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Nutzung von Daten-Standards zur Beschreibung von Produkten – Fluch oder Segen?

Nutzung Von Daten-Standards Zur Beschreibung Von Produkten – Fluch Oder Segen?

Die Einführung von Daten-Standards wie eCl@ss im Unternehmen schafft viele Vorteile – es gilt jedoch auch einige Hürden zu überwinden. Erfahren Sie von Gerald Lobermeier, wieso wir Daten-Standards so dringend brauchen und wie Sie Ihre Produkte „ready-to-robot“ machen.

Gerald Lobermeier verantwortet den Bereich Produktmanagement für das digitale Produkt bei Weidmüller. Wir beabsichtigen dabei, jedes Produkt so umfassend wie möglich in Daten abzubilden. Daraus resultieren neue, datenbasierte Geschäftsmodelle. Neben neuen Dienstleistungs-Optionen zum Beispiel auf Basis von Augmented Reality evaluiert Herr Lobermeier, wie Artificial Intelligence und Machine Learning in einem Industrieunternehmen Anwendung finden. Herr Lobermeier beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Enterprise Information Management. Darüber hinaus ist er verschiedenen Gremien (eCl@ss, ETIM, ZVEI, IEC) zu den Themen Klassifizierung und Standardisierung aktiv.

Was sind Daten-Standards und wo werden sie verwendet?

Weidmueller_2Wann immer Produkte oder Dienstleistungen beschrieben werden sollen, gibt es unterschiedliche Aspekte, wie dies geschehen soll. Im Unternehmen wird zwischen unterschiedlichen Datendomänen (wie z. B. Logistikdaten, Personaldaten, Planungsdaten) unterschieden, die zusammen im komplexesten Fall den oft zitierten digitalen Zwilling im Zusammenhang von Industrie 4.0 abbilden. Geht es z. B. um technische Daten, schreiben im einfachsten Fall Normen vor, wie technische Merkmale abgebildet werden. Diese decken jedoch nicht alle Aspekte des Produkts ab.

Daten-Standards wie eCl@ss schließen diese Lücke: Ein übergreifendes System zur Beschreibung von Produkt und Dienstleistungen. Zunächst in der Chemieindustrie verwendet, kann eCl@ss heute „mehr“ als die reine Produktklassifizierung und -beschreibung. Neben der reinen Übertragung von Stammdaten, wird der Standard mehr und mehr im Engineering (ECAD) verwendet.

Warum standardisierte Daten?

In produzierenden Unternehmen entscheidet heute sehr oft der jeweilige Produktverantwortliche selbst, wie „sein“ Produkt optimal beschrieben wird. Die Folge: Produktbeschreibungen weisen schon nach kurzer Zeit – auch innerhalb einer Produktgruppe – eine hohe Varianz auf. Noch schlimmer: Datenqualität ist nicht oder nur unter hohem Aufwand messbar, das Datenmanagement dieser verschiedenen Beschreibungsmodelle wird zunehmend schwieriger.

Gleichzeitig müssen die erfassten Daten in verschiedene Publikationskanäle wie Online- und Print-Kataloge, Portale und zu Distributoren weitergeleitet werden. Die „Übersetzung“ der Daten in diese Kanäle ist teuer und personalintensiv.

Nutzen von Standards im Produktmanagement

Weidmueller_3Die horizontale Integration von Daten im Rahmen von Industrie 4.0 verläuft entlang des Produktlebenszyklus von Produkten: Alle Daten von der Entstehung über den Betrieb bis zur Verschrottung werden erfasst. Standards können hier dazu beitragen, ein durchgängiges Datenmanagement aufzubauen und dieses messbar zu machen. Außerdem stellt die Produktklassifizierung nach eCl@ss ein wertvolles Template für die Produktbeschreibung dar.

Bei der Bereitstellung von Produktdaten erhöht eCl@ss die Effizienz in den Ausleitungsprozessen. Immer mehr Software- und Plattformpartner setzen beim Datenimport auf eCl@ss. Die Vorteile für den Hersteller: Daten werden nach einem Standard für die externe Weitergabe aufbereitet. Dies sorgt für schlanke Prozesse und hohe Qualität. Gleichzeitig können mehr Publikationskanäle versorgt werden.

Nutzen von Standards in der Produktentwicklung

Seit einigen Jahren wurde der eCl@ss Standard erweitert, so dass auch komplexe Datenbeschreibungen abgebildet werden können. Heute müssen immer mehr Produkte „ready-to-robot“ sein, d. h. alle Informationen mitbringen, die für die Automatisierung notwendig sind. EinBeispiel: Brachte noch vor ein paar Jahren ein Produkt im Print-Katalog Information wie „Zwei Anschlüsse“ und deren „maximaler Leiteranschlussquerschnitt“ mit, benötigen heute Planungssysteme die genauen xyz-Koordinaten der einzelnen Anschlüsse im Raum, Richtungsvektoren sowie Detailinformation über die technischen Daten des Anschlusses.

Jedoch ist der Erfassungsaufwand erheblich: Die Anzahl der Attribute, die zur Beschreibung von Produkten dienen, kann sich durchaus um den Faktor 10-50 erhöhen. Nachhaltige Modelle werden also benötigt, um den Aufwand so gering wie möglich zu halten.

Hürden bei der Einführung – und wie sie überwunden werden

Jeder Standard schränkt auch die Freiheitsgrade bei der Beschreibung ein. Nicht für jeden Anwendungsfall ist dies geeignet, werbliche Produktbeschreibung wie Produktvorteile erfordern über den Standard hinaus gehende Texte. Außerdem muss firmenspezifische Terminologie berücksichtigt werden.

Hürden bei der Einführung entstehen nicht zuletzt in der organisatorischen Umsetzung. Lokale Datensilos und verteilte Verantwortung erschweren die Implementierung. Der Aufwand zur Einführung ist zugegebenermaßen immens, jedoch angesichts steigender interner und externer Herausforderungen alternativlos.

Fazit und Ausblick

Weidmueller_1Steigende Anforderungen an Datenkomplexität, -qualität und -sicherheit erfordern ein neues, nachhaltiges Datenmanagement im Unternehmen: Eingebettet in das Produktlebenszyklusmanagement versorgt es das Unternehmen effizient mit Daten des digitalen Zwillings. Standards wie eCl@ss stellen dabei einen wichtigen Baustein dar, nur so wird die Komplexität beherrschbar.

Nicht zuletzt bietet das digitale Produkt neue datenbasierte Geschäftsmodelle, die bestehende Geschäftsmodelle rund um das eigentliche Produkt wertvoll erweitern können.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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