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Warum Deutschland sich vor dem Mobile Payment fürchtet

Warum Deutschland Sich Vor Dem Mobile Payment Fürchtet

In verschiedenen Ländern wird in letzter Zeit überlegt, das Bargeld abzuschaffen oder es zumindest zu beschränken. In Ländern wie den USA, Schweden und Dänemark verzichtet man bereits größtenteils auf Bargeld und bezahlt stattdessen mobil. Deutschland liegt jedoch im Bereich Mobile Payment europaweiten Studien nach im hinteren Bereich. Warum fällt es gerade der deutschen Bevölkerung so schwer, auf Bargeld zu verzichten? Liegt das an den hohen Standards der Datensicherheit in Deutschland? Oder will das Land der Dichter und Denker nur nicht auf die kulturelle Bedeutung des Bargeldes verzichten?

Einnahmen steigern und Kosten minimieren durch Mobile Payment

Wer Waren oder Dienstleistungen im Internet bestellt, greift immer häufiger auf Kreditkarten oder PayPal zurück. Doch in Restaurants und Supermärkten scheint sich die deutsche Bevölkerung schwer zu tun, auf Bargeld zu verzichten. Das könnte sich jedoch in den nächsten Jahren ändern, da immer mehr Menschen die Vorteile des Mobile Payments entdecken. Einzelhändlern kann es dabei nicht schnell genug gehen, denn sie versprechen sich einerseits mehr Einnahmen, weil Kunden durch die Vereinfachung des Zahlvorgangs in kurzer Zeit mehr konsumieren können. Vereinfacht wird vor allem der Bezahlvorgang bei kleinen Beträgen. So ist zum Beispiel eine PIN-Eingabe mit der Girocard der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken nur vonnöten, wenn der zu bezahlende Betrag über 25 Euro liegt. Diese kleinen Beträge machten im letzten Jahr 75 Prozent der rund 20 Milliarden Transaktionen im Einzelhandel aus.

Andererseits sind auch deutliche Einsparungen zu erwarten. Denn Bargeld kostet und bringt große Gefahren mit sich: Zunächst ist eine große Menge an Wechselgeld sowie eine aufwendige Sicherheitstechnik nötig. Auch die Arbeitszeit wird durch Bargeld erhöht. Schließlich muss am Ende des Tages das erwirtschaftete Geld zusammengezählt werden. Im Jahr entstehen Kosten von rund 13 Milliarden Euro aufgrund des Bargeldsystems. Außerdem wird der Einzelhandel durch bargeldloses Bezahlen wenig attraktiv für Einbrecher – wer überfällt schon einen Supermarkt oder eine Tankstelle, wenn kein Geld erbeutet werden kann?

Online Handel: Welches Zahlungsverfahren wird am häufigsten genutzt?

Mobile Payment

Kontaktloses Bezahlen gibt es in immer mehr Bereichen

Doch wie ist das kontaktlose Zahlen überhaupt möglich? Die Banken setzen dabei vor allem auf NFC-Chips. NFC steht dabei für Near Field Communication. Es handelt sich also um eine Nahfunktechnologie, mit der Daten völlig kontaktlos übermittelt werden können – jedoch nur auf kurzen Distanzen. Während bei einer WLAN- oder Bluetooth-Verbindung eine manuelle Einrichtung notwendig ist, verbindet sich der NFC-Chip automatisch mit dem Lesegerät durch die räumliche Nähe. Damit punktet diese Nahfunktechnologie durch ihre einfache Bedienbarkeit: Das NFC-Smartphone oder die NFC-Karte muss lediglich an das Ladegerät gehalten werden und schon ist der Zahlungsvorgang beendet. Aus Sicherheitsgründen werden zwar die Kartennummer und das Ablaufdatum sowie ein zufälliger Sicherheitscode beim kontaktlosen Bezahlen übertragen. Doch der Name des Zahlenden, die Prüfziffer sowie andere Sicherheitsmerkmale werden nicht versendet.

Immer mehr Restaurants, Tankstellen und Supermärkte bieten NFC-Lesegeräte an ihren Kassen an. Auch bei Aldi kann mittlerweile bargeldlos bezahlt werden. Insgesamt sind es bereits um die 10.000 Filialen unter anderem von Edeka, Thalia, Douglas und Christ, die diesen Dienst anbieten.

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https://www.youtube.com/watch?v=NSOcA7AdjE8

Ein Blick in die Zukunft

NFC-Chips können nicht nur auf Kreditkarten und Smartphones platziert werden. Denkbar ist diese Technologie auch in Manschettenknöpfen oder in einem Ohrring, sodass weder Portemonnaie noch Smartphone zum Einkaufen benötigt wird. In Zukunft wird es wahrscheinlich auch weder PIN noch Unterschriften geben, stattdessen erfolgt die Autorisierung über biometrische Merkmale wie zum Beispiel den Fingerabdruck, die Stimmerkennung oder den Iris-Scan.

Google arbeitet zurzeit an einer neuen Methode zur Autorisierung. Mit der Smartphone-App „Hands Free“ können Nutzer mit dem Smartphone kontaktlos bezahlen. Nachdem der Käufer seine Initialen genannt hat, kann der Verkäufer über ein im Profil hinterlegtes Foto die Identität des Käufers bestätigen. Momentan wird das aber in den USA lediglich getestet. Zudem arbeiten Google, Apple und Samsung an eigenen Mobile-Payment-Lösungen. In den Vereinigten Staaten können Apple, Android und Samsung Pay bereits genutzt werden. Wann das Angebot aber auch in Deutschland verfügbar sein wird, steht nicht fest.

Ist das kontaktlose Zahlen denn überhaupt sicher?

Laut einer Postbank Studie zum Thema „Der digitale Deutsche und das Geld“ nutzen zwei Drittel der 6.000 Befragten Mobile Payment-Dienste nicht und planen auch nicht, das in Zukunft zu ändern. Während man in schwedischen Kirchen sogar bereits bargeldlos spenden kann, stehen viele Deutsche dem kontaktlosen Zahlen noch sehr skeptisch gegenüber.

Cloud Computing

Da keine Authentifizierung bei Einkäufen notwendig ist, könnten gestohlene Kreditkarten oder Smartphones mit NFC-Technik eingesetzt werden, um immer wieder Produkte und Dienstleistungen unter 25 Euro zu bezahlen. Doch in den meisten Kreditkarten ist eine Sicherheitssoftware integriert, die Alarm schlägt, wenn plötzlich unzählige kleine Beträge bezahlt werden. Die Bank informiert die Kunden dann per SMS. Denkbar wäre aber auch, dass versehentlich bezahlt wird. Da jedoch mehrere Sekunden vor dem Lesegerät notwendig sind, um einen Zahlvorgang auszulösen, ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich.

Die meisten Skeptiker sorgen sich um ihre Daten. Denn wenn die Daten per Funk übermittelt werden, dann ist auch ein Abfangen der Daten möglich. Doch Experten behaupten, dass dies nahezu unmöglich sei, da Chip und Lesegerät eine Distanz von fünf bis sechs Zentimeter aufweisen und eine lange Antenne notwendig sein müsste, um diese Daten abgreifen zu können. Und wenn es doch gelänge, dann könnten die Diebe nichts damit anfangen, da die Daten verschlüsselt werden. Gegen unerwünschte Lesegeräte schützen außerdem Schutzhüllen – oder ganz einfach Münzen, die das Funksignal abschirmen.

Fürchten deutsche Bürger den Verlust ihrer Autonomie?

Es scheint also, dass Mobile Payment sicherer ist, als gemeinhin befürchtet. Warum sträuben sich die Deutschen also vor der Veränderung? Mag es daran liegen, dass Bargeld die eigene Autonomie und Freiheit verstärkt? Hat das Land der Dichter und Denker Angst davor, die kulturelle Bedeutung des Geldes zu verlieren? Oder geht es um die Privatsphäre, da sich nun Besuche wie im Bordell oder in psychiatrischen Einrichtungen aufgrund der elektrischen Spuren nicht mehr so leicht verbergen lassen? So vermutet es zumindest Jaro Krieger-Lamina in seinem Gastbeitrag in der FAZ. Was es auch ist, auch in Deutschland wird dieser digitale Wandel keinen Halt machen, schon gar nicht wenn Unternehmen wie Google und Apple ihre Finger im Spiel haben.

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Bildnachweis: Fotolia/pictoores

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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