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Neue Kollaborationsmodelle bei der Anwendung von Blockchain-basierten Technologien

Neue Kollaborationsmodelle Bei Der Anwendung Von Blockchain-basierten Technologien

Distributed Ledger Technologies (DLT – wobei Blockchain nur eine davon ist) haben die Vorstellungskraft von Risikokapitalgebern und Innovatoren gleichermaßen gefangen genommen und sind seit den Tagen der klassischen Blockchain-Implementierungen weit über ihre ursprüngliche Anwendung als die zugrunde liegende Technologie für Kryptowährungen hinausgegangen. Um reale Implementierungen in Anwendungsfällen der neuen Mobilitätsszenarien angehen zu können, bei denen völlig andere Anforderungen durch Regularien (wie der Sicherheit) gestellt werden, ist es wichtig, die verschiedenen Fachkenntnisse von Mitgliedern der jeweiligen Branchen zu bündeln.
Aktuelle DLT Implementierungen repräsentieren die Entwicklung des Internets von Daten zu einem Internet der Werte mit dem Potenzial, Gesellschaft, Wirtschaft und Gesetzgebung radikal zu verändern. Angesichts seiner Fähigkeit, vernetzte digitale Identitäten und Vertrauen (was nicht zuletzt durch die transparente Open Source Verwendung ermöglicht wurde) zu schaffen, sowie Handel und extrem gut abgesicherte Eigentumsrechte in einem verteilten Netzwerk zu ermöglichen, wird dies einen wichtigen Baustein für intelligente Systeme wie Smart Traffic oder Smart Cities schaffen, die auch von Endnutzern oder der Gesetzgebung akzeptiert werden können.

Peter Busch arbeitet für den Bereich „Automotive Integration“ – der Bosch Mobility Think Tank berichtet an die Geschäftsführung der Bosch-Gruppe. Er und sein Team arbeiten an den zukünftigen Connectivity Strategien für die Mobility Geschäftsbereiche der Bosch-Gruppe und als Berater für den Vorstand. Er verfügt über 25 Jahre Erfahrung in internationalem Projektmanagement, Coaching und Training. Er hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik und arbeitete als CEO und Gründer seines eigenen Startups sowie für JP Morgan und Sun Microsystems. Seine derzeitigen Interessen und Verantwortlichkeiten sind Connected Mobility und IoT-Technologien (u. a. Distributed Ledger Technologien) und die jeweiligen Ökosysteme und ihre Geschäftsmodelle.

Peter Busch

Peter Busch

Ursünde des Internets

Einer der Hauptforschungsschwerpunkte ist die Tatsache, dass die Urheber von gesammelten Massendaten keine wesentlichen Eigentumsrechte haben, was bedeutet, dass die Daten in riesigen Datensilos von monopolistischen Technologieunternehmen landen – was von Michael J. Casey vom MIT als „die Ursünde des Internets“ bezeichnet wird. Es besteht die Chance, einen alternativen Ansatz für diese Datenmonopole in Form von dezentralisierten und – aufgrund der allgemeinen Zugänglichkeit und Unveränderbarkeit – demokratischeren Datenlandschaft zu entwickeln.

Exemplarisch kann hier das Auto als Schauplatz zukünftiger Verteilungskämpfe genannt werden, in dem Unternehmen wie Google, Amazon oder Apple um den Zugang und die Verwendung dieser Daten kämpfen. Die Distributed Ledger Technologien entwickeln sich hier zu einem mächtigen Instrument der Dezentralisierung, was Vorteile für die Gesellschaft (wie die Verbesserung der Verkehrssicherheit, die Erschwerung von Betrug rund um die Fahrzeugspezifikationen, etc.) bringt und es darüber hinaus ermöglicht, einen nahtlosen, nicht-diskriminierenden Zugang zu den zukünftigen Smart Services der diversen Smart-X (X: -Home, -City, -Industry) für Endkunden anzubieten.

Störfaktoren und Konvergenz der Technologien

Distributed Ledger Technologien stören Intermediäre wie Uber (die ein Plattform gestütztes Nutzen von Mobilitätsdienstleistungen Peer2Peer, also von einem Besitzer zum Anderen anbieten), indem es echte Peer2Peer Sharing Economies ermöglicht, indem es diese Geschäftsmodelle entbündelt und dominierende Plattformen aufgrund der Demokratie des wahren verteilten Datenbesitzes entkräftet. Die Technologie eignet sich hervorragend für verteilte, branchenübergreifende Geschäftsmodelle, die mehrere Parteien und sogenannte Mikrotransaktionen (virtuelles Kaufen und Verkaufen mit Kryptowährungen) umfassen.

Es gibt eine Konvergenz von aktuell heiß diskutierten Technologien

Software-seitig
die diskutierten Distributed Ledger Technologien (DLT): Artificial Intelligence, Machine Learning und Deep Learning

Hardware-seitig
die immer ‚smarteren‘ Sensoren, Robotic-komponenten und elektronischen Steuereinheiten

Diese Konvergenz ist die Grundlage für die kommenden neuen technologischen Szenarien, die zu autonomen Systemen führen werden, die in Fahrzeugen für den Transport von Personen, Gütern oder jeglichem Material, das in den Industrien benötigt wird, zur Verfügung stehen. DLT hat das Potenzial, diese Konvergenz zu ermöglichen und neue Sicherheits-, Datenschutz- und Resilienzmodelle für die benötigten vertrauenswürdigen Szenarien des Internets der Dinge einzuführen, in die diese Systeme eingebettet werden und die für den Wertaustausch als Basis für eine Maschine aktiviert werden müssen. Eine notwendige Grundlage dafür sind allerdings Kollaborationsstrukturen aus den Open Source Communities, wo es möglich ist, eine gemeinsame Basis von Softwarekomponenten zu erstellen, die von allen nutzbar und erweiterbar ist. Die überwiegende Mehrzahl der vorhandenen Distributed Ledger Implementierungen sind öffentlich zugänglich und unter bestimmten Lizenzbestimmungen frei verwendbar, was auch einer der Erfolgsfaktoren der globalen Verbreitung dieser Technologien darstellt. Außerdem sorgt dies für die notwendige Transparenz der zugrunde liegenden Softwarekomponenten und der daraus folgenden Qualitäts- und Sicherheitslevel.

Machine-to-Machine Ökonomie

BlockchainAufgrund der auditierbaren, unfälschbar und notariell beglaubigungsfähigen Dokumentationsfunktionalitäten von Distributed Ledger Technologien ist es möglich, mit Hilfe von qualitativ hochwertigen, validierten Daten zum Trainieren von AI-Modellen, die Entwicklung von durch Smart Contracts unterstützten digitalen Assistenten, voranzutreiben. Diese ermöglichen in hochautomatisierten Systemen in Fahrzeugen und Verkehrssystemen eine nahtlose Abwicklung von wirtschaftlichen Transaktionen, wie das Kaufen und Verkaufen von Daten, Dienstleistungen und sonstigen Werten. Der Hauptvorteil dieser Machine-to-Machine Ökonomie ist der nicht mehr benötigte intermediäre Broker oder die monopolistische, zentralisierte Plattform. Stattdessen wird ein nicht-diskriminierender Zugang für alle und eine demokratisierte auf persönlichen Datenschutz und Sicherheit fokussierte Datenhaltung und -verwendung ermöglicht.

Fazit

Um diese transformativen Technologieentwicklungen zu realisieren, müssen überzeugende Anwendungsfälle entwickelt werden, um die Reife der verwendeten DLTs zu bewerten und ihre Möglichkeiten zu präsentieren. Dies kann jedoch nur mit dem Engagement, der in einer Industrie-übergreifenden Konsortialstruktur organisierten Technologiepartnerschaft aller relevanten Branchenmitglieder, gelingen. Hier können dann die benötigten Standardisierungen vorangetrieben werden und über gemeinsame Projekte die entsprechenden Technologien aus ihren jeweiligen Kompetenzfeldern entwickelt werden. Eine besondere Rolle werden hier die neuen Kollaborationsmodelle spielen, die durch neue Strukturen im Industriekontext, wie zum Beispiel Open Source Software möglich werden.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Super Artikel. Spannend wird es im Moment der ökonomischen Bewertung und Modellierung wie aus Zentralsystemen (Monopole, zentral gesteuerte Ecosysteme, quasi kommunistisch) und verteilten Systemen (Polypol, Wettbewerblich unter Intramarginalanbietern) eine Koexistenz entsteht und wettbewerbliche Interaktionen starten. Spannende Fragen bewegen viele: Wann wechseln Nutzer aus Zentralsystemen und unter welchen Voraussetzungen in dezentrale Systeme ? Was passiert, wenn ein dezentrales einem anderen dezentralen System Konkurrenz macht, welche Wechselmotivation der Teilnehmer mag es geben oder welche Doppel- oder Mehrfachteilnahme mag es zukünftig geben ? Für wen als „Schreiber“ eines Chaincodes lohnt die Beteiligung in einem dezentralen / zentralen Netz und welche Kosten / Nutzen haben „Reader“ im Sinne der Nutzung von zentralen bzw. dezentralen Systemen und wie gestalten sich die Wechselkosten bzw. welche Nutzer-Bewegungen in Bezug auf Wechsel in die 4 Richtungen zentral zu dezentral, dezentral zu zentral, dezentral zu weiterem dezentral und zentral zu zentral – System entstehen unter welcher Motivation unter welchen Kriterien. In einer weiteren Dimension werden sich Oligopole (Konsortien) und wie ini allen Märkten Monopson, Oligopson und Poloypsons ergeben. Fraglich ist, wie ein destruktiver Preiswettbewerb vermieden werden wird und sich ein Gleichgewicht einstellen wird. Wer werden die zukünftigen Blockchain-Intermediäre werden ? Alles diese Fragen sind aus ökonomischer und betriebswirtschaftlicher Perspektive hoch spannend.
    Wir werden wohl eine Dezentralisierung und gleichzeitig eine Spezialisierung auf hochqualitative (Inhalt, legal etc) Daten sehen. Es wird ggf. ein Austrocknen der DataLakes geben, und sich ein emergent ordnendes decentral data storaging und einer fallweisen legalen Zusammenführung der Daten entwickeln. (cubic Networks, hash table Networks). Dann werden Daten zu Gold.
    Sprechen wir gerne darüber -Axel Fräßdorf, SopraSteria Consulting

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