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Corporate Learning in der Praxis

Corporate Learning In Der Praxis

Wie kann das Thema Corporate Learning in der Praxis aussehen? Darüber sprachen wir mit Hans-Peter Maas, HR Expert Development und Training bei Endress+Hauser. Er beschäftigt sich seit 15 Jahren mit modernen Lehr- und Lerntechnologien – und das in einem Unternehmen, das mit industriellen Messgeräten, Automatisierungslösungen und Verfahrenstechnik Produkte entwickelt, die man durchaus als „komplex“ bezeichnen darf. Herr Maas war so freundlich, mit uns in einem Telefon-Interview über die verschiedenen Corporate Learning Ansätze in seinem Unternehmen zu sprechen. Genauere Informationen zu den Lehr- und Lernpraktiken des internationalen Konzerns wird er zudem auf unser Corporate Learning Forum am 7. und 8. März in Frankfurt am Main mitbringen.

Hans-Peter Maas ist seit 1991 bei Endress+Hauser Messtechnik GmbH+Co. KG in Weil am Rhein tätig. Seiner aktuellen Position als Manager Training + eLearning und HR Expert Development & Training, gingen die Position als Leiter der E+H-Akademie zur Weiterbildung von Mitarbeitern und Kunden sowie die Tätigkeit als Produktmanager Durchflussmesstechnik + Trainer von Mitarbeitern und Kunden für Produkte- und Applikationen voraus. Seit 1992 ist Herr Maas Gastreferent und Moderator im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Seinem Abschluss als Dipl.-Ing. Chemie folgen ein berufsbegleitendes Studium zum „Experten für neue Lehr- und Lerntechnologie“  (ENLT), sowie ein Aufbaustudium zum „Certfied European eLearning Manager“ (CELM).

Von der Industrie 4.0 zu einer Bildung 4.0

Die intelligente Entwicklung ebenso intelligenter Produkte und Lösungen stehe im Fokus bei Endress+Hauser. „Für wen die Industrie 4.0 derartig zentral ist, der muss auch das Thema Arbeitswelt 4.0 im Auge behalten und sich fragen: Kommen wir in dem Thema überhaupt hinterher?“ erklärte uns Herr Maas. Die Weiterentwicklung eben dieser Arbeitswelt dürfe keine nachgeordnete Frage sein, sondern sie müsse Schritt halten mit dem Rest der Organisation. Auch deshalb setze Endress+Hauser beim Thema Corporate Learning einen besonderen Schwerpunkt. Mittlerweile gebe es in seinem Unternehmen über 50 web-based Trainings, die bei den Mitarbeitern sehr beliebt seien. Aber auch mit den Themen Videotrainings und Virtual Classroom werde gearbeitet.

Cloud Computing

Zu weiteren Zukunftstrends beim betrieblichen Lernen hatte Herr Maas hingegen sehr differenzierte Ansichten:

Mit dem Thema Mobile Learning zum Beispiel befasse man sich zwar schon, „aber das ist noch nicht so interessant und wird eher am Rande betrieben.“ Schließlich seien die Lerntechnologien am PC schon viel weiter und bieten bisher mehr und bessere Möglichkeiten. Erhebliches Potenzial sah er beim Thema KI-basierter digitaler Coaches, also smarten Coaching-Anwendungen, die durch dynamische Anpassungen immer genauer auf die Bedarfe ihrer Nutzer eingehen.

Letztlich sei auch das Thema VR zwar sehr interessant, vor allem für den Service-Bereich. „Jedoch ist das bisher eher ein Thema für den Consumer-Markt, zum Beispiel im Bereich Videospiele. Es gibt zwar schon schöne Anwendungen, die auch für die Industrie geeignet sind, aber den Aufwand diese zu produzieren darf man nicht unterschätzen.“ Man könne dafür zwar an spezialisierte Agenturen herantreten, müsse sich aber auch auf entsprechende Kosten einstellen.

Virtual Reality

Intern oder extern? Wer produziert die Lerninhalte?

Die Investitionen in Lerninhalte spielten in unserem Gespräch insgesamt eine wichtige Rolle. Denn ob web-based Training oder Learning Nugget, die Lerninhalte müssen ja für die neuen Lernformen aufbereitet werden. Und das ist mitunter kein kleines Projekt.

Man müsse nicht in jedem Fall viel Geld investieren, erklärte uns Herr Maas. In bestimmten Fällen sei das aber sehr sinnvoll und könne mit Augenmaß gemacht werden. Er illustrierte das am Beispiel der web-based Trainings bei Endress+Hauser. Die ließ man nämlich durch eine externe Agentur entwickeln. Der wichtigste Grund dafür war, dass es in der Branche eine größere Menge an Lerninhalten gibt, die sich langfristig nicht fundamental verändern werden. Da diese aber durchaus komplex und erklärungsbedürftig seien, habe es sich gelohnt, für ihre Aufbereitung Experten ins Boot zu holen, die sich mit Lehrmethoden und Didaktik auskennen und Inhalte entsprechend aufbereiten konnten. Die mittlerweile über 50 Trainings werden auch gut von der Belegschaft angenommen, was sich vor allem an den Nutzerzahlen zeige. Für so ein langfristiges Projekt könne man ruhig auch investieren.

„Bei Produktlaunches ist das natürlich anders.“ führte Herr Maas weiter aus. Denn hier ergeben sich fortlaufend Neuerungen; und eine externe Produktion von Lerninhalten sei dafür zu aufwändig und zu teuer. Das mache man stattdessen intern, genauer über das Produktmarketing. „Denn da sitzen Experten, die die Produkte genauso gut kennen, wie die internen Zielgruppen der Lernangebote.“ Aus den Produktcentern komme hochwissenschaftliches Material, dessen Funktionen in passende Informationen für Vertrieb oder Service übersetzt werden müssen. Handwerklich könne man solche Inhalte heute sehr einfach intern produzieren, denn selbst Tools zum Aufbereiten von Videos seien günstig zu haben und einfach bedienbar. Es lohne sich aber, die Ergebnisse ab und an durch jemanden kontrollieren zu lassen, der sich im Thema Didaktik auskenne.

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Corporate Learning bei Endress+Hauser: Vom Klassenraum in den Betrieb

Ähnlich differenziert geht man bei Endress+Hauser an die Praxis des Corporate Learning. Das klassische Präsenztraining habe man nicht etwa durch neue Technologien ersetzt, sondern ergänzt. Es sei eingebettet in einen Blended Learning Ansatz. Bei dem werden die Inhalte weiterhin auch in Schulungen vermittelt, aber sie werden ebenfalls direkt am Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt. Das bedeutet einerseits, dass sie nach einer Schulung bei Bedarf abgerufen werden können, wenn ein Mitarbeiter sie benötigt. Aber das bedeutet zum Beispiel auch, dass Kollegen schon mit Vorkenntnissen zum Präsenztraining erscheinen, die sie sich bereits angeeignet haben. Das hebe die Effektivität von Schulungen ebenfalls nochmal.

Natürlich sei dafür eine Sache enorm wichtig: Die Kompetenz der Mitarbeiter, selbständig zu lernen. In einem modernen Unternehmen, das das Thema Lernen direkt an den Arbeitsplatz bringt, sei das womöglich die wichtigste Kompetenz, die ein Arbeitnehmer haben kann. Natürlich sei es ein Prozess, die Mitarbeiter dorthin zu bringen. Und den möchte man bei Endress+Hauser vor allem über die Führungskräfte vorantreiben. „Die Führungskraft muss verstehen: Was für eine Lernkultur haben wir? Wie kann ich Mitarbeitern Raum fürs Lernen schaffen? Schließlich sind wir Menschen, keine Maschinen.“ führte Herr Maas aus. Es sei wichtig, Führungskräfte oder ausgewählte Mitarbeiter zu „Lerncoaches“ zu machen, die die einzelnen Lerner in den Abteilungen in den Lernprozess einführen und ihnen zur Seite stehen, wenn sie Hilfe benötigen. Um Mitarbeiter und Führungskräfte dahin zu bringen, werden derzeit Personalentwicklungskonzepte entwickelt, die regional angetestet werden sollen. Erfolgreiche Beispiele sollen dann auch bundesweit ausgerollt werden.

Bild: Studenten und junge Erwachsene sitzen mit verschiedenfarbigen Büchern in einer Reihe auf Stühlen

Nicht jeder lernt gleich

Beim Corporate Learning Forum wird Herr Maas einen kritischen Blick auf das Thema 70:20:10 werfen, der ebenfalls das Thema Selbstlernkompetenz aufgreift. Zwar sei die alte Formel von Lombardo im Grunde genommen richtig, aber sie setze voraus, dass die Mitarbeiter in puncto Lernen kompetent sind. Das könne man nicht bei jedem Lerner voraussetzen, sondern es brauche eine differenziertere Herangehensweise, um bei jedem einen guten Lernerfolg zu erzielen. In seinem Vortrag auf dem Corporate Learning Forum am 7. und 8. März in Frankfurt am Main möchte er daher unter anderem einen Vorschlag für eine alternative Herangehensweise unterbreiten.

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Rückblick Corporate Learning Forum 2017

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Bilder: Rawpixel.com | de.fotolia.com, Halfpoint | de.fotolia.com, Julien Eichinger | de.fotolia.com

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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