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Demografischer Wandel: Ältere Arbeitnehmer gegen den Fachkräftemangel

Demografischer Wandel: Ältere Arbeitnehmer Gegen Den Fachkräftemangel

Eine Strategie gegen den demografischen Wandel ist es, gute Voraussetzungen für den Einsatz älterer Arbeitnehmer zu schaffen. Personalentwicklungsexperte Rudolf Kast erklärt, worauf Sie dabei achten müssen, und beleuchtet die Vorteile.

Rudolf Kast gründete 2011 die Personalmanufaktur mit dem Ziel, mittelständische Unternehmen im Personalmanagement zu beraten. Zuvor war er seit 1995 Leiter Personal- und Sozialwesen bei der Sick AG in Waldkirch. Seit 1997 ist er Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung des Unternehmens. Seit  März 2008 ist er Mitglied des Vorstands des Demographie-Netzwerks (ddn) und setzt sich für die Praxis des lebenslangen und lebensphasenorientierten Lernens und zukunftsorientierte Vergütungs-und Altersvorsorgemodelle ein. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war Rudolf Kast zunächst bei der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und später bei der Braas GmbH als Personalreferent tätig. Vor seinem Eintritt bei Sick leitete er fünf Jahre bei Siemens-Nixdorf die Personalabteilung Region Mitte.

Zuwanderung wird den Fachkräftemangel nicht lösen

Deutschland sieht sich in den kommenden Jahren einer massiven Alterung der Bevölkerung ausgesetzt. Diese Alterung kann zwar durch die Zuwanderung abgemildert werden, nicht aber der Fachkräftemangel. Nach allen vorliegenden Untersuchungen der Arbeitsagenturen sind höchstens 10 bis 15 Prozent der bei uns ankommenden Flüchtlinge sofort für den Arbeitsmarkt qualifiziert, ansonsten müssen wir in langandauernde Fortbildung in Sprache und Fachkenntnisse investieren, um Erleichterung für den Arbeitsmarkt zu schaffen. Ferner wissen wir nicht, wie lange die Migrationswelle anhält und wir können  keine verlässlichen Prognosen über die Dauer des Aufenthalts in Deutschland stellen.

Sicher ist: In den nächsten Jahren werden die Baby-Boomer-Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden und damit wird eine massive Fachkräftelücke entstehen. Rein altersbedingt werden wegen Erreichen des Rentenalters bis zum Jahre 2030 rund 6,1 Millionen Beschäftigte aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden – und davon sehr viele Fachkräfte. Sind angesichts dieser anstehenden Fachkräftelücke und der parallel bestehenden Megatrends der Globalisierung  und einer rasanten technologischen Entwicklung (Stichwort: Digitalisierung) die älteren Arbeitnehmer eine Option zur Lösung des Fachkräftemangels?

Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen hat sich in Deutschland binnen eines Jahrzehnts von 21 auf 44 Prozent mehr als verdoppelt.

Unternehmensstrategien: Einsatz älterer Arbeitnehmer

Es wird den Unternehmen bei aller vorliegenden Skepsis und auch Unwissenheit über die Leistungsfähigkeit älterer Beschäftigter gar nichts anderes übrig bleiben. Die Zuwanderung – wie schon ausgeführt – ist nicht die absehbare Lösung; die Steigerung des Frauenanteils auch nicht angesichts der in Deutschland sehr hohen Teilzeitquote von Frauen.

Viele Unternehmen nutzen schon die Kapazitäten und Kompetenzen älterer Beschäftigter, die (außer in körperlich sehr anstrengenden Tätigkeiten) ihre Leistungspotentiale noch entfalten können. BMW hat vor Jahren schon in dem Modellprojekt „Heute für Morgen“ im Werk  Dingolfing eine Produktionslinie mit Beschäftigten im Alter von über 50 Jahren besetzt, die Rahmenbedingungen der Arbeitsorganisation und der Arbeitszeit für diese Beschäftigten angepasst und nach einem halben Jahr die gleichen Produktivitätskennziffern erreicht wie mit jüngeren Beschäftigten.

Betriebliche Ausbildung

Unternehmen wie die Telekom, Otto-Group und Bosch bieten ihren in die Rente übergehenden Mitarbeitern auf freiwilliger Basis an, in der Rente vorübergehend ihre Fachkenntnisse dem Unternehmen weiter zur Verfügung zu stellen. Eingesetzt werden die ehemaligen Fach-und Führungskräfte als Wissensvermittler in ihren ehemaligen Aufgaben oder in Projekten als unverzichtbare Erfahrungsträger auf Zeit.

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Ältere Arbeitnehmer bleiben lernfähig

Die Gründe für den Bedarf sind immer wieder vergleichbar: neue qualifizierte Bewerber und Bewerberinnen vom Markt sind nicht so schnell wie gewünscht zu bekommen und die älteren Kolleginnen und Kollegen sind von heute auf morgen wieder einsetzbar. Nach allen vorliegenden Studien bleiben sie auch lernfähig und lernbereit bis ins hohe Alter.

Die Deutsche Bahn hat in ihrem wegweisenden Tarifvertrag zur Demografie älteren Beschäftigten, die zum Beispiel 60 Jahre sind und in Wechselschicht arbeiten oder schwerbehindert sind, eine Teilzeitbeschäftigung angeboten, wobei das Gehalt nicht linear gekürzt wird, sondern der Arbeitgeber noch eine Aufzahlung leistet. Die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung werden sogar auf der Basis des früheren Vollzeitgehaltes geleistet. Auch hier ist es das Ziel, älteren schwer ersetzbaren Fachkräften Anreize zu geben, länger zu arbeiten.

Lean Management

Voraussetzungen für den Einsatz im Alter: Gesundheit, Motivation, flexible Arbeitszeiten

Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen hat sich in Deutschland binnen eines Jahrzehnts von 21 auf 44 Prozent mehr als verdoppelt. Für die Beschäftigungsfähigkeit Älterer sind indes Gesundheit, Kompetenz und Motivation wichtige Voraussetzungen und hier müssen die Arbeitgeber investieren. So hat zum Beispiel die Firma Janssen-Cilag ein Projekt „Silverpreneure“ entwickelt. Beschäftigte im Alter über 50 Jahre werden gezielt in Projekte berufen, die für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens wichtig sind. Die Botschaft nach innen ins Unternehmen ist klar: Ältere Kolleginnen und Kollegen werden als Wissensträger geschätzt, gleichzeitig traut man ihnen das Innovationspotenzial für Neuerungen zu.

Die Botschaft nach innen ins Unternehmen ist klar: Ältere Kolleginnen und Kollegen werden als Wissensträger geschätzt, gleichzeitig traut man ihnen das Innovationspotenzial für Neuerungen zu.

Um die Fähigkeiten der Beschäftigten länger nutzen zu können, müssen die Unternehmen flexible Arbeitszeitsysteme mit Langzeitkonten installieren. Die Beschäftigten können so Zeit ansparen und erhalten die Möglichkeit, etwa für drei bis sechs Monate auszusteigen, um Angehörige zu pflegen oder sich weiterzubilden, oder sie können ihre Arbeitszeit zu Erholungszwecken befristet reduzieren. Diese Arbeitszeitmodelle werden nicht nur von Konzernen, sondern mittlerweile auch von mittelständischen Unternehmen wie dem Produzenten von Lasermaschinen Trumpf oder dem Sensorhersteller SICK angeboten, aber auch Pflegeeinrichtungen wie die Sozialholding Mönchengladbach bieten ihren Beschäftigten diese attraktiven Möglichkeiten.

Fazit

Die demografischen Entwicklungen führen zu weitreichenden Veränderungen in der Unternehmensorganisation und Personalpolitik. Betriebliches Handeln stellt sich auf die Älteren ein und dies geht einher mit der Erkenntnis, dass bei Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen die Beschäftigtengruppe auch jenseits des Lebensalters 60 wertvolle Erfahrungs-und Wissensträger sind.

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Als Handwerksmeister und Berufsschullehrer weiß ich nur allzu gut, dass gerade in wenig lukrativen Jobs (Baugewerbe) den großen Unternehmen schon sehr bald Angst und Bange werden wird. Heute stöhnen die Personalchefs schon wegen Überalterung und demografischen Wandel. Auch die total ausufernde Akademisierung und (Jeder ohne Abi ist ja heute nichts) macht die ganze Situation nur noch schlimmer. Gerade große Konzerne haben lange erkannt, dass sie schon sehr bald keine Indianer haben werden, auf dessen Schultern Sie Ihre Gemeinkostenzuschlagssätze umlegen können! Wer soll dann bitte in 10 Jahren (wenn die letzten Experten in Rente gehen) die Arbeit dort noch machen? Wir steuern gerade was dieses Thema angeht auf einen gigantischen Knall zu, denn das was nachkommt (wenn denn was nachkommt) ist schlicht ausgedrückt meilenweit von der Klasse entfernt, die die letzten Profis heute noch haben. Gutes traditionelles Wissen wird, wenn wir nicht aufpassen, für immer verloren sein und was noch viel schlimmer ist, die gefertigte Qualität auf den Baustellen wird nachlassen.

    Jan Hartmann
    Strassenbauermeister / Fachlehrer

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