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Brexit: Folgen für den EU-Emissionshandel?

Brexit: Folgen Für Den EU-Emissionshandel?

Die Sorgen der Anleger um die wirtschaftliche Zukunft Europas ist groß. Seit klar ist, dass die Briten aus der EU austreten, ist es turbulent an der Börse. Gleichzeitig fällt das Pfund auf einen historischen Tiefstand. Bei alldem oft übersehen: den größten Preisverfall gab es nach dem Brexit woanders! Denn der Preis für CO2-Zertifikate, die im Rahmen des EU ETS (Emission Trading System) gehandelt werden, fiel so stark wie seit 27 Monaten nicht mehr. Derzeit (Stand 5. Juli 2016) liegt er noch bei 4,85 Euro je Zertifikat. Gegen Jahresanfang waren es 9 Euro. Ist der Brexit nun eine Gefahr für den EU-Emissionshandel? Eine wichtige Frage, denn dieser ist ein wichtiges Klimaschutzinstrument der EU und auch von Bedeutung für deutsche Unternehmen, die bisher vom Handel profitieren konnten.

Sinn und Zweck des Emissionshandels

Der europäische Emissionshandel ist dazu da, den europaweiten CO2-Aussstoß zu senken, ohne das große Kosten für die Volkswirtschaft entstehen. Um das zu erreichen, ist für Unternehmen eine Höchstgrenze für ihre jährlichen Emissionen festgelegt worden. Wer mehr emittiert, muss entweder Energie spare oder Zertifikate kaufen. Die Emissionszertifikate berechtigen pro Stück zum weiteren Ausstoß von einer Tonne CO2. Jedes Jahr gibt die EU eine begrenzte Menge gültiger Zertifikate aus, die aber auch jährlich um 1,74 Prozent kleiner wird. So soll das Klimaschutzziel, die Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu senken, erreicht werden. In diesem System werden gleichzeitig klimafreundliche Unternehmen belohnt – denn die können ihre Zertifikate verkaufen, um daran Profit zu machen. Das EU ETS ist seit 2005 in Kraft.

Zertifikate aus Großbritannien könnten die Preise drücken

Mit dem Ausstieg der Briten könnte für das ETS ein Problem entstehen: Denn Großbritannien ist (nach Deutschland) der größte Emittent in Europa. Sollte Großbritannien mit dem Brexit auch aus dem Emissionshandel der EU ausscheiden, drohen zweierlei Folgen: Zum Einen müssten die Klimaschutzziele für 2030 neu berechnet werden. Denn in diesen wurde noch mit Großbritannien geplant.

Zum Zweiten fielen alle britischen Kraftwerke und Industriebetriebe aus dem Handelssystem. Dadurch würde die große Menge „britischer“ Zertifikate wieder für den Markt frei. Durch das erhöhte Angebot bei gleichzeitig deutlich schwächerer Nachfrage drohen die Preise für die CO2-Zertifikate in den Keller zu fallen. Damit gäbe es auch weniger Anreize für Unternehmen, umweltfreundlich zu agieren. Denn es lohnt sich weniger, die Papiere zu verkaufen, während man sie gleichzeitig zum Schleuderpreis bekommen kann, um einen hohen Ausstoß zu decken.

Bildnachweis: Paul Fleet | de.fotolia.com

Ob es wirklich dazu kommt, ist hingegen noch nicht klar. Ein Hoffnungsschimmer ist der aktuelle Status von Norwegen, Island und Liechtenstein. Diese sind alle zwar nicht Teil der Europäischen Union, aber machen dennoch beim Emissionshandel mit. Und da London bisher immer ein großer Antreiber der gemeinsamen EU-Klimapolitik war sowie den Aufbau des EU ETS mit vorangetrieben hat, ist eine solche Lösung vorstellbar. Andererseits ist in England die innenpolitische Zukunft bisher ungeklärt und wir wissen nicht, welche Absichten die nächste Regierung hegen wird. Zumal in der Leave-Kampagne auch viele „Klimaskeptiker“ aktiv waren.

Spaltung in der EU-Klimapolitik zu befürchten

Ein Problem, das definitiv auftreten könnte, ist eine Spaltung des EU-Rats in Sachen Klimafragen. Denn mit Großbritannien würde ein Befürworter der progressiveren Klimapolitik aus dem Parlament ausscheiden. Dort gab es traditionell eine Zusammenarbeit Deutschlands, Frankreichs, Skandinaviens und der Beneluxstaaten, die für ein „grünes“ Europa eintraten. Dieser sogenannten „Green Growth Group“ gehörten auch die Briten an und sie repräsentierte ungefähr 60 Prozent der Stimmen im EU-Rat. Diese Mehrheit liegt nach dem Brexit nur noch haarscharf über 50 Prozent. Wortführer der anderen Hälfte ist die Visegrád-Gruppe, die sich aus den Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei zusammensetzt. Diese setzen traditionell eher auf Kohle und Nuklearenergie.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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