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Brexit & Deutschland: Folgen für Unternehmen und Wirtschaft

Brexit & Deutschland: Folgen Für Unternehmen Und Wirtschaft

Die britische Bevölkerung hat abgestimmt und 52 Prozent haben sich gegen einen Verbleib in der EU entschieden. Damit wird Großbritannien die Union verlassen und die wirtschaftlichen Verhältnisse werden drastischen Veränderungsprozessen unterworfen sein. Da gerade die wirtschaftlichen Argumente oft von EU-Befürwortern ins Feld geführt wurden, lohnt es sich, einen Blick auf die Folgen für Deutschland zu werfen. Denn immerhin sieht Ifo-Chef Clemens Fuest Deutschland als größten Verlierer des Brexit. Deshalb hier ein erster Überblick darüber, welche Folgen der Brexit für die deutsche Wirtschaft hat.

Drin heißt drin und raus heißt raus.

Wolfgang Schäuble zum Brexit.

Zeit sich vorzubereiten: Es bleiben nur zwei Jahre

Schon heute hat David Cameron den EU-Austritt Großbritanniens verkündet und es ist zu erwarten, dass sich dort die Ereignisse überschlagen werden. Bereits jetzt ist zu beobachten, wie das britische Pfund fällt (derzeit auf ein 31-Jahres-Tief), an der Börse herrscht Panik. Außerdem kündigte der Premierminister wegen dem Brexit seinen Rücktritt bis Oktober an.

Nach Artikel 50 des EU-Vertrags bleiben nun zwei Jahre, bis die Europäischen Verträge für Großbritannien nicht mehr anwendbar sind, wobei die Mitgliedsländer diese Frist durch einen einstimmigen Beschluss verlängern könnten. Bis dahin wird es zwischen den Mitgliedsländern und Großbritannien Austrittsverhandlungen geben. Die Verhandlungen werden hart werden: Auf der einen Seite möchten sich die Brexit-Befürworter der Zweijahresfrist zum Austritt bereits jetzt nicht „unterwerfen“, auf der anderen Seite heißt es bereits warnend: „Drin heißt drin und raus heißt raus.

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https://www.youtube.com/watch?v=Gxxnv1tiaBg

Die Folgen des Brexit aus britischer Perspektive. Aus dem ARD Morgenmagazin.

Neuregelungen der britischen Außenwirtschaft sind völlig ungewiss

Ein vorzeitiger Abschluss der Verhandlungen ist indes nicht zu erwarten. Da alle EU-Vorschriften für Großbritannien ungültig werden, müssen sämtliche Regelungen darin in britisches Recht überführt werden. Die Briten sind zudem über die EU an 33 Freihandelsabkommen beteiligt, die ebenfalls neu ausgehandelt werden müssen.

Die Brexit-Befürworter sprechen sich dafür aus, Großbritannien gegen Zuwanderung aus „ärmeren“ EU-Staaten abzuschotten und verstärkt Handel mit Schwellenländern zu betreiben. Auch gegen den Europäischen Regulierungswahn wettern sie. Was das für die Neuausrichtung der britischen Wirtschaft bedeutet, ist derzeit noch nicht abzuschätzen.

Brexit: Folgen für deutsche Wirtschaft

Großbritannien ist der drittgrößte Handelspartner Deutschlands. Und zwar noch vor China! Die deutsche Wirtschaft liefert jährlich Waren im Wert von ungefähr 90 Milliarden Euro dorthin. Und auch bei den deutschen Importen steht die Insel auf Platz 9. Entsprechend erwartet auch DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben „gravierende Folgen“ für die deutsche Wirtschaft und schätzt, dass etwa 750.000 Arbeitsplätze an den Handelsbeziehungen mit Großbritannien hingen.

Mit dem EU-Austritt ist damit zu rechnen, dass die Import-/Export-Bilanz der Insel sich verändern wird. Durch das schwächere Pfund werden Importe sich verteuern, außerdem könnten Währungsschwankungen Geschäftsbeziehungen unsicher machen. Falls die Briten nicht Teil des Europäischen Wirtschaftsraums bleiben (wie das bei Norwegen der Fall ist) würden zudem wieder Außenhandelsvorschriften gelten, die mit dem EU-Binnenmarkt abgeschafft waren.

Der Austritt aus dem Binnenmarkt würde den gesamten Wirtschaftsverkehr beeinflussen: Waren, Kapital, Dienstleistungen und auch Personal wären betroffen. (Die Abschwächung der „Wirtschaftsmigration“ nach Großbritannien ist sogar ein erklärtes Ziel der Brexit-Befürworter.) Im schlimmsten Fall könnten sogar wieder Zölle eingeführt werden, die den Warenverkehr zwischen EU und Großbritannien belasten. Starke Exporte nach Großbritannien haben neben Elektronik- und Chemiebranche auch die deutschen Autobauer: Jeder siebte Wagen aus deutschen Fabriken wird ins Vereinigte Königreich exportiert.

Mit einem britischen Sonderstatus, wie ihn die Schweiz hat, ist in Verhandlungen mit den Brexit-Befürwortern eher nicht zu rechnen. Mit der Schweiz gibt es ganze 120 Sonderabkommen, die ihr einen Zugang zum EU-Binnenmarkt ermöglichen. Für Großbritannien ähnliche Verträge zu verhandeln würde wohl Jahre dauern.

Wir haben keinen Plan B zum Brexit.

BMW-Vorstand Ian Robertson im Handelsblatt

Deutsche Unternehmen sind in Sorge

Aus Sicht deutscher Unternehmen ist der Brexit eine Katastrophe. Nach einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung ist es eigentlich egal, welchen wirtschaftlichen Aspekt man heranzieht – die Entwicklung von Investitionen, Beschäftigungsniveau, Umsatzstärke werden alle äußerst negativ bewertet. Für Unternehmen mit Tochtergesellschaften auf der Insel besteht wegen der rechtlichen Lage außerdem erstmal keine Planungssicherheit mehr.

Ein Drittel der Unternehmen, die Standorte im Vereinigten Königreich unterhält, möchte dort Kapazitäten reduzieren oder auf andere Standorte verlagern. Keine geringe Zahl, wenn man bedenkt, dass in Großbritannien fast 400.000 Beschäftigte in Niederlassungen deutscher Firmen arbeiten. Laut Einschätzung des BDI werden Automobilbranche, Energiesektor, Telekommunikationsbranche, Elektronikhersteller, Metallproduktion und Finanzbranche besonders betroffen sein.

Verlagerung im Finanzsektor zugunsten von Frankfurt?

Der Finanzsektor ist vom Brexit besonders betroffen, denn London gilt als Finanzhauptstadt Europas. Insgesamt 700.000 Menschen aus der Finanzindustrie arbeiten in London. Und nun sind allen voran die Banken dabei, verschiedene Szenarien für einen Rückzug aus der Stadt zu planen. Damit könnte London in der Finanzbranche seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Ein wichtiger Grund für die Abwanderungsgedanken ist mit den Bestimmungen des Euro-Raums verbunden. Besitzt eine Bank nämlich eine Lizenz, die es erlaubt ihr in einem EU-Land Geschäfte abzuwickeln, gilt diese automatisch für die gesamte Union. Allerdings wird zukünftig eine Erlaubnis für Großbritannien diesem Kriterium nicht mehr gerecht und somit London als Sitz für Banken uninteressanter.

Nutznießer der Wanderungsbewegung könnte der Finanzplatz Frankfurt sein. Dort sitzt zum einen die EZB, zum zweiten sind auch Wohn- und Gewerbeflächen günstiger als in London. Ob sich Frankfurt aber gegen die Konkurrenten aus Luxemburg, Dublin oder Paris durchsetzen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Die Zukunft ist ungewiss

Insgesamt besteht viel Unsicherheit zum zukünftigen Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU. Neben den wirtschaftlichen Beziehungen, der Rechtsunsicherheit und den politischen Beziehungen wissen wir zum Beispiel nicht, wie es um die Fusion der Deutschen Börse mit dem London Stock Exchange steht.

 

Wir sind genauso gespannt wie Sie, was die Zukunft bringen wird und werden die Entwicklung weiter im Auge behalten. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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