen, die sich nur in einem innovationsfähigen Unternehmen beantworten lassen.

 

Laufen Energieversorger Gefahr, dem digitalen Darwinismus zum Opfer zu fallen?

Der Energiemarkt ist dynamisch und komplex – vor allem, da sich Energiewende und digitale Transformation gegenseitig verstärken. Agil und innovationsfähig zu bleiben ist damit ein Muss. Und das ist gerade für große Unternehmen eine Herausforderung. Das ist kein deutsches Phänomen, sondern weltweit sind große traditionelle Unternehmen schlecht aufgestellt, um dem digitalen Darwinismus zu begegnen.

Digitaler Darwinismus

„Adapt or Die!“ ist die Devise des digitalen Darwinismus. Nur, wer es schafft, schnell auf technologische Veränderungen zu reagieren und sein Geschäftsmodell anzupassen, kann im digitalisierten Marktumfeld bestehen. Technologie-Pionier und Autor Karl-Heinz Land prägte den Begriff mit seinem Buch „Digitaler Darwinismus – Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke“ und beschrieb, mit welchen Maßnahmen Unternehmen eine Überlebensstrategie entwickeln können.

Karl-Heinz Land spricht unter anderem auf unserer Konferenz „Die digitale Zukunft der Energiewirtschaft“ über das Phänomen, das die Rahmenbedingungen unserer Wirtschaft auf den Kopf stellt.

In der BET-Studie „Innovationsfähigkeit von Energieversorgungsunternehmen“ kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Innovationskultur der EVU im Durchschnitt eher durchwachsen ist.

Auf der einen Seite wird häufig attestiert, dass Top-Management und Führungskräfte das Innovationsmanagement unterstützen und eine offene Kommunikationskultur fördern. In den meisten Unternehmen werden Fachleute bereichsübergreifend eingesetzt und Projekte dienen auch der Erprobung innovativer Ideen.

Andererseits herrscht keine „Atmosphäre des Aufbruchs“, die eine gemeinsame Mission suggeriert. Es gibt in den meisten Unternehmen kein systematisches Innovationsmanagement, kein regelmäßiges Feedback für einzelne Mitarbeiter und es werde eher in Risiken als in Chancen gedacht.

Querdenken

Merkmale einer innovativen Unternehmenskultur

Gerade die mangelnde Aufbruchstimmung ist ein großes Problem für eine Innovationskultur. Denn, wenn sich die Mitarbeiter nicht als Teil einer solchen Mission begreifen, entsteht kein Umfeld, in dem Ideen es an den richtigen Ort im Unternehmen schaffen. Der Punkt ist: alle Mitarbeiter haben Ideen – nur betreffen diese oft nicht ihre eigenen Abteilungen oder Fachbereiche. Es muss deshalb Möglichkeiten geben, dieses Potenzial zu kanalisieren, so dass es nicht im Grundrauschen der Unternehmenskommunikation untergeht, sondern in einen systematischen Innovationsprozess einfließt.

Die Voraussetzungen einer innovativen Unternehmenskultur haben wir am Beispiel von Nokia bereits untersucht. In einer Artikelserie zeigen wir, welche Gründe es haben kann,  dass ein Marktführer von branchenfremden Quereinsteigern überholt wird, und analysieren am Beispiel von Apple, was eine „missionarische“ Innovationskultur ausmacht.

Als Grundvoraussetzungen einer solchen Unternehmenskultur identifizierten wir drei konkrete Aspekte:

  • Ein ausreichendes Budget an Zeit und Geld sollte für Innovation zur Verfügung stehen.
  • Alle Mitarbeiter müssen ins Boot und müssen motiviert werden kreativ zu sein und sich auszutauschen. Dazu bedarf es einer visionären Führung, die die gemeinsame Mission den Mitarbeitern immer wieder bewusst macht.
  • Es braucht definierte Prozesse, die es möglich machen, dass Ideen in eine systematische Planung und Steuerung von Innovationen fließen können. Diese müssen alle Phasen des Innovationsprozesses abbilden.
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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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