Smarte Quartiere: Die Zukunft der Quartiersentwicklung

Quartierentwicklung

In jüngerer Zeit ist das Quartier wieder verstärkt in den Fokus gerückt – zum einen als Ort der urbanen Energiewende und zum anderen als die wichtigste Betrachtungsebene, um Innovationen in die Stadt zu bringen. Wie und warum diese Entwicklung stattfand und welche Quartiere uns in Zukunft erwarten werden, hat uns Alanus von Radecki in einem exklusiven Interview verraten.

Alanus von Radecki ist Leiter des Competence Teams Urban Governance Innovation am Fraunhofer IAO und Leiter des Innovationsnetzwerks „Morgenstadt: City Insights“. Neben seinen Tätigkeiten in der Projektkoordination und Steuerung liegt sein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Urban Governance“ sowie in der Systemanalyse und Komplexitätsforschung mit direktem Bezug zu urbanen Systemen.

Parallel zu seiner Rolle am Fraunhofer IAO ist Herr von Radecki Lead Expert für das URBACT Netzwerk SmartImpact und berät in dieser Funktion Städte wie Stockholm, Manchester und weitere zur Transformation des Governance Systems innerhalb der Stadtverwaltung und darüber hinaus.

Die Definition der Quartiersentwicklung

Herr von Radecki, können Sie uns in kurzen Sätzen noch einmal erklären, was unter einer Quartiersentwicklung verstanden wird?

Im konventionellen Sinn versteht man unter Quartiersentwicklung die Planung, Erschließung, den Bau und den Betrieb eines urbanen Gebiets. In der Vergangenheit hat es sich als schwierig herausgestellt, bei der Quartiersentwicklung Aspekte der Nachhaltigkeit und Innovation zu berücksichtigen, da diese oft mit höheren Anfangsinvestitionen versehen sind, welche sich nicht ohne weiteres auf den Verkauf, beziehungsweise die Miete umlegen lassen. In jüngerer Zeit ist das Quartier allerdings wieder verstärkt in den Fokus gerückt – zum einen als Ort der urbanen Energiewende und zum anderen als die wichtigste Betrachtungsebene, um Innovationen in die Stadt zu bringen. Das Quartier ist der perfekte Ort, um an der Schnittstelle von Stadtentwicklung, Bürgern, Unternehmen und Forschung, Innovationen in der Umsetzung zu erproben. Die Quartiersentwicklung, wie wir Sie im Rahmen der Morgenstadt Initiative betreiben, schafft somit langfristige Wertschöpfung für die Stadtgesellschaft, Unternehmen und die Umwelt.

Stadt

Das Quartier als Smart District

Welche Entwicklungen haben sich in den letzten Jahren in diesem Bereich ergeben? Und insbesondere von wem: PropTechs oder etablierten Unternehmen?

Die 2000er Jahre waren – zumindest in vielen deutschen Städten – durch den Gedanken der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes geprägt. Bottom-up-Initiativen sorgten auf Quartiers- und Nachbarschaftsebene für ein stärkeres Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein. Über Institutionen wie beispielsweise den DGNB wurde die nachhaltige Quartiersentwicklung professionalisiert und man hat angefangen, innovative (saubere) Technologien für das Quartier mit einer echten Wertschöpfung zu kombinieren. Immer wieder konnte gezeigt werden, dass Liegenschaften in einem nachhaltigen Quartier bis zu 20 Prozent höhere Preise auf dem Immobilienmarkt erwirtschaften. Seit 2010 ist die Entwicklung allerdings stärker Daten getrieben und von Konzepten wie dem Internet of Things (IoT), intelligenter Infrastruktur und Elektromobilität geprägt. Das Quartier wird zunehmend als „Smart District“ verstanden, in dem alle Technologien miteinander vernetzt werden, um auf der einen Seite einen effizienten, möglichst CO2- neutralen Betrieb zu gewährleisten. Und auf der anderen Seite digitale Dienstleistungen für Bürger und angesiedelte Unternehmen anzubieten und hierdurch neue Revenue Streams zu erschließen. Die Sharing Economy und Wertschöpfung aus Daten sind wesentliche Faktoren für das Smarte Quartier. Zunehmend erkennen hierbei auch die Städte, dass „Smarte Quartiere“ nicht nur positiv für Bewohner, die Umwelt und lokale Unternehmen sind – Smart Districts eignen sich auch hervorragend zur Stärkung des lokalen Innovations-Ökosystems. Städte wie Porto, Eindhoven oder Dublin haben in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie ein Quartier als lebendes Labor für lokale Startups und KMU dienen kann, wodurch diese ihre Innovationen erproben und demonstrieren können. Die Zusammenarbeit von Stadt und lokalen Unternehmen bekommt im Innovationsquartier durch diese Symbiose eine ganz neue strategische Dimension.

Quartier 4.0

Und was erwartet uns in zehn bis zwanzig Jahren?

In den nächsten Jahren dürfen wir weitere Durchbrüche auf dem Gebiet des IoT erwarten, welches mit Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen zu neuen, sehr effizienten und nutzerangepassten Anwendungen im Quartier führen wird. Die ubiquitäre Verfügbarkeit von Datentransfer im Gigabyte Bereich (z. B. durch G5 oder LoRa WAN-Technologien) werden Echtzeit-Applikationen und eine Steuerung von Quartiersprozessen (Energie, Mobilität, Logistik, Warenströme etc.) ermöglichen. Hierüber wird das CO2-neutrale Quartier in den kommenden Jahren zu einem Erfolgsmodell, das nach Belieben in Städten in ganz Europa replizierbar ist. Wir müssen hierbei allerdings aufpassen und eng mit unterschiedlichen Nutzer- und Kundengruppen zusammenarbeiten. Die digitale Disruption in der Quartiersentwicklung birgt die Gefahr des Elitären und hiermit auch das Potenzial zur weiteren gesellschaftlichen Spaltung. Die Entwicklung, Erprobung und Umsetzung innovativer Technologien im Quartier muss somit stets im Dialog mit Bürgern und lokalen Nutzern geschehen, um sicherzustellen, dass keine Technologiefantasien aufgestülpt werden. Über soziale Medien und die virtuelle Realität stehen allerdings Technologien bereit, die bei einer neuen Form der digitalen Beteiligung behilflich sein werden. Städte und Quartiersentwickler werden sich in Zukunft dieser „Assets“ deutlich stärker bedienen.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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