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Diese Trends im betrieblichen Lernen müssen Sie kennen

Diese Trends Im Betrieblichen Lernen Müssen Sie Kennen

Digital, vernetzt, übergreifend: Die Trends für die Personalentwicklung sind umfassend. Wir haben mit der Expertin Susann Bock zusammengetragen, auf welche Veränderungen Sie sich einstellen müssen und welche Vorteile die neuen Methoden mit sich bringen.

Susann Bock arbeitet seit 10 Jahren als Trainerin für Vertrieb und Führung. Seit ca. fünf Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit virtuellem Lernen für unterschiedliche Zielgruppen.

Susann Bock

Frau Bock, Sie arbeiten seit vielen Jahren im Bereich der Personalentwicklung. Wie hat sich das Lernen in den letzten Jahren verändert?

Auftritt, Vortrag, Präsentation, Sprechen, Stimme, Erklären

Meine Rolle hat sich mittlerweile zu der eines Lernbegleiters entwickelt. Ich sehe meine Aufgabe darin, das Wissen der Gruppe zu konsolidieren und sinnvoll zu ergänzen. Natürlich bringe ich als Trainer immer noch Wissen ein. Doch das, was ich sonst beispielsweise per PowerPoint im Training vermittelt habe, stelle ich heute vor dem Training möglichst als eLearning zur Verfügung. Der Input im Training wird dadurch auf ein sinnvolles Maß reduziert, so dass mehr Zeit zur Reflexion und Anwendung des Gelernten bleibt. Die Auswahl oder auch das Erstellen der eLearnings, Videos und Vorbereitungsaufgaben im Vorfeld eines Trainings, gehört ebenfalls zu meinen heutigen Aufgaben. Ein neuer Trend ist das Moderieren von Kursen, die wir als Web-based-Trainings mit sozialer Interaktion anbieten. Doch dazu später mehr.

Personalentwicklung hat viel Neues zu bieten

Welche Trends sehen Sie, wie werden wir zukünftig lernen?

Ich sehe einen deutlichen Trend zur Digitalisierung des Lernens. Immer mehr Menschen können sich die Welt ohne Internet mit Facebook und YouTube nicht mehr vorstellen. Hier können wir mittlerweile auf weitgehend vorhandene Kompetenzen bauen, was den Umgang mit digitalen Medien angeht.

FuehrungswissenSo stelle ich mir zukünftiges Lernen vor, wobei die technischen Voraussetzungen bereits da sind und es lediglich am Willen zur Umsetzung in den Unternehmen scheitert:

Ich sitze mit meinem Tablet auf dem Sofa und öffne meine Lern-App. Ich sehe meine Kurse, meine offenen Lernevents und die Termine für die nächsten Videokonferenzen. Der Moderator empfiehlt ein Video zum Thema. Gesteuert durch eine Handbewegung läuft das Video auf meinem Smart-TV. Ein anderer Teilnehmer meines Kurses ist ebenfalls online. Ich klicke ihn an. Auf dem Smart-TV öffnet sich das Konferenzfenster und ich kann direkt mit ihm sprechen. Wir öffnen die nächste Lernaufgabe und können gemeinsam interaktiv an einer Lösung arbeiten und diese auf der Lernplattform als Idee einstellen und um Feedback der anderen Teilnehmer bitten.

Auf Basis meiner Aktivität auf der Lernplattform, wird mir am nächsten Tag die Mitarbeit an einem Projekt vorgeschlagen. Um hier teilzunehmen, muss ich noch zwei Lerneinheiten vorher absolvieren. Das Ergebnis des Projekts ist auch für mich relevant und wird im Unternehmen Anwendung finden.

Lernen ist kollaborativ, fördert die Kommunikation und ist sinnvoll für meine Tätigkeit.

Mein Unternehmen räumt mir dafür ein Zeitkontingent zur freien Verfügung ein. Präsenztrainings gibt es nur noch für spezielle Themen oder Anlässe, wie zum Beispiel Team-Workshops oder Seminare, in denen die Skills geübt und Erkenntnisse reflektiert werden müssen.

Der nächste Schritt ist, das Ganze in die virtuelle Realität (VR) zu transportieren und dann könnte es tatsächlich sein, dass Präsenzseminare nicht mehr erforderlich sind.

eLearning: Wesentlich mehr als PowerPoint zum Durchklicken

Welche digitalen Möglichkeiten gibt es und welchen Vorteil haben diese?

eLearning heißt für mich spannende, interaktive Module, bei denen der Teilnehmer etwas eingeben, anklicken oder beantworten muss. Dazu erstellen wir Module mit Autorentools selbst. eLearning heißt für mich nicht: PowerPoint oder PDFs, die der Teilnehmer nur durchklickt.

Der Vorteil von eLearning-Modulen:
Sie können jederzeit und von überall abgerufen werden. Der Teilnehmer lernt in seinem persönlichen Tempo, wann immer Zeit und Gelegenheit ist. Zusätzlich können die Module wiederholt werden, um das Wissen zu vertiefen.

Web-Based-Training:
eLearning sollte immer auf einem extern zugänglichen Webspace liegen, damit unabhängig vom Standort gelernt werden kann. Idealerweise findet das Lernen in virtuellen Gruppen statt und wird moderiert.

Social Learning:
Der Teilnehmer hat einen aktiven Anteil im Kurs, indem er selbst Lösungen zu Aufgaben beisteuert, Lösungen anderer einsieht, kommentiert und sich in Chats oder Foren an Diskussionen beteiligt.

Video-Meetings:
Wir schaffen hier die Möglichkeit, sich zu Themen direkt auszutauschen und dem Moderator Fragen live stellen zu können. Wichtig ist mir, dass Webcams und Headsets verwendet werden. So können sich die Teilnehmer gegenseitig sehen und die Sprachqualität ist gut. Da wir diese Session bei maximal einer Stunde belassen, ist auch das gut in den Arbeitsalltag integrierbar.

Im Idealfall ist alles auf mobilen Endgeräten abrufbar

Letztendlich hat der Trend zur Digitalisierung beim Lernen auch einen harten, wirtschaftlichen Vorteil: Die Teilnehmer bleiben an ihrem Arbeitsplatz und wir erhalten die Produktivität im Unternehmen. Wir sparen Hotelkosten, Reisezeit, Reisekosten und Sprit. Das hat zusätzlich sogar noch einen umweltfreundlichen Aspekt.

Sie nutzen auch virtuelle Methoden für unterschiedliche Zielgruppen. Für wen eignet sich diese besonders und wie werden sie angekommen?

Meiner Ansicht nach eignet sich virtuelles Lernen für jede Zielgruppe. Wichtig ist, dass wir die Plattform möglichst einfach und intuitiv gestalten, um die Hemmschwelle für diese neue Form des Lernens zu senken.

Selbstmanagement für ProjektleiterDas größte Hindernis ist, dass unsere Teilnehmer das Lernen in dieser Form gerne aus den Augen verlieren, wenn der Alltag stressig wird. Die Teilnehmer tragen jedoch selbst die Verantwortung für ihren eigenen Lernerfolg, egal ob im Präsenzseminar oder auf einer Lernplattform. Es ist nur ungewohnt, dass die Zeitplanung für das Lernen ebenfalls beim Teilnehmer liegt und nicht durch einen Termin für ein Präsenzseminar definiert ist. Dieses Umdenken benötigt noch etwas Zeit. Derzeit schreiben wir noch Erinnerungs-Mails, rufen den Teilnehmer an oder aktivieren den Vorgesetzten.

Erst einmal Vertrauen schaffen

Was halten Sie von Lern-Communities? Brauchen wir den persönlichen Austausch und kommt dieser auf virtuellem Weg nicht etwas zu kurz?

Ich denke für Führungsthemen wird der persönliche Austausch beispielsweise noch eine Weile in kleinen Gruppen notwendig und sinnvoll sein. Derzeit haben wir noch einen Präsenztag als Auftakt, um die Möglichkeit zu schaffen, Vertrauen zu den anderen Teilnehmern aufzubauen, bevor wir in einen virtuellen Kurs zu Führungs- oder Vertriebsthemen starten.

Da bewegen wir uns auf einen Wandel zu. Irgendwann wir es nicht mehr notwendig sein, sei es durch technische Möglichkeiten mit virtueller Realität oder weil die Menschen es nicht mehr als notwendig erachten, sich persönlich für einen Lernevent zu kennen.

Ansonsten halte ich Lern-Communities für eine großartige Möglichkeit, sich über Standorte hinweg auszutauschen, an spezifischen Themen zu arbeiten, Neues zu entwickeln und Wissen zu vermehren. Hier ein paar Beispiele:

corporate learningEs gibt offene Communities, in denen ich eine fremde Sprache lernen kann und im Austausch meine eigenen Sprach-Kenntnisse zur Verfügung stellen kann (zum Beispiel Speaky).

Es gibt sogenannte MOOCs – Massive Open Online Courses: Viele Teilnehmer aus der ganzen Welt, die an interessanten Themen sogar wissenschaftlich arbeiten und dabei kostenlos lernen.
(zu finden zum Beispiel über https://www.futurelearn.com/).

Ganz praktisch haben wir mit Hilfe unserer eigenen sozialen Plattform ein europäisches blended Learning für Sales entwickelt. Dabei haben die teilnehmenden Trainer viel dazu gelernt, beginnend mit der Funktion der Plattform bis hin zu Sales-Techniken und Trainingsmethoden. Auch hier ist ein Kulturwandel auf dem Weg, der meines Erachtens nach außerhalb Deutschlands deutlich weiter ist.

Corporate Learning Forum 2018

Corporate Learning wird zunehmend digital, individualisiert, vernetzt und sozial. Wie Sie eine Weiterbildungsstrategie in Ihrem Unternehmen implementieren können, die den neuen Trends und Anforderungen gerecht wird, diskutieren wir gemeinsam mit Wissenschaftlern und Praktikern auf dem 4. Corporate Learning Forum in München.

beitragsbild-corporate-learning-forum-2017

Rückblick Corporate Learning Forum 2017

Sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen oder die Technologie? Und was macht die Digitalisierung des Lernens eigentlich alles möglich? Lesen Sie unseren Rückblick!
Jetzt kostenlos herunterladen!

Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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