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Digitalisierung ist vor allem eines: Eine menschliche Veränderung

Interview Sebastian Purps-Pardigol

Welche Anreize und Rahmenbedingungen brauchen Menschen, um sich im Rahmen der digitalen Transformation nicht zu verlieren und wie werden Sie als Vorgesetzter Ihrer Vorbildfunktion gerecht? Der Vordenker Sebastian Purps-Pardigol gibt jetzt seine Ideen an Sie weiter.

Sebastian Purps-Pardigol ist zertifizierter Coach & Facilitator (NLP Master, Systemischer Coach, Hypno-Coach, Systemische Aufstellungsarbeit & Organisationsentwicklung). Er publizierte zu den Themen Hirnforschung, Führung & Kulturwandel (Süddeutsche Zeitung, Human Resources Manager, HR Today Schweiz). Er hat im September 2015 den Wirtschaftsbestseller „Führen mit Hirn“ im Campus Verlag veröffentlicht, der inzwischen in den USA erschienen ist und Ende 2017 in China publiziert wird.

Durch die Freundschaft mit dem Göttinger Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther begann Sebastian Purps-Pardigol, erfolgreich die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung mit dem Wissen des Managementtrainings zu kombinieren. Gemeinsam gründeten beide im Jahr 2010 die Non-Profit Initiative „Kulturwandel in Unternehmen und Organisationen“.

Digitale Transformation geht mit Führung in einer Hand

Was ist für Sie wichtig, damit eine digitale Transformation gelingt?

Künstliche IntelligenzEs ist wichtig zu verstehen, dass es sich im Grunde nicht um eine technische, sondern vielmehr um eine menschliche Veränderung handelt. Die neuen technischen Möglichkeiten treiben diesen Prozess zwar voran, doch im Grunde handelt es sich um eine kulturelle Transformation, die stattfindet: Um die Herausforderungen der neuen Zeit meistern zu können, muss sich die Zusammenarbeit der Menschen in den Unternehmen grundsätzlich verändern. Führungskräfte müssen Mitarbeitenden viel mehr auf Augenhöhe begegnen, sie müssen diese Menschen in einem hohen Maß an der Zukunft der Unternehmens mitgestalten lassen und ihre eigene Haltung zum Thema Führung verändern. Das ist die Essenz meiner Forschung, in der ich drei Dutzend Unternehmen analysiert habe, die die eigene digitale Transformation gut meistern.

Veränderung als Gefahr: Kommunikation hilft

Welche Erkenntnisse aus der modernen Hirnforschung können wir dazu nutzen?

Die Biologie des GeistesblitzesDas menschliche Gehirn neigt zur neuronalen Übererregung, wenn der Mensch eine echte oder vermeintliche Gefahr wahrnimmt. Und die Veränderungen außerhalb und innerhalb von Unternehmern, die wir heutzutage wahrnehmen, können von vielen Mitarbeitenden als Gefahr interpretiert werden. Mitarbeitende, die jedoch in einer neuronalen Übererregung agieren, haben nur limitierten Zugriff auf die in ihnen liegenden Potenziale. Das ist eine ungünstige Situation, wenn ich in meiner Firma nur auf einen Bruchteil der geistigen Kompetenz meiner Mitarbeitenden zugreifen kann. Was kann da helfen? Beispielsweise, dass sehr oft und sehr viel über die digitale Transformation kommuniziert wird – selbst, wenn es nicht allzu viel Neues zu berichten gibt. Nicht zu kommunizieren und zu glauben „Das Bisschen Unsicherheit müssen die Mitarbeiter aushalten können“ ist die ungünstigste Wahl – denn dann entsteht Flurfunk und Kopfkino. In Phasen des Wandels verbinden Menschen leider die wenigen Informationen, die sie haben, auf die höchst pathologische Art und Weise.

Transformation meistern heißt, mit gutem Beispiel vorangehen

Was macht für Sie eine gute Führungskraft aus? Und wie kann man zu einer solchen werden?

Eine gute Führungskraft ist sich zuallererst bewusst, dass sie als Vorbild agiert – ob sie nun möchte oder nicht. Zahlreiche Studien, beispielsweise von der Standford-University, zeigen uns, dass sich Menschen immer an den Alphatieren beziehungsweise den Chefs orientieren. Es ist im Grunde wie in der Kindererziehung: Nicht das, was ich sage, sondern das, was ich tue, ist bedeutsam. Wenn ich als Führungskraft möchte, dass meine Mitarbeitenden sich verändern, bin ich gut damit beraten, wenn ich zuerst einmal beginne, mich selbst und mein eigenes Verhalten zu verändern.

Die Frage des Menschenbildes

Digitalisierung, Virtual Reality, VernetzungEtwas Weiteres wird heutzutage auch immer wichtiger: Welches Menschenbild trage ich als Führungskraft in mir? Wie sehe ich mich, wie sehe ich meine Mitarbeitenden? Das tradierte Bild des Maschinisten, der nur etwas mehr Druck geben muss, damit mehr Leistung rauskommt, mag in der Vergangenheit vereinzelt funktioniert haben – in der Zukunft fliegt uns damit aber Einiges um die Ohren. Als Führungskraft brauchen Sie günstigere, Menschen-zugewandte innere Bilder, wie Sie sich und Ihre Mitarbeitenden sehen.

Wenn Sie denken, dass Geld dazu führt, dass Menschen Höchstleistungen erbringen…dann sind Sie auf dem Holzweg.

Sebastian Purps-Pardigol | Autor, zertifizierter Coach & Facilitator

Kognitive Leistung: Geld als Motivator kontraproduktiv

Haben Sie das ein oder andere Beispiel, wie man es nicht machen sollte?

BlickkontaktWenn Sie als Führungskraft weiterhin der Meinung sind, alle Entscheidungen treffen zu müssen. Wenn Sie glauben, dass mehr Druck zu mehr Leistung führt. Wenn Sie denken, dass Geld dazu führt, dass Menschen Höchstleistungen erbringen…dann sind Sie auf dem Holzweg. Das Massachusetts Institute of Technology hat beispielsweise vor Jahren in mehreren Experimenten nachgewiesen: Je mehr Geld man Menschen für die Erledigung einer Aufgabe anbietet, bei der diese Zugriff auf ihre kognitiven Fähigkeiten brauchen, desto schlechter werden die Leistungen. Mehr Geld für mehr Leistung kommt aus der Zeit der Akkordarbeit, in der Menschen einfache körperliche Tätigkeiten ausführten. Sobald aber der Kopf gebraucht wird, reduziert der monetäre Anreiz die höheren geistigen Leistungen des Hirns.

Digitalisieren mit Hirn. Wie es gelingt Mitarbeitende für die Transformation zu gewinnen.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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