Überspringen zu Hauptinhalt

Die digitale Transformation der Supply Chain gelingt mit richtiger Führung

Die Digitale Transformation Der Supply Chain Gelingt Mit Richtiger Führung

Wir werden erleben, dass die Wertschöpfung auf den finalen Nutzen des Endkunden zugeschnitten wird. Warum das so ist und weshalb wir unsere Messgröße Menge mal Preis vergessen sollten, verrät Dr. Andreas Weber im exklusiven Interview.

Dr. Andreas Weber studierte Electrical Engineering an der Bundesfachlehranstalt Oldenburg. An der SMA Vienna erreichte er den Master of Business Administration und promovierte dort über die „Probleme und Lösungsansätze beim Outsourcing von Industrieservicedienstleistungen“.

Er war in den vergangenen 25 Jahren als Manager und Consultant im Bereich Industrial Services und Technical Services in verschiedenen Industrie-Unternehmen in Europa, NAFTA und im Mittleren Osten tätig – ebenso als Sachverständiger an den Zivilgerichten Düsseldorf und Köln.

Dr. Andreas Weber

Dr. Andreas Weber

Digital erweiterte Supply Chain oder grundlegend neu gedachte digitale Lieferkette?

Wo liegt der Unterschied zwischen einer digital erweiterten Supply Chain und einer grundlegend neu gedachten digitalen Lieferkette? Gibt es überhaupt einen?

Wertschöpfungsketten verändern sich, weil die Transparenz des Nutzerverhaltens am Ende jeder Wertschöpfungskette steigt. Nicht nur durch umfangreichere Kommunikation, sondern auch durch das Tun oder Nicht-Tun des jeweiligen Nutzers.

Die Datenmengen, die dabei erzeugt werden, können immer besser verstanden werden, denn der Nutzer kann sein Bedürfnis klarer adressieren. Diese Deutlichkeit ermöglicht es, Produkte und Leistungen auf den individuellen Nutzen hin zuzuschneiden. Der individuelle Nutzen lässt sich dabei an drei Größen bestimmen:

Spaß,

Spieltrieb und

Wert

Heutige teilweise integrierte Wertschöpfungsketten haben jedoch nur eine, alles bestimmende Messgröße: Menge mal Preis. Jedes Unternehmen entlang der Supply Chain steuert all seine Prozesse nur in Hinblick auf die eine Frage: Wie kann ich mit möglichst wenig Aufwand Menge mal Preis bei meinen Kunden optimieren?

Digitalisierte Wertschöpfungsketten hingegen werden den Gesamtnutzen von der Bohnenpflanze bis zum Kaffeegenuss, von der Erzmine bis zur Mobilität gemeinsam definieren. Wir werden erleben, dass die Wertschöpfung auf den finalen Nutzen des Endkunden – nicht gleichzustellen mit dem finalen Produkt, dass ich ihm anbiete – zugeschnitten wird: Genuss, Mobilität, Kommunikation, Wissensbefriedigung und so weiter.

Denn sicher ist, dass Wertschöpfungsketten, die dieses nicht ermöglichen, disruptiv attackierbar sind.

disruption_kennenlernen_und_verstehen

Disruption: Kennenlernen und Verstehen

Sie wollen endlich verstehen, was Disruption bedeutet und wer die Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung sind? Wir haben Antworten und Lösungsvorschläge in unserer Wissensreihe Kennenlernen und Verstehen.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Wie gelingt eine erfolgreiche Transformation der Supply Chain?

Reicht es, die eigene Lieferkette zu digitalisieren? Oder ist für eine erfolgreiche Transformation nicht auch die Digitalisierung der Partner entlang der Wertschöpfungskette entscheidend?

Hinsichtlich unseres gegenwärtigen Ziels (Menge mal Preis) treffen wir als Unternehmen alle Entscheidungen vor dem Hintergrund unseres aktuellen Wissens und (leider auch) unserer bereits getroffenen Entscheidungen. Wenn ich beispielsweise jüngst eine 10 Millionen Euro-Investition getätigt habe, optimiere ich mein Geschäft entsprechend der zuvor getroffenen Entscheidung. Diese mag zum Zeitpunkt ihres Beschlusses zwar sinnvoll gewesen sein, kann aber gegenwärtig schon überholt sein. Ein Dritter, der jetzt ebenfalls anhand der verfügbaren Daten den finalen Nutzen des Kunden „lesen“ kann, entwickelt seinen Lösungsansatz vielleicht unabhängig von der „Vorbelastung“ der getätigten Investition und kann somit zeitnahe Entscheidungen treffen.

Das bedeutet, dass jeder in der Wertschöpfungskette sich zukünftig der Masterfrage widmen muss: Welchen Wertbeitrag liefere ich in der Wertschöpfungskette für den finalen Nutzen? Wer das nicht kann, wird ersetzt.

Ich treibe es sogar noch weiter: Jeder in der Kette muss sich darüber hinaus die Frage stellen: Sind die mir nachgelagerten Wertschöpfungsstufen intelligent genug, zu erkennen, ob Sie disruptierbar sind? Ist dies nicht der Fall, müssen sie aktiv ersetzt werden.

Mensch und Roboter

Welche Rolle spielt der Mensch als Mitarbeiter in einer digitalen Supply Chain? Oder anders ausgedrückt: Wird durch die Roboter und autonome Fahrzeuge in der Logistik der Mensch ersetzt?

Die Digitalisierung verändert uns alle und damit auch unsere Arbeit. Aufgaben werden sich verändern oder sogar wegfallen aber auch neu entstehen. Ob dabei Arbeitsplätze geschaffen oder gestrichen werden, ist reine Hypothese.

Wir werden uns nicht mehr mit langfristigen Zielen, nicht mehr mit kleinteiligen Lösungsplänen auseinander setzen können. Der Wandel ist längst in vollem Gange. Dummerweise steht uns als Menschen etwas im Weg: Unsere Intelligenz. Wir suchen aktiv nach Lösungen, verzweigen uns, diskutieren mit uns und sind im Wesentlichen schlecht im Change.

Selbst innovative, aufgeschlossene Menschen wehren sich innerlich gegen erzwungenen Wandel. Dummerweise wird uns dieser Wandel jedoch von der Weiterentwicklung der Technik aufgedrückt. Ich sage es ganz klar: Digitalisierung heißt nicht nur Daten, Technik und IT – Digitalisierung ist das größte Change-Projekt, das wir je erlebt haben, denn es ist allumfassend und hat eine sich beschleunigende Eigendynamik.

 

Fotolia: 80990906

 

Es geht also beim Mitarbeiter nicht darum, einen Change-Prozess zu begleiten, sondern darum, Wandlungsfähigkeit zu trainieren. Wir werden zukünftig immer weniger Zeit für die Konsolidierung nach Change-Projekten haben und stattdessen sehr schnell in den nächsten Wandel schwenken. Widerstand ist dabei verschwendete Energie, die besser in „Innehalten“ und Weitblick investiert ist: Was brauche ich, um meine Rolle in der Wertschöpfungskette richtig ausfüllen zu können?

Wandlungsfähigkeit ist das Werkzeug, das die Mitarbeiter nutzen können. Dazu benötigen Sie Training. Wer nicht trainiert, wählt den unternehmerischen Freitod!

Gute Führung ist entscheidend

Wie sollte Ihrer Meinung nach Führung im digitalen Zeitalter aussehen?

Führung ist das Schlüsselelement für den Wandel, denn wer führt, braucht kein Change Management. Dabei bedarf es einerseits der Klarheit von Zielen und Meilensteinen, die es zu erreichen gilt, andererseits bedarf es aber auch der Zeit der Reflektion. Ist der Weg richtig? Hat sich das Ziel verändert?

Führen heißt aber auch, eine andere Fehlerkultur und eine andere Projekt-Performance zu akzeptieren. Mehr GEMO zulassen: „Good enough Move on“. Ziele müssen nicht mehr vollständig vor der Handlung definiert werden. Definieren Sie 30 Prozent, probieren Sie dann aus und entwickeln weiter! Das schafft Agilität und Vertrauen auf einem gemeinsamen Weg.

Sicher ist, Wandlung gelingt nur mit Menschen. Wer sich auf Diskussionen einlässt, fördert Scharlatanerie. Der Wandel geschieht auf so breiter Front, dass niemand das volle Ausmaß der Auswirkungen überblicken kann. Genauso kann niemand sagen, wohin genau die Reise geht, denn das Ziel ist ein „moving target“.

Informieren Sie sich jetzt!

Nutzen Sie unsere Konferenz Die digitale Transformation der Supply Chain, um intelligente Lösungsansätze für das Supply Chain Management zu diskutieren und lassen Sie sich von unseren Experten aus Wissenschaft und Praxis inspirieren.

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen

Künstliche Intelligenz: Mythen, Daten & Fakten

Welche KI-Mythen sind wahr? Lernen Sie beim Lesen oder Filmeschauen die neusten Debatten zur Künstlichen Intelligenz kennen und erweitern Sie Ihren Horizont!

Jetzt mehr erfahren!

Download: KI kann auch unterhaltsam sein!