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Das Cappuccino-Modell der Niederlande

Das Cappuccino-Modell Der Niederlande

Nein, keine Angst, wir wollen heute nicht über digitalisierten Kaffee sprechen. Das Cappuccino-Modell der Niederlande bezieht sich nämlich nicht auf die Kaffee-Rösterei, sondern auf deren Rentensystem. Niederländische Rentner haben mittlerweile genauso viel Geld im Alter zur Verfügung wie zuvor als Arbeitnehmer. Wie das möglich ist und was Cappuccino damit zu tun hat, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.

Die Rente in den Niederlanden

Die Niederländer gehen nicht in Rente, sondern in Pension. Um Ihnen jedoch nicht ständig das Ferienhaus in Holland vor Augen zu führen, werden wir weiterhin in diesem Beitrag von Rente sprechen. Aktuell gehen die BürgerInnen in unserem Nachbarland mit 65 Jahren in Rente. Bis 2018 soll das Renteneintrittsalter jedoch auf 66 Jahre und bis 2021 sogar wie bei uns auf 67 Jahre angehoben werden.

Das Rentenmodell baut auf ein drei Säulensystem auf, das wir Ihnen näher erläutern und damit dem Cappuccino näher auf die Spur kommen:

Die Grundrente

Alle, die in den Niederlanden leben oder dort eine Lohnsteuer gezahlt haben (oder freiwillig versichert waren), haben Anspruch auf die AOW (Algemene Ouderdomswet). Diese Grundrente leitet sich von dem gesetzlichen Mindestlohn ab und beträgt für Alleinstehende 70 Prozent und für (Ehe)Paare 50 Prozent des Mindestlohns. 2016 waren das im Monat 1.138 Euro für Alleinstehende und 784 Euro pro (Ehe)Partner. Diese Höchstrente wird nach 50 Jahren erreicht.

Vorteil dieser Grundrente ist, dass nicht nur Erwerbsarbeit, sondern auch unbezahlte Leistungen wie die Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen dabei honoriert wird.

Rente

Die (obligatorische) betriebliche Altersvorsorge

Die zweite Säule des Rentensystems bildet die betriebliche Altersversorgung. Diese ist auf die Erwerbsbevölkerung ausgerichtet und ein Quasi-Obligatorium, sodass es nicht überrascht, dass 90 Prozent aller Beschäftigten die bAV nutzen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur 30 Prozent!

Die Finanzierung der betrieblichen Altersversorgung erfolgt meist zu zwei Dritteln durch den Arbeitgeber und zu einem Drittel durch den Beschäftigten. Wenn das Alter von 60 Jahren erreicht wird, haben Erwerbstätige mit dieser zweiten Säule des Rentensystems eine Versorgung von 70 Prozent des zuletzt bezogenen Gehaltes.

Die Pensionsfonds der bAV

In den Niederlanden gibt es drei Arten der Pensionsfonds:

Branchenpensionsfonds

Ein Fond für eine gesamte Branche, wie Einzelhandel, Bau und Beamte.

Unternehmenspensionsfonds

Ein Fond für eine einzelne Firma oder einen Konzern

Pensionsfonds für Freiberufler

Ein Fond, der vor allem für medizinische Fachkräfte oder Zahnärzte relevant ist.

Diese drei Pensionsfonds sind finanziell und rechtlich von den Unternehmen getrennt und nicht gewinnorientiert. Finanzielle Probleme der Unternehmen haben damit keine direkten Folgen für die finanzielle Lage des jeweiligen Pensionsfonds.

Die Solidarität der niederländischen bAV

Alle Niederländer, ob Männer oder Frauen, jung oder alt, zahlen den gleichen Beitrag für die betriebliche Altersversorgung. Individuelle Unterschiede werden hierbei nicht berücksichtigt, sodass eine Solidargemeinschaft unter den Mitgliedern entsteht.

Die private Rentenversicherung

Die dritte und letzte Stufe des Rentenmodells bildet die private Altersvorsorge über beispielsweise Lebensversicherungen. Diese wird von etwa 20 Prozent der Arbeitnehmer genutzt. Und mit dieser Sahnehaube erreichen niederländische Rentner 100 Prozent Ihres Einkommens.

Und jetzt verstehen Sie sicherlich auch das Cappuccino Modell: Die Grundrente bildet den Kaffee, die bAV die Milch und die private Altersvorsorge die Sahnehaube.

Kaffee
Der Kaffee als Grundrente
Milch
Die Milch als bAV
Sahne
Die Sahne als private Altersversorgung

In Deutschland deckt hingegen die gesetzliche Rente gerade noch 50 Prozent des Gehaltes ab. Mit einer Zusatzversicherung kann die Rente auf circa 65 Prozent aufgestockt werden. Eine Grundrente können Sie zwar nicht einführen, Sie können es Ihren Mitarbeitern jedoch erleichtern, die betriebliche Altersversorgung zu nutzen!

Und wer weiß, vielleicht findet die Politik bald doch noch eine Lösung, um die Alterssicherung in Deutschland noch etwas gerechter zu gestalten und Altersarmut zu minimieren.

Für alle, die es interessiert: Die Nummer eins des Mercer’s Global Pensions index ist Dänemark.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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