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Das Recruiting Dilemma (Teil 1)

Das Recruiting Dilemma (Teil 1)

Trendforscher Sven Gábor Jánszky erklärt uns in seinem Gastbeitrag, warum die Welt der Vollbeschäftigung für Unternehmen zur Katastrophe werden könnte. Warum stehen wir vor einem rasanten Wandel der Arbeitswelt? Auf dem kommenden HR Executive Circle 2017 in Frankfurt am Main wird Herr Jánszky die Opening Keynote zum Thema Arbeitswelten 2025 halten.

Sven Gábor Jánszky ist der Direktor des Trendforschungsinstituts „2b AHEAD ThinkTank“. Hier arbeiten Wissenschaftler und Strategieberater. Sie verstehen sich als der Business-ThinkTank mit dem größten Innovatoren-Netzwerk in der deutschen Wirtschaft. Sie leben die Mission, als Potenzialentfalter für ihre Kunden deren Geschäftsmodelle der Zukunft zu entwickeln. Der 2b AHEAD ThinkTank analysiert die Chancen und Risiken der Trendentwicklungen individuell für deren Geschäft. Herr Jánszky lehrte an verschiedenen Universitäten und hat heute Dozenturen im internationalen Masterstudiengang „Leadership“ an der Karlshochschule International University sowie an der Universität Leipzig. Jánszky ist ein gefragter Interview-Experte in Deutschlands wichtigen Wirtschaftsmedien zum Thema Innovationen und Trends und Keynotespeaker auf Strategietagungen und Kongressen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich in unserer Welt die Mitarbeiter bei den Unternehmen bewerben, und nicht die Unternehmen bei den Mitarbeitern? Schon die Frage kommt uns komisch vor, oder? Aber sie führt uns direkt in unsere Zukunft.

Die Antwort ist simpel. Es sind die Gesetze des Marktes. In einem Angebotsmarkt, also einer Situation mit mehr Angebot als Nachfrage, bewirbt sich das Angebot bei den Nachfragern. Diese haben die Macht der Wahl und die Macht, die Regeln und Preise zu bestimmen. Dies kennen wir, denn mit dieser Logik der Welt der Massenarbeitslosigkeit sind wir in den vergangenen Jahrzehnten aufgewachsen. Doch genau diese grundsätzliche Logik verändert sich: Der deutsche Arbeitsmarkt des Jahres 2025 wird ein Nachfragemarkt sein. Es wird mehr angebotene Jobs als arbeitende Menschen geben. Diese haben die Macht, die Regeln und Preise zu bestimmen. Vollbeschäftigung!

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich in unserer Welt die Mitarbeiter bei den Unternehmen bewerben, und nicht die Unternehmen bei den Mitarbeitern?

Was in einer solchen Situation des Mangels an Spezialisten geschieht, kennen wir alle aus dem Profifußball. Es gibt keine Stellenprofile mehr, keine Bewerbungsverfahren und Assessment-Center. Denn die Unternehmen bewerben sich bei den Menschen. Personalberater werden zu persönlichen Managern ihrer Stars. Und Unternehmen bieten nicht nur ihren Mitarbeitern ein „Corporate Life“ mit allen Vergünstigungen, sondern auch deren Familien. Genau dies wird in den kommenden zehn Jahren in nahezu allen Branchen in Deutschland geschehen.

Für die Unternehmen und ihre Führungskräfte bedeutet das einen rasanten Wandel ihrer Personalstrategien: Mitarbeiter werden bis 75 arbeiten wollen, Unternehmen werden betriebseigene Schulen gründen und Mitarbeiter an die Konkurrenz verleihen, heutige Personalchefs werden zu Chief Change Officers, Senior-Trainee-Programme und Unlearn-Strategien entstehen, und die Unternehmen werden ihre besten Mitarbeiter abstoßen, nur um sie zwei Jahre später wieder anziehen zu können.

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Vollbeschäftigung heißt: Dauerhaft 2-5 Millionen fehlende Arbeitskräfte

Zugegeben! Das klingt nach Science Fiction. Doch warten Sie mit Ihrem Urteil bitte noch fünf Minuten. Beginnen wir mit den Fakten: Der deutsche Arbeitsmarkt verliert in den kommenden zehn Jahren 6,5 Millionen Arbeitskräfte, weil die vielen Babyboomer in Rente gehen und die geburtenschwachen Jahrgänge nachkommen. In der Summe ergibt das über die kommenden Jahre dauerhaft eine nicht zu füllende Lücke an fehlenden Arbeitskräften. Die optimistischen Studien sagen eine Lücke von 2 Millionen voraus, die Pessimisten gehen von 5,2 Millionen aus. Um es einfach zu sagen: Wir werden erleben, dass bei ordentlich ausgebildeten Mitarbeitern jede Woche zweimal der Headhunter klingelt. Das ist für Mitarbeiter das Paradies. Sie bekommen mehr Macht und mehr Geld.

Aber für Unternehmen ist das eine Katastrophe. Ihnen droht, was wir im vergangenen Jahr schon einmal bei einem Stellwerk der Deutschen Bahn in Mainz gesehen haben. Dort haben über drei Wochen die Spezialisten gefehlt. Was war die Folge? Die Züge fuhren an Mainz vorbei. Das Produkt wurde also nicht produziert. Genau das droht in allen Branchen.

Bild: Silhouetten Geschäftsleute vor Weltkarte

Die neue Spezies der Arbeitswelt heißt: Projektarbeiter

Das Dilemma für die Unternehmen ist dabei nicht nur der Mangel an verfügbaren Mitarbeitern. Viel wichtiger wird sein, dass sich die Lebens- und Arbeitsweisen der Mitarbeiter durch ihr neues Machtgefühl wandeln. Die deutlichste Auswirkung wird nach unserer Prognose sein, dass die heute übliche „Anstellung auf Lebenszeit“ auf etwa 30  bis 40 Prozent der Gesamtarbeitnehmer zurückgeht.

Auf der anderen Seite entstehen etwa 30 bis 40 Prozentsogenannte Projektarbeiter. Diese sorgen für einen tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt. Denn die lassen sich nicht auf Lebenszeit anstellen, sondern nur für ein Projekt; also für maximal zwei bis drei Jahre. Danach wechseln die Projektarbeiter zumeist wieder das Unternehmen.

Sie kennen keine 38-Stunden-Woche, keine geregelte Kaffee- und Mittagspause, keine Hausschuhe im Büro, keine Prämie oder Lohnsteigerung aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit.

Diese Menschen sind Projektarbeiter. Sie kennen keine 38-Stunden-Woche, keine geregelte Kaffee- und Mittagspause, keine Hausschuhe im Büro, keine Prämie oder Lohnsteigerung aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit. Sie wechseln ihre Arbeitgeber oft und schnell und gehören zu jener „Creative Class“, nach der seit Richard Floridas Buch „The Rise of the Creative Class“ Politiker, Wirtschaftsförderer und Trendforscher suchen. Doch nicht ihre Kreativität charakterisiert jene neu entstehende Masse der Projektarbeiter, sondern ihre Arbeitsweise und ihr Verständnis der Arbeit als gestaltbares Element der Selbstverwirklichung in ihrer Patchworkbiografie. Nicht nur Partner, Kinder und Wohnorte werden zu Mosaiksteinen des individuellen Biografie-Patchworks sondern vor allem Jobs, Tätigkeiten und Projekte.

Patchwork wird zum prägenden Muster der Arbeitswelt

Die entstehenden Patchworkbiografien sind diesen Projektarbeitern keineswegs aufgezwungen. Zwar handelt es sich um genau jene Zustände, die die heutige Arbeitsmarktpolitik als prekär bezeichnet, doch prekär daran ist allenfalls, dass wesentliche Entscheidungsträger in der Gesellschaft das Bedürfnis einer großen Masse von Menschen nach dieser Projektarbeit übersehen. Der heutigen Arbeitsmarktpolitik liegt nach wie vor das lebenslange Arbeiten in einem Unternehmen als idealtypisches Muster zugrunde – ein Modell von gestern, das in den kommenden zehn Jahren Schritt für Schritt von der Praxis überholt werden wird.

Damit unterscheiden sich Projektarbeiter wesentlich von ihren Eltern und den Vertretern der klassischen Industrie- und Angestelltenkultur. Während es denen um den Aufstieg durch Hierarchiestufen und Lohngruppen ging, sind zentrale Treiber der neuen Projektarbeiter die persönliche Herausforderung und deren Verwertbarkeit auf dem Markt. Die TOP3-Entscheidungskriterien der künftigen Projektarbeiter für oder gegen Ihr Unternehmen lauten:

  • Ist das Projekt eine persönliche Herausforderung?
  • Hat das Projekt einen größeren Sinn für die Welt?
  • Arbeite ich im Projekt mit exzellenten Menschen zusammen?

Was bedeutet die Dominanz der Projektarbeiter für Unternehmen? Können Sie dem Recruiting Dilemma entkommen? Freuen Sie sich auf Teil 2 des Beitrags von Sven Gábor Jánszky, den wir nächsten Dienstag für sie veröffentlichen!

Verpassen Sie außerdem nicht die Keynote von Sven Gábor Jánszky auf dem HR Executive Circle 2017 am 20. und 21. Februar in Frankfurt am Main. Mehr zur Konferenz erfahren Sie auf unserer Veranstaltungswebseite

Zuletzt noch einige Empfehlungen zur Arbeit von Herrn Jánszky. Vielleicht ist ja etwas für Sie dabei?

Bücher und Studien zum Thema NEW WORK aus dem 2b AHEAD ThinkTank

Auf der Website unseres Trendforschungsinstituts stehen Ihnen Zukunftsstudien und Trendanalysen zu den verschiedensten Branchen und Themen kostenlos zur Verfügung. Bitte bedienen Sie sich an unserem Zukunftsbild und an den Strategieempfehlungen für Ihre Innovations-Strategien unter: http://www.2bahead.com/analyse/

Bilder: Franz Pfluegl | de.fotolia.com

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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