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Chancen und Herausforderungen der CRR II und Basel IV

Chancen Und Herausforderungen Der CRR II Und Basel IV

Mit der Finalisierung von Basel III – genannt Basel IV – hat der Baseler Ausschuss die Risikomessverfahren, insbesondere für Markt-, Kredit-, Kontrahenten und operationelle Risiken, zur Ermittlung der Mindesteigenmittelanforderungen neu geregelt. Die Umsetzung in Europa erfolgt in einer ersten Stufe über die CRR II, seit dem 27.06.2019 gültig ist. Für uns hat Thorsten Gendrisch anläßlich des Inktrafttretens die aktuellen Entwicklungen eingeordnet. 

Thorsten Gendrisch ist Geschäftsführer bei der 1 PLUS i GmbH in Nürnberg und als Referent sowie im Consulting für bankenaufsichtsrechtliche Fragestellungen tätig. Als Senior Berater unterstützte er zuvor Institute in den Bereichen Neue Produkte, Handelsbuchinstitute und Implementierung von internen Modellen für die Eigenmittelunterlegung. Darüber hinaus arbeitete er als Senior Market Risk Controller bei der Rabobank International in Frankfurt und London, sowie als MarketMaker für Indexderivate an der DTB/EUREX und SOFFEX. Thorsten Gendrisch ist Referent und Autor von einer Vielzahl von Zeitschriften- und Buchartikeln sowie Mitherausgeber eines Handbuches, die sich mit den oben angeführten Themengebieten beschäftigen.

Thorsten Gendrisch

Thorsten Gendrisch

Herr Gendrisch, welche Motivation stecken hinter den aufsichtlichen Neuerungen? 

Ausgangspunkt der Anpassungen im Aufsichtsrecht für Institute ist die Finanzmarktkrise, die bereits vor über 10 Jahren Ihren Beginn gefunden hat. Damals gab es Verwerfungen innerhalb des Finanzsektors, die man bislang nicht gesehen und auch nicht in dieser Dimension erwartet hatte.

Bankenaufsicht

Bei der Umsetzung der Lehren, die aus dieser Krise gezogen wurden, hatten die Bankenaufseher bislang primär den schnellen Weg beschritten, indem vor allem die Größenordnungen für die Unterlegung der Risiken mit Eigenmitteln (die sog. Eigenmittelquoten) erhöht wurden. Die jetzigen (oder noch im späteren Verlauf geplanten) Regeln fokussieren sich mehr darauf, die Risiken adäquat zu ermitteln. Man spricht deshalb auch von der „Finalisierung des Basel III Reformpaketes“. Aber selbst mit dem Inkrafttreten der Regelungen (dem sog. Bankenpaket) in der EU sind noch nicht alle Änderungen sofort umzusetzen, sondern werden stufenweise eingeführt. Einzelne Aspekte sind auch noch nicht final bzw. sogar erst im Diskussionsstatus. So hat beispielsweise die „adäquate“ Risikounterlegung von Staatsanleihen der EU-Mitgliedsstaaten, die bei vielen Instituten noch in den Büchern liegen, eine hohe politische und wirtschaftliche Brisanz. Diese Papiere erfordern aktuell quasi keine Eigenmittelunterlegung (sind also als „risikolos“ definiert), während gleichzeitig eine in der Realität vorhandene Ausfallwahrscheinlichkeit im Falle einer Berücksichtigung bei der Eigenmittelunterlegung zu höheren Zinskosten für die Regierungen (die allerdings auch gleichzeitig über die Einführung dieser Regelungen entscheiden) führen würden.

Kurzum: das Thema Bankenaufsicht wird auch in den kommenden Jahren, in denen die Anforderungen zu entwickeln und umzusetzen sind, alles andere als langweilig sein.

Wie schätzen Sie die Neuerungen bei Marktrisiko (FRTB) und Kontrahentenausfallrisiko (SA-CCR) ein?

Die beiden Aspekte sind, abgesehen von noch zu klärenden Feinheiten bei der Marktrisikomessung, die Kernelement der Novelle der Vorgaben für die Eigenmittelunterlegung (die sog. „CRR II“). Dabei werden die bislang eher einfachen Standardmethoden, die zumeist mit Multiplikation und Addition auskommen, auf eine neue Komplexitätsebene gehoben. Insbesondere spielen zukünftig (vermehrt) Portfoliobetrachtungen und Korrelationen eine Rolle, die seitens der Aufsicht vorgegeben werden.

Marktrisiko

In der Konsequenz benötigen die Meldewesenspezialisten und Berater nicht nur Produkt- und Prozesskenntnisse; es wird vielmehr auch ein Grundverständnis für mathematische Zusammenhänge deutlich wichtiger, um die neuartige Berechnung und Bedeutung der Änderungen nachvollziehen zu können. Gleichzeitig werden, über die bereits bekannten Erleichterungen hinaus, weitere Grenzen eingezogen, die eine vereinfachte Berechnungsroutine erlauben. Die Aufsicht in Europa trägt damit dem häufig geforderten Proportionalitätsprinzip Rechnung. Der Effekt ist, dass die vollumfängliche Anwendung nur für Institute notwendig ist, die auch ein entsprechend bedeutendes Portfolio an relevanten Geschäften und Produkten besitzen.

Welche Schritte müssen die Institute nun ergreifen?

Hier gibt es zwei wichtige Ansatzpunkte, deren Grundlage eine Gap-Analyse des relevanten Umfangs der berücksichtigungspflichten  Neuerung darstellen muss. Dabei spielen selbstverständlich die in der vorherigen Frage genannten Erleichterungen eine große Rolle. Diese Überprüfung kann durchaus auch dazu führen, dass bisherige geschäftspolitische oder auch prozessuale Vorgehen auf Ihre Sinnhaftigkeit hinterfragt werden. Wenn sich beispielsweise durch eine kleine Änderung eine wesentliche Erleichterung ergeben würde, kann es zweckmäßig sein, diese umzusetzen.

Zurück zu den Ansatzpunkten: einerseits müssen selbstverständlich die relevanten Neuerungen in die Systeme der Bank „hineingetragen“ werden. Es gilt die IT anzupassen und die dazugehörigen Regelungen sowie Prozesse zu konzipieren, zu implementieren und letztendlich zu testen. Selbst bei Einsatz einer vermeintlichen „Standardsoftware“ ist es unvermeidlich, die Korrektheit für die eigenen Besonderheiten des Instituts zu überprüfen.


Auf der anderen, nicht weniger wichtigen Seite, müssen die Mitarbeiter fit gemacht werden, damit sie die Neuerungen und Anpassungen kennen, verstehen und vor allem anwenden können. Gemeinsam mit Fachexperten können gerade bei dieser Gelegenheit potentielle Wahlmöglichkeiten oder aber auch auslegungswürdige Sachverhalte diskutiert und abgeklärt werden, so dass nicht nur eine anforderungsadäquate, sondern auch eine sinnvolle und ressourcenschonende Umsetzung vorgenommen wird. Da sich hieraus wiederum wichtige und auswirkungsintensive Aspekte für die Implementierung ergeben, sollte der Zeitpunkt nicht zu spät gewählt werden.

Generell sollten die Neuerungen nicht nur als eine weitere Bürde gesehen werden, sondern vielmehr als Chance, aktiv und zielgerichtet die Anforderungen im eigenen Institut optimal zu integrieren.

Neue Vorgaben durch die Bankenaufsicht

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