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Knapper Wohnraum macht erfinderisch – Wohnen über Bahngleisen am Clarenbachplatz Köln

Knapper Wohnraum Macht Erfinderisch – Wohnen über Bahngleisen Am Clarenbachplatz Köln

Not macht erfinderisch: Wie bei diesem Wohnbauprojekt in Köln. Auch in der Rheinmetropole fehlt es an Wohnungen – gleichzeitig gibt es immer noch ungenutzte Flächen. Eins dieser Grundstücke war der Clarenbachplatz in Köln-Braunsfeld. Eine Güterzug-Bahnstrecke machte den Platz bislang unbebaubar. Bis Anton Bausinger auf eine Idee kam. Wir haben über dieses bislang einmalige Wohnprojekt mit ihm gesprochen.

Anton Bausinger ist Geschäftsführender Gesellschafter der Kölner Bauunternehmung Friedrich Wassermann GmbH & Co. KG, die seit über 111 Jahren im Hoch- und Tiefbau sowie seit zwei Jahrzehnten auch mit eigenen Projektentwicklungen aktiv ist. Der studierte Architekt (RWTH Aachen) übernahm nach Stationen in einem Architekturbüro und Bauleitertätigkeiten 1990 zunächst die Leitung der Niederlassung der Bauunternehmung Friedrich Wassermann in Meerbusch, ehe ihm sein Vater im Jahr 2000 die Verantwortung für das gesamte mittelständische Kölner Familienunternehmen in nunmehr vierter Generation übertrug. Besonders anspruchsvolle Projekte wie die Pionierarbeit am Clarenbachplatz sind eine Leidenschaft des Kölner Unternehmers.

Bauprojekt Clarenbachplatz in Köln-Braunsfeld: Wohnen über Schienen

Herr Bausinger: Sie realisieren in Köln ein deutschlandweit einmaliges Wohnprojekt. Was ist das Besondere an Ihrem Vorhaben?

Am Clarenbachplatz in Köln-Braunsfeld überbauen wir auf einer Länge von rund 160 Metern eine aktive Güterbahntrasse mit 67 Wohnungen. Das ist in der Tat ein Pionierprojekt. In der chinesischen Metropole Chongqing fährt zwar auch schon eine Zug durch ein Wohnhaus, sogar in der 8. Etage. Aber der Unterschied ist, dass unter den Wohnungen am Clarenbachplatz Güterzüge mit Gefahrgütern fahren werden und nicht „nur“ eine Straßenbahn wie in China.Clarenbachplatz Projekt Köln

Wie sind Sie auf diese, auf den ersten Blick verrückte, Idee gekommen?

Den ersten Gedanken, das Grundstück zu bebauen, hatte ich schon vor fast 20 Jahren. Es liegt mitten im Stadtteil Braunsfeld in bester Lage, war allerdings mindergenutzt und gerade in dieser zentralen Lage ein „Unraum“. Nur: Es ist zwar langgestreckt, aber schmal wie ein Handtuch und die Güterbahn noch obendrauf. Eine Bebauung rechnete sich einfach nicht. Dann kam mir die zunächst von vielen belächelte Idee, die Gleistrasse mit zu nutzen und die Züge durch die Wohnhäuser fahren zu lassen.

Die Sicherheitsanforderungen für so ein Projekt müssen doch enorm sein?

Bei einem solchen Projekt sind Schutz und Sicherheit der künftigen Nutzer natürlich oberstes Gebot. Deshalb haben wir im Rahmen des Bebauungsplan- und Genehmigungsverfahrens eine nachweislich funktionierende, technisch höchst anspruchsvolle und innovative Lösung entwickelt, die umfassende Schutzmaßnahmen für die künftigen Nutzer des Gebäudeensembles und der Anwohner vorsieht. Da ist eine Menge Entwicklungsarbeit von uns geleistet worden: Vom Schall- und Vibrationsschutz über die Gebäudestatik mit extremen Vorkehrungen zum Anprallschutz und vor allem mit enormen Brandschutzmaßnahmen. Erfahrungswerte gab und gibt es ja nicht. Aber unser Projekt funktioniert, das haben alle Genehmigungsbehörden nach intensiver Prüfung bestätigt.

Angesichts des Wohnungsmangels sind neue Ideen gefragt

Glauben Sie, dass Ihr Projekt am Clarenbachplatz auch Vorbildcharakter haben kann?

Unser Projekt hat großes Interesse geweckt, nicht nur in den Medien, sondern auch bei anderen Projektentwicklern. Angesichts der Flächenknappheit in den Metropolen muss sicherlich geprüft werden, wo, ob und wie Grundstücke aktiviert werden können, die bislang als „unbebaubar“ galten. Das gilt auch für Flächen links, rechts und eben auch über Bahngleisen. Dass es innovative technische Lösungen für solchen Flächen geben kann, die auch noch wirtschaftlich darstellbar sind, beweisen wir ja gerade. Entscheiden kann man das aber nur im konkreten Einzelfall. Und eines ist auch klar: Bei der Minderung des Wohnungsmangels werden solche Vorhaben nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sein können.

Nachverdichtung allein hilft nicht – Forderungen an die Kommunen

Was muss denn Ihrer Ansicht nach getan werden, um deutlich mehr Wohnraum in Metropolen wie Köln zu schaffen?

Nach den jüngsten Statistiken der Stadt Köln geht die Zahl der Wohnungsfertigstellungen in der Domstadt ja nach oben. 2018 waren es knapp 4.000 gegenüber 2.100 Wohneinheiten im Jahr zuvor. Die Ziellinie liegt aber bei 6.000 Wohnungen pro Jahr, um wirksam etwas gegen den Wohnungsmangel zu tun und auf das Einwohnerwachstum angemessen zu reagieren. Das Delta ist also noch groß.

Die Nachverdichtung in den Zentren stößt inzwischen an Grenzen. Die vieldiskutierte Überbauung von Parkplätzen und Discountern könnte zwar einen Beitrag leisten, bei dem allerdings sorgsam auf die städtebauliche Qualität geachtet werden muss. Wichtig ist vor allem, dass Kommunen Flächen für ganz neue Quartiere an der Peripherie bereitstellen. Zudem brauchen wir endlich schnellere Genehmigungsverfahren. In Köln wird zwar schon seit langem von Beschleunigungsmaßnahmen geredet, passiert ist aber wenig. Das hemmt den dringend nötigen Wohnungsbau ungemein. Und der Vorschriften- und Auflagen-Dschungel, der das Bauen teuer und unattraktiv macht, muss endlich gelichtet werden. Baurecht darf kein Bauverhinderungsrecht sein, hinter dem sich Behörden „verschanzen“.

Verdichtung in Köln – Chancen und Grenzen

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Silke Ritter

Wie werden wir künftig leben und arbeiten? Dieser Frage gehe ich hier im Blog nach. Seit 2012 gehöre ich zum Management Circle-Team, zuvor habe ich nach meinem Germanistik-Studium in der PR-Branche gearbeitet. Als Teil der #GenerationY weiß ich nicht nur um die Wichtigkeit von Hashtags und gutem Content, sondern wünsche mir mehr Mut in Unternehmen für die Digitalisierung. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Themenvorschläge!

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