Arbeitsrecht USA: Achten Sie auf Diversität und Inklusion!

Jörg Rehder

Viele Unternehmer und Personaler denken, dass es in den USA keine Regeln zum Thema Arbeitsrecht zu beachten gäbe. Aber Vorsicht – so ist es nicht! Erfahren Sie von dem Experten Jörg Rehder welche Stolperfallen es gibt und warum Sie bei der Auswahl Ihrer Belegschaft einen besonderen Fokus auf Diversität und Inklusion legen sollten.

Was unter „Diskriminierung“ in den USA zu verstehen ist, wird wesentlich anders als in Deutschland beurteilt.

Jörg Rehder, Schiedermair Rechtsanwälte

Jörg Rehder ist als Attorney-at-Law in den Vereinigten Staaten, als Solicitor in England und Wales und als Rechtsanwalt in Deutschland zugelassen. Er ist Partner bei Schiedermair Rechtsanwälte in Frankfurt/M. Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildet die Beratung von in Deutschland ansässigen Unternehmen im Rahmen von grenzüberschreitenden Transaktionen in den Bereichen M&A, Joint Ventures, Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Arbeitsrecht. Daneben verfügt er über umfassende Erfahrungen bei Verhandlung und Abschluss von Service-Verträgen im Pharma-Bereich sowohl bei Lizenzverträgen im Technologiebereich als auch im Arbeitsrecht und im Datenschutzbereich.

Betriebsräte und Unions sind nicht vergleichbar

Gibt es in den USA etwas vergleichbares wie den deutschen Betriebsrat und was sollten Arbeitgeber hierzu wissen?

Kurz gesagt, etwas Vergleichbares wie einen deutschen Betriebsrat gibt es in den USA nicht. Häufig werden US-amerikanische „Unions“ mit Betriebsräten verglichen, wobei dieser Vergleich nicht zutreffend ist. Unions sind als Gewerkschaften anzusehen und nicht als Betriebsräte. Vor einigen Jahren hatte VW vor, eine Art Betriebsrat für ihren Standort im US-Bundesstaat Tennessee zu gründen, was von vielen Seiten als kleine Revolution angesehen wurde. Denn zum einen gibt es keine mit den deutschen Betriebsräten vergleichbare Interessenvertretungen innerhalb US-amerikanischer Unternehmen und zum anderen wäre es nur möglich gewesen eine betriebsratsähnliche Arbeitnehmervertretung mit Zustimmung der Gewerkschaft zu gründen.

Da Gewerkschaften im Süden der USA traditionell keine wesentliche Rolle spielen und im Süden auch nicht gerne gesehen werden, führte dieser Vorstoß von VW zu erheblichen Verstimmungen.

Betriebsrat, Recht

Dass das VW-Management die US-Gewerkschaften hinsichtlich der Gründung einer betriebsratsähnlichen Organisationseinheit und bei Gesprächen mit VW-Angestellten unterstützte, wurde von Politikern und Geschäftsleuten im US-Bundesstaat Tennessee als regelrechter Affront wahrgenommen – sie verstanden die Welt nicht mehr!

Offer-Letters und Handshake

Was sind typische Klauseln in US-amerikanischen Arbeitsverträgen und wie unterscheidet sich der Arbeitsvertrag vom deutschen Recht?

Gesetzliche Regelungen wie beispielsweise das Kündigungsschutzgesetz, das Mitbestimmungsgesetz oder auch das Betriebsverfassungsgesetz gibt es in den USA schlichtweg nicht. Die Mehrheit der US-Arbeitnehmer sind sogenannte „at-will“-Arbeitnehmer, d.h. sie können jederzeit fristlos gekündigt werden. Typischerweise erhalten US-Arbeitnehmer keinen schriftlichen Arbeitsvertrag. Wenn der US-Arbeitnehmer überhaupt etwas Schriftliches vom Arbeitgeber erhält, geschieht dies in Form eines Offer-Letters. Dieser Offer-Letter ist ein kurzes Schreiben vom Arbeitgeber über die wichtigsten Eckdaten des Arbeitsverhältnisses. Eine gesetzliche Norm, die zwingend den Abschluss eines Offer-Letters vorsieht, gibt es nicht. Oftmals werden US-amerikanische Arbeitsverhältnisse nur durch mündliche Absprachen geschlossen und gelebt. Sehr kurios aus deutscher Sicht ist, dass die Grundlage eines US-Arbeitsverhältnisses oftmals nichts mehr als ein bloßer „Handshake“ zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist.

Welche Rolle spielt die Diskriminierungsklage?

Gleichbehandlung und Diskriminierung sind große Themen in den USA. Wieso werden Diskriminierungsklagen in den USA wesentlich häufiger geltend gemacht als in Deutschland?

Das US-Arbeitsrecht wird von deutschen Kollegen oftmals belächelt und sogar verspottet. Oftmals wird behauptet, dass es in den USA gar kein Arbeitsrecht gäbe. Dies ist schlichtweg falsch. Es gibt in den USA Regelungen bzw. Rechtsprechung zum Arbeitsrecht, aber in einer wesentlich anderen Form als wir es in Deutschland kennen. Wenn über das US-Arbeitsrecht gesprochen wird, redet man oftmals über die allseits bekannten US-Antidiskriminierungsgesetze. Was unter „Diskriminierung“ in den USA zu verstehen ist, wird wesentlich anders als in Deutschland beurteilt.

Bild: Hände spannen ein Netz aus Personal

Die US-Antidiskriminierungsgesetze stammen aus den 60er Jahren und sind deutlich ausgeprägter als in Deutschland. Oftmals haben US-Arbeitnehmer abgesehen von diesem Gesetz keinen tatsächlichen Schutz gegen eine Kündigung von Seiten des Arbeitgebers. Dementsprechend werden diese Gesetze von US-Arbeitnehmern wesentlich häufiger in Anspruch genommen als wir es aus Deutschland kennen. Da US-Klägeranwälte ihre Mandanten üblicherweise gegen Erfolgshonorar vertreten, haben US-Arbeitnehmer nicht viel zu verlieren, wenn sie einen (Diskriminierungs-) Anspruch bei einer Kündigung geltend machen. Anders als in Deutschland stellen US-Arbeitnehmer Ansprüche auf Schadensersatz und nicht auf Wiedereinstellung und Fortbeschäftigung.

Diversity und Inclusion 

Welche Rolle spielt Diversity am Arbeitsplatz?

 Diversity ist und bleibt ein Thema in den Vereinigten Staaten – wobei man inzwischen eher über „Diversity“ und „Inclusion“ redet.

Diversity...

…bedeutet, dass Arbeitgeber die Vielfältigkeit der Mitarbeiter fördern, d.h. Arbeitgeber sollten ihre Belegschaft unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, oder Behinderungen zusammenstellen.

Inclusion...

…bedeutet jedoch, dass Arbeitnehmer mit verschiedenen „Eigenschaften“ (Alter, Geschlecht, Behinderung usw.) auch in die Leitung von Unternehmen einbezogen werden, d.h. sie sollen auch Entscheidungsträger innerhalb eines Unternehmens werden und nicht als ausgeschlossene Akteure aufgrund ihrer „Eigenschaften“ fungieren.

Diese Zielsetzung befindet sich in den USA noch in der Anfangsphase, gewinnt aber vermehrt an Bedeutung.

MigrantenDie Verfolgung dieser Zielvorgaben „Diversity und Inclusion“ wird von US-Unternehmen mit steigender Tendenz angestrebt, da in den USA mittlerweile übereinstimmender Konsens herrscht, dass die Diversität der Mitarbeiter konstruktiv und gewinnbringend genutzt werden kann. Überwiegend sind die Kunden der Unternehmen ebenso vielfältig wie deren Mitarbeiter, sodass das Diversity-Know-how der Mitarbeiter in die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen einfließt, um den mannigfaltigen Ansprüchen der vielfältigen Kunden gerecht zu werden. Der Umstand, dass die Förderung von „Diversity und Inclusion“ auch ein präventives Mittel gegenüber eventuellen millionenschweren Diskriminierungsklagen sein kann, ist in diesem Zusammenhang natürlich nicht außer Acht zu lassen. Sollte es zu einer Kündigungsschutzklage aufgrund von (angeblicher) Diskriminierung kommen, und die Geschworenen feststellen, dass die Entscheidungsträger des entsprechenden Unternehmens „vielfältig“ sind, gilt dies oftmals als Indiz, dass es zu keiner, bzw. nur ausnahmsweise zu einer Diskriminierung beim Unternehmen gekommen sei. Dann werden häufig relativ niedrige Schadensersatzsummen ausgeurteilt.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Mich wundert es bei dem Recht in den USA gar nicht, dass auch beim Arbeitsrecht interessante Vorschriften zu beachten sind. Aber ja, dann kann natürlich der Arbeitsrecht Anwalt auch gleich mitnaschen.

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