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Digitale Produktion und Fabrik der Zukunft: Diese Auswirkungen sollten Sie kennen

Digitale Produktion Und Fabrik Der Zukunft: Diese Auswirkungen Sollten Sie Kennen

Eine digitale Fabrik stellt für viele Unternehmen einen Idealzustand dar, für Arbeitnehmer ist es eher ein Schreckensszenario, weil sie befürchten, ihre Daseinsberechtigung zu verlieren. Aber welche Konsequenzen ergeben sich wirklich und welche Trends in der Produktion müssen Sie kennen? Wir haben unseren Experten für Digitalisierung befragt.

Dr. Patrick-Benjamin Bök ist Vice President Global Factory Digitalization bei der Weidmüller Gruppe. Zu seinen Aufgaben gehören die branchenübergreifende Digitalisierung von Prozessen und Systemen im Bereich Operations bei Weidmüller – von der Strategie bis zur Operationalisierung und Implementierung. Wichtige Themenfelder sind dabei die Vernetzung verteilter Systeme, Industrial IoT, Integration von Zukunftstechnologie und die Einführung von technologischen Trends. Dr. Patrick-Benjamin Bök ist seit 2014 für Weidmüller tätig und begann dort als Assistent des Vorstandsvorsitzenden, wo er unter anderem an der Ausarbeitung einer weltweit gültigen Digitalisierungsstrategie gearbeitet hat.

Patrick-Benjamin Bök

Dr.-Ing. Patrick-Benjamin Bök

Der Mensch ist der zentrale Faktor

Herr Dr. Bök, Sie sind als Experte für Digitalisierung mit den Herausforderungen bestens vertraut. Wie würden Sie für sich die Kernpunkte von Digitalisierung abseits von Technologie beschreiben?

Wir verstehen die Anwendung und den Einsatz von Digitalisierungstechnologien als das Mittel zum Zweck. Wir möchten damit insbesondere Prozesse effizienter gestalten und optimieren. Mit der Digitalisierung wollen wir also einen größeren Nutzen generieren. Damit das gelingt, müssen wir bei den jeweiligen Use Cases neben der Wahl der passenden Technologie den Nutzer dieser Technologie in den Mittelpunkt rücken.

Der Mensch stellt in allen Digitalisierungsvorhaben den Schlüssel zum Erfolg dar.

Deshalb ist die Akzeptanz einer neuen Technologie bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das A und O. Wird die Technologie weder von den Kolleginnen und Kollegen akzeptiert noch in den Arbeitsalltag eingebunden, wird diese in Zukunft auch keinen Nutzen stiften. Es ist daher von großer Bedeutung die Kolleginnen und Kollegen in das Digitalisierungsvorhaben aktiv einzubinden – von der Wahl der Technologie bis zum Einsatzort und letztendlich bis hin zu deren Implementierung. Nur so kann der erwartete Nutzen auch tatsächlich eintreten.

Organisatorische und kulturelle Konsequenzen

Was sind die wesentlichen Veränderungen, auf die wir uns als Arbeitnehmer zukünftig einstellen müssen?

Durch die Digitalisierung erhöht sich die Transparenz – Daten sind überall und zu jedem Zeitpunkt verfügbar. Dadurch erhält das papierlose Arbeiten mehr und mehr Einzug in die Industrie. Arbeitnehmer müssen lernen, auf Systeme und Technologien zu vertrauen. Obwohl das, was sie abbilden, nicht greifbar ist – ganz im Gegensatz zum Papier. Durch die digitale Abbildung von Prozessen und die damit einhergehende Datenbasis werden sich bisherige Verantwortlichkeiten und Aufgabenfelder verändern. Die Systeme werden einen Teil der ursprünglichen Arbeit übernehmen.

Führungstraining für ProjektleiterDas bedeutet jedoch nicht, dass der Mensch dadurch ersetzt wird. Ganz im Gegenteil: Viele werden zu ihrer eigentlichen Arbeit zurückkehren, da Aufgaben, die sie über die Zeit hinzubekommen haben – insbesondere organisatorischer Natur – von Systemen erledigt werden können. Erhält ein System Einzug, zum Beispiel in die Fertigung, werden auch Fehler sichtbar. Aus diesem Grund sind eine positive Fehlerkultur und ein damit einhergehendes vertrauensvolles und offenes Miteinander zwischen Mitarbeitern und Führungskräften unabdingbar. Es wird also sowohl zu organisationalen als auch zu kulturellen Veränderungen kommen. Nur so kann die Digitalisierung ihren erwarteten Nutzen auch tatsächlich stiften.

Vereinbarkeit von Lean und Industrie 4.0

Wie beurteilen Sie die Entwicklungen von Lean Management? Gibt es eine Renaissance oder ist der Trend einfach durch den Hype um Industrie 4.0 abgelöst worden?

Das Lean Management wird nicht durch Industrie 4.0 abgelöst. Schlanke Prozesse, basierend auf den Lean-Methoden, bilden die Basis für die Digitalisierung. Erst, wenn ein Prozess tatsächlich „lean“ ist und dieser durch Lean-Methoden kein weiteres Optimierungspotential birgt, kommt die Digitalisierung zum Einsatz. Durch die Digitalisierung soll dann, genau wie vorab durch das Lean Management, ein noch größerer Nutzen aus dem Prozess gezogen werden. Beispielsweise werden mit Hilfe der Digitalisierung Daten generiert, auf dessen Basis Vorhersagen im Fertigungsprozess getroffen werden können.

AR in der Produktion als Teil der Digitalstrategie

Was halten Sie von neuen Technologien wie Augmented Reality in der Produktion? Ist dies ein echter Mehrwert, der sich langfristig durchsetzen wird oder mehr eine Spielerei?

DigitalisierungDer Einsatz von Augmented Reality (AR) in der Fertigung birgt große Chancen, wobei der Nutzen nicht aus den Augen verloren werden darf. Der Einsatz von AR in der Produktion unterstützt beispielsweise die Abschaffung des Papiers. Informationen wie Handbücher und Anleitungen können digital gespeichert werden und zum Beispiel mit einer Datenbrille abgerufen werden. Das spart insbesondere Zeit, da der Einrichter nicht mehr mühsam nach den Informationen an verschiedenen Orten suchen muss. Außerdem hat er im Gegensatz zur Handbuchnutzung beide Hände frei, um die erhaltenen Informationen unmittelbar umzusetzen. Dadurch birgt Augmented Reality einen großen indirekten Nutzen.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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