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Bankenaufsicht: Wann führt Regulatorik zur Entmündigung?

Bankenaufsicht: Wann Führt Regulatorik Zur Entmündigung?

Diese Frage stellte uns Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, als er mit seiner Keynote über die US-Regulatorik heute morgen die Konferenz zur Bankenaufsicht 2017 eröffnete. Mit seiner Rede weckte er uns ordentlich auf, als er die Unterschiede bei der Bankenregulierung zwischen USA und Europa unter die Lupe nahm. Die USA kämpften derzeit um ihre hegemoniale Stellung in der Welt, weshalb sie bei der Bankenregulierung einen Schritt zurückgehen und sich von Dodd-Frank verabschieden möchten, war der Tenor. Doch soll es Europa den Amerikanern gleichtun? Wohl eher nein. Denn, während die europäischen Volkswirtschaften aufgrund wiederkehrender Einkommen brummen, läuft die US-Wirtschaft auf Kredit. Auf Pump. Und das werde durch Deregulierung noch weiter angetrieben, bis es zur nächsten Krise kommt. Volkswirtschaft sei aber kein Sprint, sondern ein Marathon und Europa solle es nicht dem amerikanischen Sprint gleichtun.

Volkswirtschaft ist ein Marathon. Kein Sprint.

Folker Hellmeyer, Chefanalyst Bremer Landesbank

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Kleine Banken agieren volkswirtschaftlich, aber werden von der Regulierung hart getroffen

In Deutschland seien es gerade die kleinen Banken, die antizyklisch agieren und eine volkswirtschaftlich wichtige Funktion einnehmen. Das Deutschland das Land der Hidden Champions ist, habe auch mit den regionalen Finanzstrukturen zu tun. Gerade die kleinen Banken waren es, die nach der Krise 2009 verantwortlich gehandelt haben. Dennoch beobachtet man in der Branche eine immer stärkere Oligopolisierung und in den USA ging es vom „too big to fail“ sogar irgendwann zum „too big to jail“. Und die großen Banken sind es, die eben teilweise in eine prozyklische Funktion gewechselt sind. Doch die kleinen sind es, die durch zu häufige Stresstests und zu rigorose Regularien an den Rand der Stabilität gebracht werden können. Ein Teilnehmer sagte, man unterhalte sich in seinem Institut fast nur noch über die Regulierung, aber nicht mehr über die eigentlichen Aufgaben einer Bank.

Die Frage steht nun allerdings im Raum: Wenn wir uns über Regulierung unterhalten, unterhalten wir uns dann über Symptombekämpfung in einem Markt, der sich so entwickelt? Oder müsste sich nicht grundsätzlich etwas ändern? Denn eins darf nicht vergessen werden: Zwar ist die Deregulierung in den vom Calvinismus geprägten USA ein Rezept, um die nächste Krise heraufzubeschwören. Aber sie ist auch ein Rezept, um die amerikanischen Banken kurzfristig profitabler zu machen, während die europäischen hingegen sich um die Umsetzung von Regulierungsvorhaben kümmern und ihre Profitabilität abnimmt.

Welcher Weg hier in Zukunft eingeschlagen werden könnte, darüber hörten wir dann heute Vormittag von EZB und Bundesbank sowie in einer angeregten Podiumsdiskussion zum Thema „Quo vadis Regulatorik?“ Wir sind sehr gespannt über die Fachvorträge in den nächsten anderthalb Tagen zu Regelwerken wie MaRisk, CRR II, FINREP, ICAAP/ILAAP und Co. Vorher geht es aber erstmal zum Mittagessen. Ein ausführlicher Rückblick zur Konferenz wird selbstverständlich folgen!

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Rückblick Bankenaufsicht Titelbild

Rückblick Bankenaufsicht 2017

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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