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Der digitale Zwilling: Realität statt Zukunftsmusik

Der Digitale Zwilling: Realität Statt Zukunftsmusik

Mit der Digitalisierung der Wirtschaft und Industrie 4.0 kommen zusätzliche Herausforderungen auch auf das Produktdatenmanagement zu. Beispielsweise müssen hier zukunftssichere Lösungsszenarien auf Unternehmens- und Branchenebene konzeptioniert und realisiert werden. Genau dies ist das Fachgebiet unseres Experten Gerhard Treitinger. Er ordnet in diesem Interview die Rolle des Produktdatenmanagement ein und erläutert, wie sich dessen Aufgaben im Rahmen von Industrie 4.0 verändert haben.

Nach Abschluss seines Studiums der Elektrotechnik startete Gerhard Treitinger 1987 bei der Diehl GmbH als Projektingenieur Qualitätswesen in Nürnberg. 1991 wechselte er zur BSH Hausgeräte GmbH als Referent für technische Planung nach München. Nach verschiedenen Positionen in der BSH Hausgeräte Gruppe ist er dort aktuell seit mehr als 10 Jahren als Projektleiter, Senior Expert im Bereich des Produktdatenmanagements für die beschreibende Produktklassifikation sowie die interne und externe Standardisierung und Normierung verantwortlich.

Gerhard Treitinger

Gerhard Treitinger

Produktdatenmanagement im Zentrum der Wertschöpfung

Wie würden Sie das Thema des Produktdatenmanagements aus heutiger Sicht kurz beschreiben?

It-SchnittstellenGrundsätzliche Aufgabe des Produktdatenmanagements ist es produktbeschreibende Daten zu erheben, zu speichern und zu verwalten. Produktdaten entstehen in einer frühen Phase der Wertschöpfungs- und Lieferkette und werden bis zum Ende, ja sogar über die Lebensdauer von Produkten hinaus, benötigt. In einer detaillierteren Betrachtung sind Teilmengen dieser Daten allen relevanten unternehmensinternen aber auch externen Stellen rechtzeitig und verständlich verfügbar zu machen. Hoch produktiv ist dies mit einer strukturierten, standardisierten Datenbasis und dem Machine-to Machine-Transport realisierbar. Zur Strukturierung der Daten sollten Sie beschreibende Klassifizierungsmodelle mit Klassen-, Merkmals- und Wertestrukturen favorisieren. Um auch mit externen Partnern einen hochproduktiven maschinellen Produktdatenaustausch realisieren zu können, empfehle ich unternehmensübergreifende Standards.

Industrie 4.0 und die Auswirkungen auf das Produktdatenmanagement

Welche zusätzlichen Aufgaben kommen durch die Digitalisierung und Industrie 4.0 auf das Produktdatenmanagement zu?

Grundsätzlich greifen im Bereich von Industrie 4.0 Produktions-, Kommunikations- und Informationstechnik ineinander. Die direkte Kommunikation von Maschine zu Maschine unter Nutzung digital vernetzter Daten ist hier essenziell. Dabei werden Kunden-, Auftrags-, Maschinen-, Engineering- und Produktdaten usw. maschinell gesendet und empfangen. Dies sollten Sie so gestalten, dass eine eineindeutige maschinelle Identifikation, Interpretation und Weiterverarbeitung der Daten möglich sind. Zielstellung dabei ist die selbstorganisierte maschinelle Steuerung der Produktion.

Der digitale Zwilling: Realität statt Zukunftsmusik

Welche entscheidenden Vorteile ermöglicht der digitale Zwilling?

Lean und Industrie 4.0Mit Industrie 4.0 werden im Rahmen des „Referenzarchitekturmodells Industrie 4.0“ (RAMI 4.0) neue Strukturen entstehen. Beispielsweise wird es in diesem Kontext nicht hinreichend sein ein Produkt zu liefern, sondern mit jedem Produkt ist auch eine digitale Repräsentanz, eine virtuelle Abbildung von Prozessen und physischer Produkte, der „Digitale Zwilling“, erforderlich. Im Rahmen der Vernetzung aller wirkenden Partner und Prozesselemente muss eine „gemeinsame Sprache“ gesprochen werden. Dies wird durch gemeinsame Standards und Normen erst möglich.

Es ist weit gefehlt zu glauben, dass es sich hierbei um reine Zukunftsmusik ohne Relevanz für die Gegenwart handelt. Organisationen, Modelle und Projekte, wie zum Beispiel Plattform Industrie 4.0, RAMI 4.0 und BaSys 4.0, haben bereits konkrete Formen angenommen. Im Zusammenhang mit der Beschreibung von physischen Dingen, hier kommen wir direkt auf den Bereich unseres Ausgangsthemas „Produktdatenmanagement“ zurück, ist die „Verwaltungsschale“ und der „Digitale Zwilling“ zu nennen, welche seit geraumer Zeit in Entwicklung sind und ein fortgeschrittenes Stadium erreicht haben.

In diesem Szenario der Machine-to-Machine-Ökonomie digital vernetzter Daten sind Sie alle gefordert, Ihre Produktdaten auf I4.0-maschinenlesbarer Ebene einzubringen.

Das gemeinsame Ziel vor Augen

Worauf kommt es an, um sich auf diese Zukunft vorzubereiten?

Mensch-MaschineZur Realisierung von Industrie 4.0 ist eine standardisierte und normierte Basis unabdingbar. Im Bereich der Produktdaten unterstützen wir zusammen mit vielen weiteren internationalen Unternehmen, Verbänden und Organisationen den für das Produktdatenmanagement relevanten beschreibenden Klassifikationsstandard eCl@ss des eCl@ss e. V. Die Zielstellung dabei ist den eCl@ss-Standard zu der konsensualen Semantik für Industrie 4.0 hin zu entwickeln. eCl@ss basiert mit seinem Datenmodell auf den internationalen Normen IEC 61360 und Iso 13584 und hat bereits vielfältigen maschinenlesbaren produktbeschreibenden Content zu bieten.

Reale Produktion und digitale Daten effizient synchronisieren

Erfahren Sie bei unserem Seminar mit Gerhard Treitinger, wie der digitale Zwilling im Rahmen von Industrie 4.0 einzuordnen ist und welche Anwendungsfelder es gibt. Tauschen Sie sich mit erfahrenen Praktikern aus und lernen Sie Technologien kennen, um digitale Daten für die reale Produktion zu nutzen.
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Erfahren Sie, wie die Ausweitung und die nachhaltige Integration der Digitalisierung, Lean Management und Industrie 4.0 auch bei Ihnen funktioniert. Unser Magazin fasst Expertenmeinungen, Veranstaltungen und Hintergrundwissen für Sie zusammen und bringt Sie auf den neuesten Stand.
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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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