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Das Kraftwerk wird virtuell: So geht Zukunft in der Energiewirtschaft

Das Kraftwerk Wird Virtuell: So Geht Zukunft In Der Energiewirtschaft

Die Digitalisierung hinterlässt auch in der Energiewirtschaft Spuren. Es gibt viele neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die durch die neue Art der Vernetzung erst möglich werden. Ein Unternehmen, das hier angesetzt hat, ist Next Kraftwerke, eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas. Max Amir Dieringer hat uns erklärt, wie das Konzept funktioniert und welche weiteren Trends die Zukunft für Energieversorger bereithält.

Max Amir Dieringer ist seit Mitte 2018 bei Next Kraftwerke im Energiehandel als Trader tätig. Seine Aufgabenbereiche umfassen die handelsseitige Erschließung neuer Märkte, sowie die quantitativ-algorithmische Implementierung von Handelsentscheidungen. Der studierte Ökonom war zuvor als Investmentbanker im Wertpapierhandel tätig.

Max Dieringer

Max Amir Dieringer

Leistungen der Kraftwerke werden aggregiert

Next Kraftwerke betreibt eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas. Wie muss man sich das vorstellen?

LaptopWir schalten digital kleine und mittelgroße Energieproduzenten, Energiespeicher und Energiekonsumenten in unserem Next Pool zusammen und aggregieren deren Leistung. Das sind zum Beispiel Stromproduzenten wie Biogas-, Windkraft-, Photovoltaik-, KWK- oder Wasserkraftanlagen. Aber auch Stromverbraucher und Stromspeicher wie Power-to-Gas-Anlagen gehören dazu. Insgesamt sind das heute 5.400 Megawatt aggregierte Leistung, was etwa der Stromproduktion von zwei Kohlekraftwerken entspricht. Wir nutzen diesen Strom sowohl reaktiv als auch proaktiv. Reaktiv bieten wir die Lieferung von Regelenergie an die Übertragungsnetzbetreiber an, um das Netz zu stabilisieren; proaktiv optimieren wir die Produktion der Anlagen, indem wir sie entlang der Preissignale der Börse steuern. Die Idee dahinter ist: Strom produzieren, wenn die Preise hoch sind, weil es wenig Angebot gibt; Strom konsumieren, wenn die Preise niedrig sind, weil das Angebot hoch ist. So balancieren wir Schwankungen aus, die durch die volatile Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien entstehen und optimieren die Gewinne unserer Kunden.

Es lohnt sich, Strom dann zu produzieren, wenn er am Markt besonders gefragt ist.

Max Amir Dieringer | Trader | Next Kraftwerke

 

Es winken zusätzliche Einnahmen und Effizienz

Welche Vorteile ergeben sich daraus?

EnergieweltFür die einzelnen Anlagen ergeben sich daraus echte finanzielle Vorteile. Verursacht durch plötzliche Wetterschwankungen oder Schwankungen bei der Stromnachfrage können die Strompreise sehr unterschiedlich sein. Am Intradaymarkt ist der Tag zum Beispiel in 96 Blöcke à 15 Minuten aufgeteilt. Jeder Block hat einen eigenen Preis und der Preisunterschied zwischen den einzelnen Viertelstunden kann manchmal mehr als 50 Euro pro Megawattstunde betragen. Daher lohnt es sich, Strom dann zu produzieren, wenn er am Markt besonders gefragt ist. Wir gestalten dazu mit den Betreibern einen entsprechenden Fahrplan für die Anlage, um die Produktion oder den Verbrauch zu optimieren. Es ergeben sich aber auch andere Vorteile. Durch die optimierte Fahrweise erhalten die Anlagenbetreiber zusätzliche Einnahmen. Das macht Erneuerbare Energien wirtschaftlicher, was wiederum den Ausbau fördert und so die Energiewende vorantreibt. Durch die Bereitstellung von Flexibilität sorgen wir außerdem für mehr Effizienz, davon profitiert das System als Ganzes.

Daten, Daten, Daten

Mit dem Handel von Energie lässt sich viel Geld verdienen. Können Sie uns erklären, wie die Digitalisierung den Energiehandel beeinflusst?

steigende statistikDie Digitalisierung spielt eine entscheidende Rolle. Nur mit digitaler Technologie ist die Vernetzung der Anlagen und Verarbeitung der Daten in dem Maße möglich, wie wir es tun. Die Anlagen in unserem Pool sind in ganz Europa verteilt. Wir vernetzen sie digital über unsere Fernsteuereinheit Next Box und können die Daten dann nutzen, um die Anlagen optimal zu fahren. Dazu erstellen wir Fahrpläne und Prognosen über die einzelnen Anlagen und die Performance des ganzen Pools. In diese Berechnungen fließen Unmengen an Informationen ein. Es wäre unmöglich, das analog zu berechnen.

Chancen für die Zukunft

Welche Möglichkeiten hält die digitale Zukunft Ihrer Meinung nach noch für uns bereit? Was sind die großen Trends?

Automatisierter Handel ist sicher eines der großen Themen der Zukunft. Auch Next Kraftwerke nutzt teilweise die Möglichkeiten, die ein solcher automatisierter Handel bietet. Bei einem Portfolio von mehr als 6.400 einzelnen vernetzten Einheiten ist dies sinnvoll, um den system- und anlagenoptimalen Dispatch des Portfolios im Markt realisieren zu können. Insbesondere bei der Vermarktung von Strom aus Wind- und PV-Anlagen hilft ein teilautomatisierter Handel darüber hinaus beim Handel von Prognosekorrekturen, um Bilanzkreisabweichungen und daraus resultierende Ausgleichsenergierisiken zu minimieren.

Business Charts und Statistiken vor blauem HintergrundEine spannende, aber noch eine offene Frage ist außerdem, inwiefern Flexibilität auf Seite privater Haushalte zukünftig mit den Kurzfristmärkten gekoppelt werden kann. Es wird aber wohl noch einige Jahre dauern, bis umsetzbare Projekte im Bereich des IoT, die auf die eine oder andere Art und Weise hierfür notwendig sind, bis zur großflächigen, skalierbaren Implementierung marktreif sind.

In jeden Fall sind wir überzeugt davon, dass ein dezentrales Netz aus erneuerbaren Energieträgern gekoppelt mit einem effizienten Markt in der Konvergenz sogar besser funktionieren kann als das konventionelle System.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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