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Compliance und Betriebsrat: Wir haben konkrete Antworten auf die wichtigsten Fragen

Compliance Und Betriebsrat: Wir Haben Konkrete Antworten Auf Die Wichtigsten Fragen

In Sachen betrieblicher Mitbestimmung und bei Compliance-Projekten kommt der Betriebsrat oft ins Spiel, was in manchen Fällen für Konflikte sorgt. Ein erfahrener Betriebsratsvorsitzender, Manfred Glaser, hat uns im Interview aus seinem Alltag berichtet, worin die Ursache für Unstimmigkeiten liegt und wie Sie Ihre Zusammenarbeit im Rahmen von Compliance-Regelungen zum Erfolg führen können.

Manfred Glaser ist Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der JOST-Werke Deutschland GmbH, dem zentralen Unternehmen der JOST-Werke AG. Er wurde erstmals 2006 in den Betriebsrat gewählt und ist seit 2015 freigestellter Vorsitzender am Standort der Unternehmenszentrale des Mittelständlers in Neu-Isenburg. Als Mitglied im Konzernbetriebsrat, Sprecher im Wirtschaftsausschuss und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der GmbH laufen bei ihm die Strippen der Mitbestimmung zusammen. In der Zeit vor der Freistellung hatte Manfred Glaser als Gruppenleiter im Einkauf Führungsverantwortung und als weltweiter Produktgruppenverantwortlicher maßgeblichen Einfluss auf die Beschaffungskosten.

Betriebsrat und Führungsebene: Oft kommt es zum Interessenkonflikt

Der Betriebsrat wird von vielen Führungskräften leider als negativer Einflussfaktor für Fortschritt angesehen. Worin liegen Ihrer Meinung nach die meisten Konflikte?

VideokonferenzKonflikte haben oft den Hintergrund, dass entweder nicht miteinander gesprochen wird oder man sich zumindest nicht versteht. Vorgesetzte – besonders die oben in der Hierarchie – sind meist nicht gewohnt, ihre Ideen anhand der Fragestellungen von Arbeitnehmervertretern zu erklären oder zu hinterfragen. Und ein Betriebsrat, der nicht eingebunden ist oder die Fortschritte, die mit den Änderungen erzielt werden sollen, nicht versteht, der wird eher dagegen sein und blockieren. Leider bewerten Führungskräfte aber auch zu oft Veränderungen zu Lasten der Beschäftigten als Fortschritt und somit positiv. Das kann kein Betriebsrat unwidersprochen mittragen.

Kommunikation ist alles

Wie würden Sie sagen, kann die Arbeit zu einem konstruktiven Miteinander werden? Haben Sie ein paar konkrete Tipps aus der eigenen Erfahrung?

Man muss miteinander reden. Versuchen, dass das Gegenüber die Hintergründe des eigenen Standpunkts versteht. Dann kann man nach Gemeinsamem und guten Kompromissen suchen. Ich hatte die gute Startposition, dass ich als Gruppenleiter und Betriebswirt bei den Vorgesetzten nicht als „Gegner“ vorbelegt war. Wir kannten uns, vertrauten uns und verstanden uns. Wer diesen Bonus nicht hat, sollte versuchen bei möglichst vielen Anlässen im Unternehmen mit Vorgesetzten im normalen Geschäft in Kontakt zu kommen. Das hat auch den Vorteil, dass man viele Informationen so nebenbei bekommt und dann an der richtigen Stelle verfügbar hat.

Compliance und Betriebsrat

Wie sieht es im Zusammenhang mit Compliance aus? Warum ist hier ein so großer Redebedarf?

Digitalisierung, Virtual Reality, VernetzungCompliance ist für Betriebsräte etwas völlig Normales. Wir halten Gesetze und Regeln ein? Wir handeln moralisch, sind ehrlich? Ja. Was ist daran Besonders?! Die Arbeitgeberseite hat damit aus unserer Sicht oft die viel größeren Probleme. Und jetzt sollen wir, sollen unsere Kolleginnen und Kollegen in die Pflicht genommen werden? Aus der Sicht der Betriebsräte sollten die Eigentümer, die Vorstände, Geschäftsführer und Bereichsleiter mit gutem Beispiel vorangehen, sich verpflichten oder noch besser sich einfach so an die vorhandenen Regeln halten und sich anständig benehmen. Wenn Regeln für Compliance nicht auch formal die oberste Heeresleitung mit verpflichtet, dann sind diese Regeln für die Katz‘.

Wann und wieweit müssen Compliance-Regelungen überhaupt abgesprochen werden?

Immer dann, wenn die Regeln das Ordnungsverhalten der Beschäftigten im Betrieb berühren. Also wenn ohne konkreten Bezug zur Arbeitsaufgabe die Fragestellung „was hab‘ ich zu tun, was hab‘ ich zu lassen“ geregelt wird. Dann treffen sie das stärkste Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats. Hier ist keine Regelung ohne oder gegen den Betriebsrat haltbar. Wenn Compliance-Regeln so unverbindlich und verschwommen sind, dass sie dieses Mitbestimmungsrecht nicht treffen, dann sind diese Regeln reine Feigenblätter und theoretisch mitbestimmungsfrei. Aber auch dann hätte die Leitung oft gerne die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat, um die Regeln intern zu vermarkten. Und wenn dieser Wunsch besteht, dann sollten die Regeln gemeinsam erarbeitet worden sein, sonst wird es mit der Unterstützung von Betriebsratsseite meist dünn.

Kommen wir also zum Nähkästchen

Welche Erfahrungen haben Sie aus der Praxis, die man besser machen kann?

Verhandeln, Team, Projekt, ZusammenarbeitWir hatten eine sehr gute Compliance-Managerin, die Praxis und Theorie der Compliance sowie die Einbindung der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter in den Prozess verinnerlicht hat. Gemeinsam mit ihr haben Beschäftigte und Vorgesetzte – begleitet vom Betriebsrat – sinnvolle, umfassende, zum Unternehmen passende Regeln definiert. Und dann kam der Moment, an dem die oberste Heeresleitung diese Regelungsumfänge hätte verabschieden müssen. Was glauben Sie, was passiert ist? Ja, so etwas gibt es wirklich. Jetzt haben wir Compliance-Regeln, die gut als reine Feigenblätter dienen können, niemandem wehtun, uns aber auch kein Stück weitergebracht haben. Das Vertrauen in die Leitung ist dadurch nicht größer geworden.

Wann darf, wann sollte, wann muss der Betriebsrat mitreden?

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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