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Der Hamburger Masterplan – Eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos

Der Hamburger Masterplan – Eine Ladeinfrastruktur Für Elektroautos

Im August 2014 wurde in Hamburg der „Masterplan öffentlich-zugängliche Ladeinfrastruktur“ verabschiedet. Damit wollte die Hansestadt ihr Ladenetz bis 2016 systematisch ausbauen. Insgesamt 592 Ladeplätze sollten am Ende des Projekts, das vom städtischen Stromnetz Hamburg koordiniert wurde, zur Verfügung stehen. Die Lage sollte passgenau auf die Verkehrsströme abgestimmt sein, die Standorte attraktiv und das Nutzen der Ladestationen möglichst einfach und kundenfreundlich. Wir schauen uns die Umsetzung der Pläne einmal genauer an.

Warum überhaupt eine Infrastruktur? – Das Henne-Ei-Problem

Elektroautos sind noch immer nicht sehr weit verbreitet in Deutschland. So wurden 2015 nur 12.363 Neuzulassungen registriert. Das macht selbst dann nur einen verschwindend geringen Teil unter den Neuzulassungen aus, wenn man noch die Hybridfahrzeuge hinzuzieht. Denn 2015 gab es insgesamt 3,2 Millionen neue Pkw auf Deutschlands Straßen. Warum sollte man also unter diesen Bedingungen überhaupt eine Infrastruktur bauen? Schließlich sind auch die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Ausbau der Infrastruktur ziemlich weich formuliert. Und von der Bundesregierung gibt es zwar die Ansage, dass bis 2020 eine Million Elektroautos zugelassen werden sollen, aber für ein Ladeinfrastruktur wurde kein ähnliches Ziel definiert.

Hier könnten wir es mit der berühmten Henne-Ei-Problematik zu tun haben: Wenn niemand Elektroautos besitz, gibt es keine Anreize, Ladestationen zu bauen; wenn es keine Ladestationen gibt, lohnt sich der Kauf eines Elektroautos weniger. Neben dem Bau weiterer Ladestationen, möchte Hamburg hier selbst mit gutem Beispiel vorangehen: bis 2020 sollen die Elektrofahrzeuge im Fuhrpark der Stadt verdoppelt werden.

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Nutzerfreundlichkeit an erster Stelle

Um den Ausbau der Ladestationen voranzutreiben, wurden im Hamburger Masterplan einige umfassende Analysen durchgeführt. Ausgehend von der bisherigen Ladeinfrastruktur, wurden die verschiedenen Ladeverfahren unter die Lupe genommen sowie die Verbreitung der Elektroautos in Hamburg. Es wurden Flächenpotenziale identifiziert, Standortkriterien aufgestellt und darauf basierend der Ausbau des Netzes an AC-Ladestationen (Wechselstrom) respektive DC-Ladestationen (Gleichstrom) erarbeitet. Neben rechtlichen und baulichen Kriterien wurde auch analysiert, wie attraktiv die möglichen Standorte für Nutzer und Anbieter gleichermaßen sind.

Elektrostrom für Autos

Aus Nutzersicht hieß das,

  • die Erreichbarkeit, Erkennbarkeit und Zugänglichkeit des Standorts zu prüfen;
  • festzustellen, ob es gute Verknüpfungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen Transfermöglichkeiten gibt (intermodaler Verkehr).
  • Zudem wurde die Parkplatzsituation in der Nähe zu analysiert sowie
  • die allgemeine Attraktivität der Standorte geprüft.

 

Fragen aus Anbietersicht:

  • Wie groß sind der bauliche und elektrotechnische Aufwand?
  • Wie aufwändig sind die Verwaltungsverfahren?
  • Ist die Lage attraktiv bzw. repräsentativ und für Kunden gut wahrnehmbar?
  • Kann der Standort gegebenenfalls erweitert werden?

Diskriminierungsfreier Zugang, Direct Pay und eine eigene App

Mit dem Ausbau machen es sich die Hamburger wahrlich nicht einfach. Denn Nutzerfreundlichkeit heißt auch, dass alle Ladestationen von allen Fahrzeuginhabern genutzt werden können. Da allerdings jeder Endkunde seinen Strom von einem selbstgewählten Lieferanten bezieht, besteht die Schwierigkeit, diesen an jeder beliebigen Säule diskriminierungsfrei mit seinem Anbieter zusammenzubringen. In Hamburg wurde dieses Problem gelöst, indem die Stromlieferanten einen Rahmenvertrag mit dem Verteilnetzbetreiber abschließen, über den die Transaktionen mit dem Kunden verrechnet werden. Damit lässt sich ganz nebenbei auch der Strom zertifizieren – denn eine weitere Vorgabe ist, dass ausschließlich regenerative Energien für die Erzeugung genutzt werden dürfen.

Die Zahlung läuft dann vollautomatisch ab, damit Kunden auch spontan aufladen können. Der Zugang zu den Ladestationen wird über eine RFID-Karte ermöglicht; es ist Auflage, dass die Betreiberunternehmen die Nutzung dieser Karten erlauben. Kunden können so unabhängig von ihrer Vertragslage direkt zahlen, und zwar über ein Direct-Pay-System, das Zahlungen per SMS und Mobilfunkrechnung oder über die eigens entwickelte App „E-Charging-Hamburg“ möglich macht. Per App stehen einem auch weitere Zahlungsmöglichkeiten offen, zum Beispiel Kreditkarte oder Lastschriftverfahren.

Die E-Charging-Hamburg App zeigt alle Ladesäulen der Stadt und bietet flexible Bezahlmöglichkeiten.

Ohne IT-Infrastruktur keine Ladeinfrastruktur

Eine besondere Herausforderung lag in der Vereinheitlichung der Infrastruktur. Denn das gesamte Netz musste auf eine zentrale IT-Plattform migriert werden. Diese koordiniert alle Ladevorgänge im System und wird betrieben von der Stromnetz Hamburg GmbH. Auf unserer Konferenz Die digitale Zukunft der Energiewirtschaft wird Stefan Zisler, der bei der Stromnetz Hamburg für das Innovations- und Assetmanagement zuständig ist, Näheres zu diesem IT-Backend erzählen sowie beispielhafte Lösungen für Kommunen und Flottenbetreiber vorstellen.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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