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Blockchain-Technologie: Nutzen und Hürden in der Praxis

Blockchain-Technologie: Nutzen Und Hürden In Der Praxis
Beitragsserien: Normen und Spezifikationen von Blockchain

Der Blockchain-Experte Volker Jacumeit hat uns in seinem Gastbeitrag bereits umfassend erklärt, dass eine Reihe von Normen hinsichtlich der Blockchain-Technologie erarbeitet werden muss. Heute fasst er im Interview zusammen, warum Standards und Interoperabilität so wichtig sind und welche Konflikte die DSGVO im Zuge der Blockchain-Technologie aufwirft.

Die Standards werden bald veröffentlicht

Was genau muss genormt werden und warum?

Es ist zunächst wichtig, dass die Fachwelt eine gemeinsame Terminologie und einen technologischen Rahmen definiert. Zu beidem werden daher seit Start des ISO TC (Technical Committee) „Blockchain and Distributed Ledger Technologies“ Normen erstellt. Zu dem Thema Terminologie wurde im letzten Jahr eine DIN-Spezifikation, die DIN-SPEC 16597 Terminologie für Blockchains erarbeitet. Diese DIN-SPEC steht kostenfrei zum Download zur Verfügung. Deutschland hat diese DIN-SPEC als Vorschlag bei ISO TC eingebracht. Dieser wird dort geprüft und mit Sicherheit um weitere Begriffe ergänzt und dann als ISO Standard hoffentlich bald veröffentlicht.

Die Festlegung auf einen technologischen Rahmen ist komplizierter.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich um eine recht neue Technologie handelt. Für ein gemeinsames Verständnis ist allerdings auch die Beschreibung eines technologischen Rahmenwerks eine wichtige Grundlage.

Außerdem haben eine Reihe von Branchen, zum Beispiel die Finanzwirtschaft, aber auch im Bereich von Handel und Logistik, diverse Projekte mit dieser Technologie durchgeführt und erkannt, dass es Bereiche gibt, die sich wiederholen. Eine Study Group des ISO TC befasst sich mit solchen Fällen aus der Praxis. Ziel ist es Prozessschritte zu identifizieren, die in allen Branchen bei Blockchain-Anwendungen immer wieder vorkommen und diese dann zu standardisieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Interoperabilität von Blockchain and Distributed Ledger Technologies. Auch bei anderen Technologien hat sich gezeigt, dass eine Interoperabilität ohne Normung nicht funktioniert. In einer global arbeitsteiligen Wirtschaft ist Interoperabilität eine Grundvoraussetzung.

Blockchain-Technology

Interessensvertreter in nationale Spiegelgremien

Wie läuft die Zusammenarbeit zur Erstellung eines internationalen Standards ab?

Zuerst wurden alle ISO Mitglieder aufgerufen sich an der Arbeit des neuen TC „Blockchain and Distributed Ledger Technologies“ zu beteiligen. Da diese Technologie in allen Ländern und über alle Branchen hinweg ein Hype-Thema ist, war die weltweite Beteiligung von Anfang an sehr groß. Die ISO-Mitglieder, in Deutschland zum Beispiel DIN, haben für die Mitarbeit an dem ISO TC sogenannte nationale Spiegelgremien ins Leben gerufen, um dort die jeweiligen nationalen Interessen zu bündeln. Aus den nationalen Gremien werden dann die Experten in das IST TC delegiert und in die Arbeitsgruppen entsandt.

In Arbeitsgruppen wurden dann die Themen und Normprojekte identifiziert, die zuerst bearbeitet werden. In diesen Arbeitsgruppen bringen Experten ihr Know-how ein und es wird ein Entwurf eines internationalen Standards im Konsens erarbeitet, der dann auf der Ebene des TC zur Kommentierung und Abstimmung gelangt. Jedes ISO Mitglied hat dann genau eine Stimme.

 

IT-Sicherheit und Kryptografie

In wieweit werden andere Normen beeinflusst?

Das Thema Blockchain ist zwar eine neue Technologie, sie baut allerdings auf vorhandenen IT-Techniken auf. Insbesondere das Thema IT-Sicherheit spielt hier eine sehr tragende Rolle. Für die Normung in Sachen IT-Sicherheit gibt es vor allem das IOS-IEC JTC1 /SC 27. Dort sind alle wichtigen IT-Sicherheitsnormen entstanden und werden auch entsprechend weiter entwickelt. Insbesondere das Thema Kryptografie spielt auch bei Blockchain eine entscheidende Rolle. Damit die richtigen Experten zusammen kommen und es keine Doppelarbeit gibt, wurde zwischen dem ISO TC Blockchain und dem SC 27 von JTC1 eine sogenannte Joint Working Group vereinbart. Hier werden die besonderen Anforderungen an IT-Sicherheit aus Sicht der Blockchain aufgenommen und genormt. Auf diese Weise wird die Normenfamilie zu IT-Sicherheit um Teile für Blockchain ergänzt und erweitert und im Hinblick auf ein IT-Sicherheitsmanagementsystem wird so für Konsistenz gesorgt.

Ein Widerspruch zur DSGVO?

Gibt es Regelungen in Sachen Datenschutz, die hier wichtig sind und die aber andere Länder nicht betreffen, sodass die Normung schwierig werden könnte?

DSGVO

In Europa gilt ab Mai 2018 die EU Datenschutzgrundverordnung. Daraus resultiert auch das Recht auf Vergessen. Die ursprüngliche Idee einer Blockchain und Distributed Ledger Technologies ist es aber nun, dass gerade nichts aus der Vergangenheit verändert und damit gelöscht werden kann. Dieses stellt die neue Technologie vor besondere Herausforderungen und scheint zunächst ein Widerspruch zu sein. Im Hinblick auf vor allem personenbezogene Daten wird es dazu aber entsprechende Lösungen geben, die auch in Form eines internationalen Standards beschrieben werden. Denn jedes Unternehmen, das mit und in Europa Geschäfte macht, muss die EU Datenschutzgrundverordnung anwenden. Und ein Standard in Sachen Blockchain ist hier für alle eine Hilfe. Es wird daher kein Widerstand erwartet bei der Erarbeitung eines entsprechenden Standards aber es wird viel diskutiert werden, wie die EU Datenschutzgrundverordnung für Blockchain-Lösungen auszulegen ist und wie der Standard dazu aussehen kann.

Wie denken Sie, werden Produktion und Logistik in naher Zukunft davon profitieren?

Schloss

Es gibt schon heute viele Projekte, die den Product-Life-Cycle und die Logistik-Kette betreffen. Sobald es hierzu internationale Standards gibt, wird es für die Unternehmen einfacher entsprechende Systeme und Lösungen auszuschreiben und einzusetzen. Produktpiraterie kann so eingedämmt und sogar unmöglich gemacht werden und wenn es hier Standards gibt, kann zum Beispiel bei Luxusartikeln auch der Second-Hand-Handel von Privat zu Privat leicht mit einbezogen werden.

Der Nutzen für die Wirtschaft ist vielversprechend

Wie nutzen Unternehmen die Technologie jetzt schon? Worauf sollte man achten?

Die zentralen Eigenschaften der Blockchain-Technologie, wie Unveränderlichkeit der Informationen, Transparenz der Transaktionen, dezentrale Kontrolle, Kostenreduktion auch durch möglichen Wegfall von Intermediären oder Automatisierungspotenzial durch Smart Contracts, haben mittlerweile zu breiter Akzeptanz geführt. Normungs- und Standardisierungsgremien haben ihre Arbeit aufgenommen und beraten die erforderlichen Schritte für die Überführung in ein sinnvolles technisches Regelwerk, damit ein Fundament für die weitere Entwicklung einer vielversprechenden Technologie gelegt wird. Darauf kann die die Wirtschaft zukunftssichere Investitionen tätigen. Unternehmen, die früh dabei sein wollen, sollten sich an Lösungspartner halten, die sich auch an den entsprechenden Normungsaktivitäten beteiligen.

Volker Jacumeit ist Gruppenleiter IT und IT-Sicherheit bei DIN e.V. In dieser Funktion ist er unter anderem auch Geschäftsführer des Normenausschuss Informationstechnik und Anwendungen (NIA) sowie der Koordinierungsstelle IT Sicherheit (KITS). Die Gruppe IT und IT-Sicherheit ist zuständig für Normen aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik. Hier spielen vor allem internationale und europäische Normen eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit Experten aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung vertritt er die deutsche Position und Interessen bei internationalen Normungsgremien. Vor seiner Tätigkeit beim DIN war er über 20 Jahre als Projektmanager im Siemenskonzern im Bereich IT und Communication im In- und Ausland tätig.

Volker Jacumeit

Volker Jacumeit

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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