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Die Elbphilharmonie: Vom Skandal zum Architektur-Wunder

Die Elbphilharmonie: Vom Skandal Zum Architektur-Wunder

Die Geschichte der Elbphilharmonie ist wirklich hollywoodreif. Nach fast zehn jähriger Bauzeit, die geprägt war von einer Kostenexplosion und weiteren Skandalen, wurde die Konzerthalle über dem Kaiserspeicher A fertiggestellt. Fast 900 Millionen Euro hat das ganze Vorhaben gekostet. Hat sich das alles für die Hansestadt gelohnt?

Ein Denkmal muss weichen

Die 2000er: Der Internetboom hat auch Deutschland erreicht. Hamburg plant ein Medien-Zentrum mit zahlreichen Büros zu bauen, um Platz für die neuen Internetfirmen zu bieten. Weichen musste dazu der Kaiserspeicher A am Hamburger Hafen, der ursprünglich 1875 gebaut wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererbaut werden musste. Der Speicher diente als Lagerplatz für Kakao, Tee und Tabak. Durch die steigende Anzahl der Container im See-Handel hatte der Kaiserspeicher A an Bedeutung verloren.

kaiserspeicher_1929
Kaispeicher (1929)
Kaiserspeicher 1967
Kaiserspeicher (1967) © Zoch

Überbau statt Abriss

Der Architekt Alexander Gérard und seine Frau, die Kunsthistorikerin Jana Marko, hatten jedoch eine andere Idee für einen Neubau. Und dieser sah keinen Abriss des geschichtsträchtigen Kaiserspeichers vor. Stattdessen sollte ein Konzertsaal auf dem einstigen Speicher entstehen. (Die Kultursenatorin Dana Horáková  schlug hingegen ein riesiges Aquarium in Kombination mit einem Beatles-Museum vor.)

Wir waren der Auffassung, dass man eine neue Stadterweiterung wie die Hafen-City nicht einfach mit einem banalen Bürogebäude an der schönsten Stelle der ganzen Stadt beginnen sollte, sondern eben mit einem kulturellen Statement.

Alexander Gérard, Architekt und Projektentwickler

Zunächst war die Hansestadt gegen diesen Vorschlag, als die Internetblase jedoch platzte und immer mehr Medien über die Idee von Gérard berichteten, entschied man sich für die Elbphilharmonie. Die Schweizer Architekten von Herzog und De Meuron sollten die Umsetzung übernehmen. Die Fertigstellung wollte man bereits 2007 feiern und die Kosten sollten sich auf höchstens 100 Millionen Euro belaufen.

Ist Hamburg selbst Schuld an der Misere?

Bis hierhin noch alles nicht aufregend und alles andere als hollywoordreif. Doch Ende 2004 wird Gérard die Projektentwicklung entzogen, da die Stadt Hamburg es selbst stemmen wollte. Und damit beginnt das Trauerspiel.

Das Hin und Her der Elbphilharmonie

2005 wird die Machbarkeitsstudie zur Elbphilharmonie vorgelegt. Darin werden Kosten von 186 Millionen Euro vermerkt, 77 Millionen sollen dabei aus öffentlicher Hand fließen. 2007 – in dem Jahr, indem die Elbphilharmonie ursprünglich fertiggestellt sein sollte – feierte die Stadt Hamburg die Grundsteinlegung.

Dach
Dach

Das Dach im Jahr 2010
© Oliver Heissner

Großer Saal Elbphilharmonie

Großer Saal im Juni 2010
© Oliver Heissner

Plaza Elbphilharmonie

Das Plaza im Jahr 2010
© Oliver Heissner

Nur drei Jahre später reichte die Hansestadt Klage gegen die für die bauliche Umsetzung verantwortliche Firma Hochtief. Gewünscht war ein neuer, verbindlicher Terminplan. Es folgten weitere Streitereien zwischen Stadt und Hochtief. Die Gesamtkosten stiegen immer weiter. Wegen dieser Kostenexplosion kam es eineinhalb Jahre zu einem Baustopp (2011 bis 2013). Nach vielem Hin und Her gelang es beiden Parteien sich zu einigen.

Nach 3.500 Tagen ist endlich Schluss

Fertig Elbphilharmonie

© Iwan Baan

Nach 3.500 Tagen war die Elbphilharmonie endlich fertiggestellt. Für alle Ungläubigen hat man das sogar groß auf die Fassade des Konzertsaals projiziert. Am letzten Oktobertag 2016 erfolgte die offizielle Schlüsselübergabe. Das Konzerthaus wird jedoch erst am 11. und 12. Januar 2017 eröffnet.

Die Elbphilharmonie wurde zehnmal so teuer wie ursprünglich geplant: Rechnet man die Spenden für das Konzerthaus hinzu, liegen die Kosten bei rund 866 Millionen Euro.

Dafür zahlte Hamburg 866 Millionen Euro

Für diesen Preis hätte der HSV alle Star-Spieler von Real Madrid verpflichten können.

Die Elbphilharmonie ist mehr als nur ein Konzerthaus. Dieses macht zwar mit zwei Sälen einen großen Teil des Gebäudes aus, doch zusätzlich gibt es auch ein Luxushotel, gastronomische Einrichtungen, 44 Wohn- sowie verschiedene Gewerbeeinheiten. Der einstige Kaiserspeicher bietet außerdem Platz für 500 Autos.

Zwischen dem Sockelbau und dem neuen Aufbau befindet sich das sogenannte Plaza. Von dort hat man einen einmaligen Ausblick auf Innenstadt, Hafen und die neue Hafen-City.

Die einzelnen Elemente der Elbphilharmonie im Überblick

Querschnitt

© Herzog de Meuron

Die Konzerthalle

Zwei Konzertsäle sind in dem Neubau über dem Kaiserspeicher entstanden,  die einmal 2.150 Plätze und in einem kleineren Saal 550 Plätze umfassen. Der große Konzertsaal ist dabei 40.000 Kubikmeter groß und enthält 10.000 Kacheln aus hochverdichtetem Gips und Altpapier, um den Schall ideal zu verteilen.

Selbst die Rolltreppe der Elbphilharmonie ist einzigartig: Sie ist gewölbt und führt in 82 Meter Länge von dem Haupteingang nach oben in das Konzerthaus.

Speicherstadt und Elbphilharmonie
Speicherstadt und Elbphilharmonie

Speicherstadt und Elbphilharmonie
© Jorg Modrow

elbphilharmonie

elbphilharmonie
© Maxim Schulz

Plaza

Die Aussicht aus dem Plaza
© Iwan Baan

Große Saal

Der Große Saal
©Iwan Baan

Decke des großen Saals

Die Decke des großen Saals
© Michael Zapf

Die weiße Haut des Großen Saals

Die weiße Haut des Großen Saals
© Johannes Arlt

kleiner_saal

Wandgestaltung für Akustik
© Michael Zapf

gewölbte Rolltreppe

Die gewölbte Rolltreppe mit dem Namen Tube
© Michael Zapf

Das Dach der Elbphilharmonie

Das Dach der Elbphilharmonie
© Michael Zapf

Speicherstadt und ElbphilharmonieelbphilharmoniePlazaGroße SaalDecke des großen SaalsDie weiße Haut des Großen Saalskleiner_saalgewölbte RolltreppeDas Dach der Elbphilharmonie

The Westin

Das Hotel erstreckt sich im Ostteil des Gebäudes vom 6. bis zum 20. Stock. Die Preise der 244 Zimmer belaufen sich auf 220 bis 3.000 Euro pro Nacht. Die Luxus-Herberge ist jetzt schon gefragt: Es liegen bereits Hotelbuchungen für 2019 vor.

Die markante Glasfassade ist größer als zwei Fußballfelder, sie erstreckt sich über 16.000 Quadratmeter.

Hat sich das alles gelohnt?

Das wird sich noch zeigen. Schlussendlich müssen die Hamburger das selbst entscheiden. Viele freuen sich jedoch nach dem ganzen Ärger über die Fertigstellung. Denn das neue Konzerthaus ist einmalig in der Welt wie auch das Opernhaus in Sidney oder der Eifelturm in Paris.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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