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Banken-IT auf dem Prüfstand: Dieses Know-how braucht Ihre IT-Abteilung

Banken-IT Auf Dem Prüfstand: Dieses Know-how Braucht Ihre IT-Abteilung

Bankexperte Günter Keilhammer erklärt uns im Interview, warum für Banken das Thema IT immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Einen besonderen Blick wirft er dabei auf die Personalfrage: Was müssen IT-Mitarbeiter in Banken überhaupt können?

Günter Keilhammer ist selbstständiger Unternehmensberater, Dozent und Autor. Er leitete fast fünf Jahre das Group Treasury der börsennotierten Süss MicroTec AG in Garching bei München. Davor war er über fünfzehn Jahre für die Deutsche Bank AG tätig, zuletzt als Key Account Manager im Bereich Corporate and Investment Banking.

Er war außerdem Dozent an der Frankfurt School of Finance and Management. Seine Schwerpunktthemen sind Bankwirtschaft, Finanzierung, Bonitätsprüfung und Corporate Finance.

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Günter Keilhammer

Hohe Ansprüche an die Banken-IT

Herr Keilhammer, als Bankexperte leiten Sie das Management Circle Seminar Bank-Know-how für IT-Spezialisten. Das suggeriert ja schon, dass die IT in Banken stärker in den Mittelpunkt rückt. Welche Handlungsfelder machen die IT denn derzeit so relevant für Banken?

Die IT-Systemlandschaft vieler Banken kommt noch aus der Zeit der 90er Jahre. In dieser Phase hatten die einzelnen Geschäftsbereiche, wie z.B. Investment Banking oder Corporate Banking „ihre“ IT-Abteilung und schufen sich so eigene IT-Architekturen, die miteinander jedoch nur bedingt kompatibel waren – es entstanden die sogenannten „IT-Silo-Strukturen“. Inzwischen hat sich der Anspruch an IT-Systeme der Bank aus verschiedenen Gründen dramatisch verändert. Einige konkrete Beispiele:

  • Bankaufsichtliche Anforderungen u.a. an ein gesamtbankbezogenes Risikomanagement: Aufgrund der Erfahrungen in der Finanzkrise stellen Bankenaufseher heute wesentlich höhere Anforderungen an das Risikomanagement einer Bank. Risikomanagement ist zum großen Teil Datenmanagement und deshalb enorm IT-getrieben.
  • Omni-Kanal-Anforderungen der Kunden:
    Vielen Banken bieten heute Multi-Kanal-Banking an. Dies bedeutet der Kunde kann die Bank auf unterschiedlichen Kanälen, wie Online-Banking, Filialen oder Telefonbanking nutzen. Problematisch ist dabei, dass die Systeme der Banken diese Kanäle (noch) nicht miteinander verknüpfen. Dies ist die Entwicklung zu Omni-Kanal-Banking. Um den Kunden optimal beraten zu können, benötigen aber sowohl Bank als auch Kunde in Echtzeit die gleiche Sicht auf die Kundenverbindung.
  • Digitalisierung von Prozessen:
    Banken haben in einzelnen Geschäftsbereichen noch eine sehr hohen Anteil an manuellen Tätigkeiten. Dies kostet Zeit, Geld und lässt die Bank sowie ihre Angebote – gerade im Wettbewerb mit FinTech-Lösungen oftmals „alt“ aussehen. Soll die Digitalisierung im Front- wie Back-End (end-to-end) gelingen, sind integrierte IT-Lösungen unumgänglich.

 

Daraus wird deutlich: Jedes neue Produkt, jeder neue oder veränderte Prozess, jedes Gesetz, das umgesetzt werden muss, hat massiven IT-Impact. Deshalb werden IT-Abteilungen und -Systeme heute zurecht als Erfolgsfaktoren für Banken gesehen.

Das Problem ist, dass die Masse der regulatorischen Veränderungen auch für Profis kaum mehr zu umfassen ist.

Banken-IT und Regulierungsflut

Besonders aufsichtsrechtlich gibt es eine Menge regulatorischer Anforderungen an die Banken-IT. Da für Otto-Normalverbraucher die Masse an Gesetzen kaum zu überblicken ist: Könnten Sie die wichtigsten Vorgaben für unsere Leser umreißen?

Das Problem ist, dass die Masse der regulatorischen Veränderungen auch für Profis kaum mehr zu umfassen ist. In einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group wird aufgeführt, dass es täglich 200 Regulierungsänderungen für Banken gibt ! Einige aktuelle und bedeutende Beispiele:

  • BCBS 239 und 5. MaRisk-Novelle:
    Die Anforderungen des Basel Ausschusses an große Banken fordern in BCBS 239 eine zeitnahe, in Details nachvollziehbare und vollumfängliche Darstellung der Gesamtrisikoposition einer Bank. Dies setzt nahezu zwingend eine integrierte Finanzarchitektur, d.h. die fachliche und technische Integration der IT über Geschäftsbereiche hinweg voraus. Ähnliche Anforderungen an die automatische Datenaggregation und Datenqualität werden in der 5. MaRisk-Novelle gefordert, die bald verabschiedet wird.
  • IFRS 9 – ein internationaler Bilanzierungsstandard, der die Neubewertung und –klassifizierung jedes einzelnen Kredites und Finanzinstruments in der Bank erforderlich macht. Die Einführung erfolgt in 2018.
  • MiFID II: Durch die Umsetzung dieser europäischen Wertpapier-Verordnung müssen die Banken ihre Prozesse in der Wertpapier-Beratung bis hin zur Abwicklung umstrukturieren. Dabei ist nahezu die gesamte Wertschöpfungskette betroffen und bringt zahlreiche neue Verpflichtungen, z.B. im Pre- und Post-Trading.

 

Die Liste ist lang: PSD II, AnaCredit, WKR, EMIR, Geldwäsche, BAIT … Einzelne Bankenverbände forderten bereits ein „Sabbatical“ für Regulierungen, um widersprüchliche und kontraproduktive Vorschriften auszufiltern.

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Zur Umsetzung neuer Projekte sind Banken- und IT-Wissen erforderlich

Die Umsetzung dieser Anforderungen scheint für nicht wenige Banken ein sehr anspruchsvolles Unterfangen zu sein. Was sind die Gründe dafür?

Ich glaube, dass der Gesetzgeber teilweise unterschätzt, welche Komplexität die Umsetzung dieser Maßnahmen mit sich bringt. IT-Applikationen in Banken sind komplex, stark vernetzt und greifen kunden- und systemübergreifend ineinander. Schon für die Basel II-Umsetzung mussten Großbanken seinerzeit dreistellige Millionenbeträge für die Implementierung aufbringen.

Aufgrund der zahlreichen Veränderungen ist es für Banken oftmals schwierig, die Auswirkungen ihrer Anpassungen vollumfänglich zu testen und abzusehen. Nur so lassen sich IT-Ausfälle und IT-Pannen nach IT-Updates erklären. Ich erinnere nur an die IT-Panne im Sommer letzten Jahres bei der comdirect, als Kunden der Bank für einige Stunden Einsicht in fremde Konten und Depots erhielten! Derartige Störfälle treten in letzter Zeit verstärkt auf und erregen zurecht die Aufmerksamkeit der Aufseher.

Übrigens wird die Vielzahl der gesetzlichen Anforderungen an Kreditinstitute dafür sorgen, dass wir verstärkt Fusionen sehen, da kleine Institute dies nicht mehr leisten können. Ein Prozess, der bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken bereits im Gange ist.

 

Gerade ältere Unternehmen – zu denen Banken häufig zählen – sind intern teilweise etwas behäbig, was den Digitalisierungsprozess angeht. Auf welche Herausforderungen sollten sich IT-Mitarbeiter bei Banken denn in Zukunft einstellen?

Die gute Nachricht: Sie werden auf Jahre ihre Beschäftigung haben, wenn sie in der richtigen Technologie tätig sind und zusätzlich grundsätzliches Bank-Know-how mitbringen. Denn, der Gesetzgeber wird weiter neue Regulierungen schaffen, der Markt wird weiter Veränderungen erforderlich machen und Kostendruck und FinTech-Unternehmen sorgen für zusätzliche Impulse. Viele Banken haben sich – wie Sie sagen – zu lange auf eingeführte Prozesse und Verfahren berufen. Jetzt fordern Kunden schnelle, kostengünstige, „schicke“ und intelligente Lösungen. Dies ist in der Regel nur mit End-to-End-Digitalisierung möglich.

Von IT-Spezialisten werden heute allerdings – neben ihrem technischen Know-how – oft auch bankfachliche Kenntnisse erwartet. Es ist ein Trend, dass IT und Fachbereich der Bank sich enger verzahnen: Es werden gemeinsam Fachkonzepte erarbeitet, iterativ umgesetzt usw. Der Fachbereich sieht sich als Kunde und setzt dabei oftmals voraus, dass die „Techies“ ein gutes Grundverständnis über die Produkte, Prozesse, gesetzlichen Anforderungen der Bank mitbringen. Gleiches gilt übrigens für externe (IT-)Berater, die für Kreditinstitute tätig sind.

Vielen Dank für das Interview!

Bank-Know-how für IT-Spezialisten

Machen Sie Ihre IT-Abteilung zum Teil Ihrer Geschäftsstrategie. Auf dem Seminar von Günter Keilhammer eignen sich IT-Experten praxisnah Fachwissen über die Banken-Branche an. Mit Projektberichten aus der Aareal Bank und der Deutschen Kreditbank. Informieren Sie sich auf unserer Website zu allen Themen und Terminen des Seminars.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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